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"Carol" als Großes Kino des Begehrens

Beste Highsmith-Verfilmungen : Großes Kino des Begehrens und der Blicke: „Carol“

Therese liebt Carol, Carol liebt Therese. Ohne Reue, ohne moralische Strafe, die homosexuelle Paare in der Literatur bis dahin ereilte. „Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith ist eine der schönsten Liebes-Winter-Roadmovie-Geschichten überhaupt.

2015 verfilmte Regisseur Todd Haynes den zweiten Roman der Autorin mit Cate Blanchett und Rooney Mara – selbstbewusst als großes Hollywoodkino mit überwältigend schönen Bildern. Haynes und sein Kameramann Edward Lachmann finden für „Carol“ (Blu-ray bei DCM) eine visuelle Sprache, die den forschenden Blicken der Frauen einen einfühlsamen und intimen Rahmen gibt. Um vor der heterosexuellen Norm abzutauchen, beobachten sich Therese und Carol in Spiegeln, blicken sich durch Autoscheiben an, wägen hinter Regentropfen einer Fensterscheibe ab. Dazu gedeckte Farben und elegant-strenge 50er-Jahre-Atmosphäre, die das Spiel des Duos umso elektrisierender macht. Da verzeiht man, dass der Film den Roadmovie-Teil des Romans kürzt und die Charakter beider Frauen glatter streicht. Ein respektvoll-lesbischer Liebesfilm und großes Kino des mutigen Begehrens, das nicht zuletzt durch seine extrem präsenten Darstellerinnen verführt.  Sophia Schülke