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"Bundesfestival Junger Film" startet am Donnerstag anders als geplant.

„Bundesfestival Junger Film“ : „Das wäre ja kein richtiges Festival“

Das „Bundesfestival Junger Film“ in St. Ingbert geht in seine dritte Ausgabe – coronabedingt aber nicht vor der Stadthalle, sondern überwiegend im Internet. Die Festivalmacher wollen aus der Not eine Tugend machen – gelingt das?

Welches Festival findet in diesem Jahr schon so wie geplant statt – wenn überhaupt? Die Buchmesse Saar etwa zog coronabedingt von der gebuchten Saarlandhalle ins Internet um. Das „Bundesfestival Junger Film“ tut dies nun auch. „Im März wurde uns klar, dass wir das Festival nicht so wie geplant werden veranstalten können“, sagt Jörn Michaely, der Künstlerische Leiter des Festivals, das Nachwuchs-Kurzfilme bis zu einer Länge von 29 Minuten zeigt. „Deshalb hatten wir es erstmal auf den jetzigen Termin verschoben und wollten die Lage abwarten“. Die ist nun immer noch schwierig, was Großveranstaltungen angeht, und so läuft der „Junge Film“ im Internet. „Aber es reicht ja nicht, wenn man einfach die 50 Kurzfilme in diesem Jahr ins Internet stellt, unkommentiert, unkuratiert. Das wäre ja kein richtiges Festival.“ Der Plan von Michaely, selbst Filmemacher, und seinem Kollegen Fabian Roschy, dem organisatorischer Leiter: Ein Ablauf wie bei einem realen Festival, mit kuratierten Programmblöcken, die nach einem festen Zeitplan freigeschaltet werden; einige Filme laufen parallel beim Medienpartner SR.

Die Gespräche mit Filmschaffenden gehören für Michaely und Roschy auch zu ihrem Festival dazu – deshalb haben sie schon im Juni in einem eigens aufgebauten Studio im Innovationspark am Beckerturm vor Publikum (mit Sicherheitsabstand) mit den Regisseurinnen und Regisseuren gesprochen, die per Internet zugeschaltet waren. „Die Gespräche sind ausführlicher denn je“, verspricht Michaely. Anschauen kann man sie sich, sobald die betreffenden Filme freigeschaltet sind. Auch die Festivaleröffnung ist bereits aufgezeichnet, mit einigen der Jurymitglieder, die in St. Ingbert waren – etwa Schauspielerin Janina Fautz („Post Mortem“, Ophüls-Wettbewerbsfilm „Wir Monster“). Mit in der Jury sind Film- und Theaterschauspieler Christian Friedel („Das weiße Band“), Regisseur/Autor Philipp Eicholtz („Rückenwind von vorn“) und Schauspieler/Regisseur Max Hegewald („Nackt unter Wölfen“).

Der Künstlerische Leiter Jörn Michaely (links) und der Organisatorische Leiter Fabian Roschy. Foto: Daniel Roschy

Anschauen kann man sich die Eröffnung am Donnerstagabend im Internet – und auf der Leinwand. Denn ein bisschen Open-Air-Kino gibt es nun doch, wenn auch nicht wie gewohnt vor der Stadthalle St. Ingbert, sondern im Innenhof der alten JVA. Donnerstag (ab 18 Uhr) und Freitag (ab 20 Uhr) läuft eine Auswahl des Festivalprogramms – es gibt noch Karten (siehe Infokasten); Getränke und warme Decken sollte man sich mitbringen, rät das Festival.

Keine Aufzeichnung ist die Preisverleihung am Sonntag – sie wird aus dem Studio live gestreamt, ab 11 Uhr. „Damit haben wir noch keine Erfahrung“, sagt Michaely, „und sind entsprechend aufgeregt“. 13 Preise werden vergeben, dotiert insgesamt mit 20 000 Euro – von der Auszeichnung für den besten Film (5000 Euro) über den Publikumspreis (2000) und den Innovationspreis (1000) bis hin zu drei „Newcomerpreisen“ (500 bis 200 Euro) für Klassen oder eine Gruppe beim Schülerfilmwettbewerb.

Der Umzug der 50 Filme (bei über 500 Einreichungen, Festivalrekord bisher) von der Leinwand ins Internet war technisch eine niedrigere Hürde als befürchtet. „Der Saarbrücker Entwickler Olaf Franzl, der auch das Filmfestival Max Ophüls Preis technisch betreut, hatte für uns ohnehin ein Einreichprogramm für die Filme geschaffen“, erklärt Organisator Fabian Roschy. „Die Filme dann abspielen zu können, war keine große Sache mehr“. Kosten gespart hat das Festival, das von der Stadt St. Ingbert mit 100 000 Euro gefördert wird und in diesem Jahr einen einmaligen Bundeszuschuss von 100 000 Euro erhält, nicht, wie Michaely erläutert. „Die Kosten für das Open-Air vor der Stadthalle fielen weg, dafür mussten wir aber das Studio bauen – das hält sich die Waage.“ Auch sei der Etat nicht bloß für das Festival, sondern aufs ganze Jahr gerechnet, etwa mit medienpädagogischen Programmen für Schulklassen; die sind wegen Corona zuletzt ausgefallen, sollen aber im Laufe des Jahres nachgeholt werden.

„Theodor“ von Alexandra Lermer, Susanna Orincsay und Maraike Krämer erzählt von einem vergesslichen Vampir – online am Freitag ab 18 Uhr. Foto: Alexandra Lermer

Jetzt muss sich erstmal das aus der Not geborene Konzept bewähren. „Wir wollten das Festival auf keinen Fall absagen – das mussten schon zu viele Festivals zuletzt“, sagt Jörn Michaely, der Künstlerische Leiter des Festivals. „Da würde ein ganzer Filmjahrgang einfach verpuffen.“