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Das Festival läuft bis 3. Oktober.

Eröffnung der Kammermusiktage Homburg : Grünschnäbel und alte Hasen

Die Internationalen Kammermusiktage Homburg haben grandios begonnen.

Zum Eröffnungskonzert der Internationalen Kammermusiktage Homburg (bis 3. Oktober) machten das Vogler- und das Gyldfeldt Quartett im Saalbau Homburg gemeinsame Sache. Neben jeweils eigenen Darbietungen spielten alle Musiker gemeinsam ein selten gehörtes Oktett. Das Vogler Quartett gehört seit einem halben Jahrhundert fest zu den Homburger Kammermusiktagen. Mittlerweile sind sie zudem als künstlerische Leiter des Festivals aktiv. Nachdem im vergangenen Jahr das Eliot Quartett aus Primarius Tim Voglers Kammermusikklasse in Homburg auftrat, ist 2020 das von Frank Reinecke (Violine) betreute Gyldfeldt Quartett mit dabei.

Die vier Musiker – neben Vogler und Reinecke sind Stefan Fehland (Viola) und Stephan Forck (Cello) Teil des Vogler Quartetts – eröffnen den Abend und die Kammermusiktage mit Beethovens „Streichquartett A-Dur op. 18/5“. Das Zusammenspiel der Herren nimmt einen von Anfang an gefangen: Mit perfektem Timing und warmen Klang spielt das Quartett das Stück zwischen Feingeist und „mit Schmackes“. Wunderbar, wie sie die Musik im dritten Satz sich wiegen lassen.

Die Musiker des Gyldfeldt Quartetts sind, verglichen mit ihren Kollegen, noch Grünschnäbel, stehen musikalisch aber nicht zurück. August Magnusson, Jonas Reinhold (beide Violine), Sarah Praetorius (Viola) und Anna Herrmann (Cello) haben Modernes mitgebracht: Sie spielen Alfred Schnittkes zitatgespicktes „Streichquartett Nr. 3“ – im Stehen! Was ein Mehr an Bewegung auf die Bühne bringt. Die Musik erscheint immer wieder wie zu einem noch nicht gedrehten Film, oszilliert gerade im Andante-Teil zwischen hektisch-laut und getragen-melodisch. Hier ist die russische Herkunft des Komponisten nur zu offensichtlich. Bravo!

Nach der Pause muss die „Kammer“ größer werden, denn es kommt zum Tête-à-Tête zwischen den acht Musikern. Mit dem von Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierten „Oktett Es-Dur op. 20“ kommt das Publikum in den Genuss eines eher selten gehörten Stücks. Und auch diese Darbietung ist grandios. Nicht bemerkbar, dass diese Musiker im Normalfall nicht zusammenspielen – man höre nur das sich immer noch zu steigern wissende Presto! Dass es danach trotz massivem Beifall keine Zugabe gibt – geschenkt! Was hätte da noch kommen sollen?
www.kammermusik-homburg.de