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Corona-Soforthilfe: Der KuBA-"Herbstsalon" zeigt Neuankäufe des Landes

Neue Kunst für das Saarland : Neue Werke für die Landeskunstsammlung

Eine Ausstellung im Saarbrücker KuBa zeigt, welche Kunst das Land bei seinen Künstlerinnen und Künstlern angekauft hat, um ihnen in der Pandemie zu helfen.

Wenn man es richtig anstellt, kann man der Corona-Zeit auch Positives abgewinnen. Zum Beispiel eine Ausstellung, die es in dieser Form noch nie gab. Sie findet in der Kantine des Saarbrücker Kulturzentrums am Eurobahnhof (KuBa) statt, trägt einen vertrauten Namen – „Herbstsalon“ – und ist doch etwas ganz Anderes.

Üblicherweise stellen beim KuBa-Herbstsalon die im Atelierhaus vertretenen Künstlerinnen und Künstler ihre Werke aus. Diesmal nicht, diesmal hieß es, zu Gunsten anderer zu verzichten. Diesmal spielt das KuBa Gastgeber für Künstler, von denen die meisten noch nicht zur etablierten Kunstszene zählen und als Freischaffende arbeiten. 34 sind es. Ihre Werke werden irgendwann mal in öffentlichen Gebäuden des Landes zu sehen sein, denn sie  wurden für die Landeskunstsammlung angekauft, und zwar im Rahmen des „Corona-Soforthilfe-Kunstankauf“-Programms. Bis Juli wurden mit 125 000 Euro Sondermitteln Kunstankäufe bei 70 Künstlern getätigt. Es geht hier also um eine Förder-Maßnahme, nicht um eine Auslese. Die Werke wurden von den Künstlern selbst vorgeschlagen und durften nicht mehr als 2000 Euro kosten. Fast die Hälfte dieser in Corona-Zeiten erworbenen Arbeiten wird jetzt beim „Herbstsalon“ präsentiert, der Leiter der KuBa-Galerie Andreas Bayer hat sie ausgewählt.

Nach persönlichem Geschmack? Oder suchte er diejenigen aus, denen er zutraut, dass sie sich im Markt und in den Museen durchsetzen werden? Weder noch. „Ich musste in Konstellationen denken“, so Bayer. Die Sichtachsen und Bezüge sollten stimmen, um einen Flohmarkt-Eindruck zu vermeiden. Das ist prima gelungen. Die heterogene Stil-Fülle und die großen Qualitätssprünge erlebt man nicht als Stör-Faktor, sondern als Herausforderung für das eigene Urteilsvermögen. Denn natürlich trägt man die Frage durch die Gänge: Gute Kunst? Schlechte Kunst? Überhaupt Kunst!, lautet wohl die Botschaft. Und die darf und kann alles, in allen nur möglichen Gattungen: Radierung, Linoldruck, Öl-Gemälde, analoge Fotografie… Man trifft auf Motive, die an Kinderbuch-Illustrationen (Stefanie Weber, Christian Andres) erinnern, auf mutige Farbzusammenstellungen (Monika Hau), die an die Palette Armin Rohrs erinnern, der sein Atelier im KuBa-Haus nebenan hat, oder auf handwerklich Originelles wie die Wand-Skulptur Peter Köchers, der Papier so faltet und mit Acrylharz lackiert, dass es wie Blech wirkt. Zu entdecken sind zudem verblüffend souveräne Handschriften.

Maigorzata Sztremer klemmt „Drei Personen“ ohne Gesichter in einen vermeintlich zu engen Bildausschnitt, Vera Loos drückt „Elise“ weit hinten in eine Bildecke und stellt ihr einen Mann (Lehrer? Vater?) zur Seite, dessen vereinnahmende Umarmung Argwohn weckt. Und Isabell Gawron erzeugt durch ein entfesseltes Spiel der Formen ein atmosphärisch dichtes Wald- und Gewitter-Szenario. Dies und mehr sind lohnende Neu-Entdeckungen, doch man kann in der KuBa-Kantine auch bekannten Positionen begegnen: Fancis Berrar, Sven Erik Klein, O.W. Himmel, Isabelle Federkeil, um nur einige zu nennen. Wobei just bei diesen Künstlern mitunter die Frage auftaucht, warum sie sich gerade  mit diesem Werk ins Corona-Förderprogramm und damit in die Landeskunstsammlung begeben haben? Letztere umfasst 5000 Kunstwerke und hat laut Kulturministerium „neben dem künstlerischen auch einen großen historisch-dokumentarischen Wert, da sie das saarländische Kunstschaffen aus mittlerweile sieben Jahrzehnten in einzigartiger Weise dokumentiert“.

Bis 11. Oktober, Di-So 15 bis 18 Uhr, Europaallee 25, Saarbrücken, Infos: Tel. (0681) 9 59 12 00