Bundesmittel für Neunkircher Kultur-Projekt für Integration

Kostenpflichtiger Inhalt: Finanzspritze für Nachbarschaftsprojekt : Berliner Geldsegen für Neunkirchen

443 000 Euro spendieren zwei Bundes-Ministerien für soziokulturelle Arbeit im Quartier rund um das Hüttenareal.

Soziokulturelle Arbeit läuft meist unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit, doch in Neunkirchen ist das anders. Das Kutscherhaus in Neunkirchen, im sozial schwachen und städtebaulich problematischen Quartier des Hüttenareals gelegen und dem Auftrag „Soziale Integration“ verpflichtet, macht nun bereits zum zweiten Mal von sich reden. Zuerst sorgte die Kutscherhaus-Leiterin Edda Petri – offizieller Titel: Integrationsbeauftragte der Stadt Neunkirchen – im Sommer dieses Jahres für ein erstes Bergarbeiter-Streetart-Denkmal im Land (Hendrik Beikirch), jetzt hat sie es geschafft, an Bundes-Fördertöpfe heranzukommen und ihr Aktionsfeld dadurch zu erweitern. Das bestätigte Petri auf SZ-Nachfrage.

„Utopolis“ heißt das Projekt, mit dem die Bundesregierung bundesweit 16 Modell-Vorhaben unterstützt. Das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat und das Staatsministerium für Kultur und Medien verfolgen zusammen die Strategie „Soziale Stadt – Nachbarschaften stärken, Miteinander im Quartier“. Nun wurden auf Initiative der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. vier weitere Standorte in das Programm aufgenommen: Flensburg, Lübbenau, Dresden – und eben auch Neunkirchen. Petri schrieb den Förderantrag, offensichtlich als einzige in der hiesigen Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren. Das Ergebnis: Bis 2023 fließen 443 000 Euro nach Neunkirchen, wobei die Kommune in diesem Fall nicht die Antragstellerin war, das übernahm der neu gegründete Verein Kutscherhaus.

„Wir können im Quartier jetzt nicht nur mehr, sondern auch andere Angebote schaffen“, sagt Petri. Denn das Kutscherhaus funktioniert ja nicht als offenes Kulturzentrum, sondern ist ein Atelier- und Büro-Gebäude. Die Arbeit basiert auf den Angeboten, die sieben Künstler und Kreative schaffen, die dort Räume angemietet haben, unter anderem ein Musiker/Komponist, ein Filmemacher und eine Castingagentur. Sie können mietfrei logieren und bieten als Gegenwert Workshops und Veranstaltungen für die Menschen im Quartier an. Gemanagt wird das Projekt von Petri, die eine halbe Stelle bei der Stadt hat. Im Rahmen des Utopolis-Projektes kann Petri nun auch andere Künstler engagieren, kann freier planen. Die Utopolis-Projektstelle (30 Stunden) teilt sie sich mit der 37-jährigen Syrerin Dana Almatt, einer studierten Betriebswirtin, die vor vier Jahren ins Saarland kam. Denn im Quartier, das rund 2500 Bewohner hat, leben nicht nur viele Bulgaren, sondern zunehmend auch syrische Menschen. „Uns fehlte das arabische Element“, meint Petri.

Was soll Utopolis nun leisten? Ab­strakt gesprochen: mehr Teilhabe der Quartier-Bewohner am Stadtleben, mehr Nachbarschaft, mehr Kommunikation. Und konkret? Petri plant eine Kinderkunstschule, möchte eine Kulturcard für sozial Schwache einführen, außerdem auch in die Stadt wirken, beispielsweise durch einen Musiksommer mit Picknick-Konzerten. Gut angelegtes Geld? Wer überprüft die Ergebnisse? Laut Petri wird das Utopolis-Projekt durch die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. kontrolliert und evaluiert. Sie selbst hält das Ganze, sowohl das Kutscherhaus-Projekt wie auch Utopolis, für einen „sehr, sehr langen Prozess“. Nach einem Jahr steht Petri also erst am Anfang – aber schon ziemlich weit vorn.

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