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Das Ophüls-Festival bietet unter dem Titel „MOP-Shortlist: Saarland“ ein Programm mit heimischen Kurzfilmproduktionen an.

Saarländische Filme beim Filmfestival Max Ophüls Preis : Wenn der Kopf die Gedanken nicht mehr fassen kann

Das Ophüls-Festival bietet unter dem Titel „MOP-Shortlist: Saarland“ ein Programm mit heimischen Kurzfilmproduktionen an.

„MOP-Shortlist: Saarland“ heißt das Programm des Ophüls-Festivals mit Filmen aus dem Saarland: Sehr sehenswert sind zwei Essay-Filme, die an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) von Sung-Hyung Cho betreut wurden, HBK-Professorin und Ophüls-Gewinnerin („Full Metal Village“). Da ist „Undenkbar“ von Katharina Schacke, die uns in die Gedankenwelt eines jungen Mannes mit Zwangsstörungen führt. Sehr offen erklärt er, welche Zwangsgedanken ihn martern: Angst vor Gewaltausbrüchen, Angst vor Pädophilie, Angst vor fast allem. Ein berührender, auch erschreckender Film, mit abstrakten Bildern bis hin zu einer Art Ausdruckstanz. Sehr intensive 20 Minuten.

Eine Szene aus dem beeindruckenden Film „Undenkbar“ von Katharina Schacke. Foto: MOP Festival Foto: FFMOP/Katharina Schacke

Im autobiografisch getönten Film „Frau ohne Eigenschaften“ erzählt die Chinesin Siwei Li vom Fremdsein, vom Wunsch nach Akzeptanz und von der Schwierigkeit, ihre Situation verständlich zu machen. Auf der Tonspur erzähl eine Chinesin namens Luna, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, von ihrem Alltag – vom Einkaufen, das noch den leichtesten Kontakt herstellt, vom Nachbarn, der bei ihr einen sehr intimen Kontakt sucht, vom Freund Leo, der ihr grundlegendes Gefühl des Fremdseins nicht versteht. Also auch nicht, dass sie am liebsten zu „Starbucks“ geht, weil dort meistens Ausländer säßen – in anderen Lokalen fühle sie sich immer „wie ein Eindringling, der die gute Stimmung stört“. Der Film, entstanden an der HBK, zeigt Bilder Straßenbilder Saarbrücken, das Meer, den Himmel, Lichter – einen fast meditativen Rhythmus hat dieser elfminütige, sehr reizvolle Film, der ein Gefühl der Fremdheit nachvollziehbar macht.

„Glückstelefon“ ist der dritte Kurzfilm von Nicola Bläs, eine siebenminütige Zwei-Mann-Produktion: Bläs ist für Regie, Schnitt, Ton und Kamera zuständig, das Buch entstand zusammen mit dem einzigen Darsteller Chadi Yakoub (sieht man von der Stimme einer Anruferin ab). Yakoub spielt einen Telefonseelsorger halb zwei in der Nacht, die Schicht ist fast zu Ende – da ruft ein junger Mann an und erzählt eine dramatische Geschichte, die den Seelsorger im Innersten trifft. Warum, erfährt am Ende dieses gut gemachten kleinen Kammerspiels.

Jörn Michaely („Ellen & Alan“) zeigt in der MOP-Shortlist als Uraufführung seinen Film „Die Formel“ – Bericht folgt.

„Leistung. Fokussiert. 100 Prozent!“ Das ist das Credo von Chris, Mitte 30. Das hat ihn zum Lieblings-Verkäufer des Autohauses gemacht: Bei 16 an den Mann/Frau gebrachten Karossen liegt sein Tagesrekord, erreicht durch einen leicht öligen, aber durchaus effektiven Charme. Doch die Vergangenheit gärt in ihm – während seine Freundin von gemeinsamen Kindern spricht, was ihn wenig interessiert, bringt es ihn aus der Fassung, seinen Vater nach Jahren noch einmal zu sehen. Nicolas Schöneberger erzählt in seinem 20-minütigen Kurzfilm „Nicht wie Du“ kompakt die Geschichte eines jungen Mannes, der seinen Weg erst finden muss – das tut Schöneberger mit Gespür für gute Bilder, für Kino und mit einem guten Darsteller – dem gebürtigen Saarbrücker Robin Leo Hoffmann („Werk ohne Autor“).