Christian Schmitt spielt in Saarbrücken

Christian Schmitt spielt in Saarbrücken : Seine Orgel passt in vier Koffer

Der weltweit gefragte saarländische Organist Christian Schmitt tritt am Sonntag und Montag mit dem Staatsorchester auf.

Händel, Mozart, Widor – Werke mit Orgel gibt es viele, allerdings ist nur ein Bruchteil dessen in Konzerten zu hören. Doch es wird mehr. Ständig. Christian Schmitt, 1976 in Erbringen / Beckingen geboren, reist seit etlichen Jahren um die Welt und fasziniert Publikum und Presse mit Orgelmusik. Am Sonntag eröffnet er als Gast des Saarländischen Staatsorchesters mit Camille Saint-Saëns’ „Orgelsinfonie“ die Konzertsaison des Staatstheaters.

Schmitt freut sich, dass „sein“ Instrument immer beliebter wird, auch außerhalb der Kirche. Ob Hamburger Elbphilharmonie, Maison Symphonique Montréal oder Kölner Dom – er gastiert in den größten Konzertsälen und schönsten Kirchen und arbeitet mit Dirigenten wie Daniel Barenboim oder Sir Simon Rattle. Seit 2014 ist er „Principal Organist“ der Bamberger Symphoniker und spielt eine Konzertsaalorgel mit vier Manualen, 74 Registern und über 5800 Pfeifen. „Als ich studiert habe, gab es nur wenige Orgelreihen im Musikleben“, sagt Schmitt. „Das hat sich zum Positiven verändert. Im Rahmen der Festivals wie etwa dem Rheingau- oder Schleswig-Holstein-Musikfestival sind Orgelkonzerte fester Bestandteil.“

Wie kommt es zu diesem Trend? Der Organist erklärt: „Früher gab es in den wenigsten Konzertsälen eine Orgel, heute bekommen die meisten neueren Säle wie zum Beispiel in Paris, Luzern oder Dortmund eine große Pfeifenorgel.“ Seiner Heimat bleibt der Musiker trotz aller Reiserei treu. Einmal im Jahr spielt er in den traditionellen Weihnachtskonzerten in Düppenweiler und Homburg, alle zwei Jahre mit internationalen Gastsolisten im Saardom – darauf möchte der Organist, der in Saarbrücken, Boston und Paris studiert hat, nicht verzichten. „Dann habe ich endlich Zeit, meine Eltern zu sehen und meine Freunde zu besuchen.“

Danach geht es weiter: Im November spielt er in der Suntory Hall Tokyo, im Januar in der Walt Disney Hall in Los Angeles. Der Echo-Klassik-Preisträger ist gefragter denn je, nicht nur als Organist, sondern auch als Sachverständiger für Orgeln, bei Renovierungen oder bei Neubauten, etwa in der Tonhalle Zürich, im Konzerthaus Nürnberg oder im Ulmer Münster. Er berät zu Fragen rund um die gesamte Konstruktion. Auch der Standort innerhalb eines Raumes bedarf fachmännischer Planung. Denn eine Orgel ist ein komplexes Instrument, und: Orgel ist nicht gleich Orgel. „Manchmal ist es gar nicht so einfach, den ,Ein‘-Knopf zu finden!“ Christian Schmitt lacht und erinnert sich an eine Orgel in Brüssel, die ihn auf die Probe stellte.

Nicht jeder Konzertort kann sich eine Pfeifenorgel leisten. „So oft kommt die Orgel solistisch oder im Orchester nicht vor, da ist es schon eine große Investition, mal eben ein paar Millionen Euro für so ein wertvolles Instrument auszugeben.“ Dazu gibt es Alternativen: „Heutzutage kann man Orgeln digital samplen“, erzählt der Musiker. „Das heißt: Wir haben die Orgel der Philharmonie Essen aufgenommen und digital gespeichert. Diesen Klang kann man nun auf einer elektronischen Orgel abrufen.“ Die gesampelte Orgel ist also die Orgel der Zukunft? „Nein!“ sagt der Profi. „Eine gesampelte Orgel wird keine gut gebaute Pfeifenorgel ersetzen, aber sie bildet eine gute Alternative dazu, Stücke mit Orgel aufzuführen, wo keine richtige Orgel verfügbar ist.“ Auch die Congresshalle gehört zu den Sälen ohne Orgel. Außerdem erleichtere die Sample-Technik vieles. „Man kann unglaublich viel machen. Die Orchester haben teilweise ja unterschiedliche Stimmungen. Das eine stimmt auf 443 Hertz, das andere auf 444. Mit der elektronischen Orgel kann man das problemlos mitmachen. Und das Gute: Diese Orgel passt in vier Flight Cases!“

Konzerte: Sonntag, 11 Uhr, und Montag, 20 Uhr, in der Congresshalle Saarbrücken.
Infos: www.christianschmitt.info