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Das Bundesjazzorchester bei den Musikfestspielen Saar

Das Bundesjazzorchester bei den Musikfestspielen : Und immer schön locker bleiben!

Musikfestspiele Saar: Das Bundesjazzorchester (BuJazzO) gab ein Konzert in Saarbrücken.

350 Zuschauer, eine unglaublich präzise Bigband, deren gekonnt witzelnder Leiter und ein prima Sound – das war ein stimmiger Beitrag zu den Musikfestspielen Saar. Aber das alles wäre ja für die Katz’ gewesen, hätte nicht das Wetter mitgespielt beim Open Air-Konzert des Bundesjazzorchesters (BuJazzO) auf dem Saarbrücker Ludwigsplatz.

Darüber freute sich auch Festival-Leiter Bernhard Leonardy in seiner Begrüßung: „Das Wetter geht allein auf diese wunderbaren Musiker zurück.“ Anschließend erklärte BuJazzO-Manager Dominik Seidler, was es mit dem Programm des Orchesters auf sich hatte: In Köln gab  es einst die Bigband des US-Schlagzeugers Kenny Clarke und des belgischen Pianisten Francy Boland. Deren Produzent, der Eisdielenbesitzer Gigi Campi, ist vor vier Jahren gestorben. Seidler vermutete damals, dass sich die Noten der Bigband-Arrangements von Boland noch im Besitz der Familie Campi befinden müssten. Mit Gigis Sohn Paolo hat er einige Kaffees getrunken – drei Jahre später durfte er acht Umzugskartons aus einer Garage bergen. Darin die handgeschriebenen Arrangements der von 1961 bis 1972 existierenden Bigband. Aus diesem Fundus (Seidler: „Ein Meilenstein!“) stellte BuJazzO-Leiter Jiggs Whigham nun ein Programm zusammen, das aus Boland-Kompositionen und -Arrangements sowie Arrangements von Darmon Meader bestand.

Letztere waren vor allem für die wunderbaren fünf jungen Sängerinnen und Sänger, die als die BuJazzO Singers dann und wann auf die Bühne kamen und einen unfassbar sauberen mehrstimmigen Gesang darboten. Dirigent Whigham wiederum besaß die Coolness und Lockerheit, die jemand haben muss, der schon in jungen Jahren als Posaunist in den Bigbands von Kurt Edelhagen und Peter Herbolzheimer mitwirkte. Mit seinen 75 ging er großväterlich-liebevoll mit den maximal 24 Jahre alten Bigband-Musikern um. Gitarrist Alexander Rueß griff er nach einem Solo an die Saiten, so als ob diese glühend heiß wären. Andere klatschte er ab oder schlug ihnen anerkennend auf die Schulter – mit Bill Ramsey-Bart und -Akzent verströmte er einfach Wärme, so als wolle er der jungen Jazz-Elite sagen: Vergesst bei allem Ehrgeiz die Lockerheit nicht. Und natürlich auch nicht den Spaß. „Eines der wichtigsten Dinge am Jazz ist „It’s fun!“, sagte Whigham gleich zu Beginn. Am Ende gab es stehende Ovationen für ein brillantes Konzert.