1. Saarland
  2. Saar-Kultur

Bücher für die Kleinsten: Wo Fuchs und Eichhörnchen sich verstecken

Die schönsten Bücher für Kinder : Hier fliegen Piraten durchs Kinderzimmer

Gute Bilderbücher sind eigentlich immer auch kleine Kunstwerke. Sie unterhalten und können auf spielerische Weise wichtige Themen streifen. Wir stellen hier einige Bücher für Kinder vor, die uns besonders aufgefallen sind.

Der Bücherherbst ist wieder einmal so bunt wie die Blätter, die von den Bäumen segeln. Und fast ebenso unübersichtlich. Wir haben den Rechen rausgeholt und ein bisschen durchgekehrt und versucht, unter all den schönen die allerschönsten Neuerscheinungen für ganz junge Bilderbuchleserinnen und -leser zu finden.

Eine Künstlerin, die eigentlich immer für bezaubernde Bilderbücher steht, ist Kathrin Schärer. Bücher wie „Mutig mutig“ oder „Johanna im Zug“, gehören zu den liebenswertesten Büchern. Jetzt hat Kathrin Schärer mit „Was steckt dahinter?“ ein Papp-Bilderbuch für die ganz Kleinen ab einem Jahr gemacht. Und auch hier gelingt es ihr mit ihren immer ein bisschen unangepassten Tiergestalten, dass man auch als Erwachsener Freude hat. Und wunderbar spielend vorlesen lässt sich das Ganze sowieso (Atlantis Verlag, 10 Euro). Kleiner Tipp am Rande: Schauen Sie mal auf der Homepage der Autorin vorbei. Dieses herrliche Getümmel an Bilderbuch-Viechern muss man gesehen haben.

Spielerisch ein paar kluge Dinge über die Natur lernen, das können kleine Kinder mit dem allüberall präsenten Förster Peter Wohlleben. Gemeinsam mit seiner Tochter hat er für den Oetinger-Verlag ein von Stefanie Reich illustriertes Buch entwickelt, mit vielen Klappen zum Nachschauen, wo zum Beispiel der Regenwurm sitzt. „Kuhle Pfötchen für Piet“ führt die ganz Kleinen an das Thema Wald und seine Bewohner heran. Und sie lernen, dass uns vor allem der Wald vor der großen Hitze schützt. Und das hat ja einige Bedeutung für die ganz persönliche Zukunft der Kinder (Oetinger Verlag, ab zwei Jahre, 14 Euro).

Ein anderes aktuelles Thema, das natürlich auch ins Bilderbuch gehört, ist das Thema Flucht. Da gibt es zwei ganz und gar verschiedene Bücher, jedes auf seine Art überzeugend. Das eine ist die kindgerechte Geschichte „Eine Wiese für alle“ von Hans-Christian Schmidt und Andreas Német. Die beiden verlegen die wichtigste moralische Frage unserer Zeit, ob und wie wir Flüchtlinge aufnehmen, kurzerhand auf eine Schafsweide am Meer. Und sie lassen den kleinen Leserinnen und Lesern die Wahl, ob das dunkle Schaf gerettet wird oder nicht. Das ist hinterlistig gut und wird manchen erwachsenen Vorleser schlucken lassen (Klett-Kinderbuch, ab vier Jahre, 14 Euro).

Auf andere Weise tief berührend ist „Flucht“ von Issa Watanabe. Das fantastisch illustrierte Buch kommt ohne Worte und auch ohne Menschen aus, und zeigt dennoch in eindrucksvollen, zu Herz und Hirn gehenden Bildern das ganze Grauen eines Lebens auf der Flucht (Hanser Verlag, 16 Euro).

Indirekt passt auch das herrliche Bilderbuch „Das ist mein Baum“ zum Thema. Voller Besitzerstolz und Verlustangst versteigt sich hier ein großartig schräges Eichhörnchen dazu, immer höhere Mauern zu bauen, um „seinen“ Baum und „seine“ Zapfen zu schützen. Geiz, Gier, Angst, die ganze Palette negativer Gefühle wird hier auf herrlich schrullige Weise bebildert. Man lernt: Viel schönere Zapfen findet man ohne Mauer im Kopf (Gerstenberg, ab drei Jahre, 13 Euro).

Wenn man sich durch die vielen Neuerscheinungen bei den Bilderbüchern arbeitet, findet man manchmal Bücher, die grandios illustriert sind, aber sie lassen einen irgendwie kalt. Und man zweifelt womöglich, ob es an einem selbst liegt, wo das Ganze doch so toll gemalt ist. Und dann fällt einem „Komm mit, Moritz“ von Dieter Wiesmüller in die Hand. Und man begreift sofort, was bei den anderen Büchern fehlte. Wiesmüllers wunderbar märchenhafte Piraten-Geschichte ist grandios illustriert, wie eigentlich alles, was dieser große Bilderbuch-Künstler hervorbringt. Aber es ist eben nicht so Computer-glatt, so bildbearbeitet schön wie manches auf Effekt kalkulierte Bilderbuch. Wiesmüllers Bilder haben eine Tiefe, die vielen anderen abgeht. „Komm mit, Moritz“, ist eines der schönsten Bilderbücher in diesem Herbst (Atlantis Verlag, ab vier Jahre, 15 Euro).

Auf ganz andere Weise berührend und einfach wow! ist das Buch „Füchslein in der Kiste“ von Antje Damm. Als Eltern schreckt man ja gern vor dem Thema Tod zurück und übersieht dabei, dass der etwas ist, was Kinder sehr wohl beschäftigt. Antje Damm hat in diesem Buch einen Weg gefunden, dem Reden über den Tod jeden Schrecken zu nehmen. Ihr Füchslein ist nämlich schon sehr alt und eigentlich nur noch müde. Er schleppt seine Kiste, die ein Sarg ist, in den Wald und will seine Ruhe. Aber dann freundet er sich mit den Hasen an, man spielt noch miteinander, er gibt viele Ratschläge und Lebensweisheiten weiter – und als er sich dann endgültig in seine Kiste legt, bleiben viele Erinnerungen und eine ganze Menge kleiner Hasen, die einander ihr „Weißt du noch. . .“ erzählen. Zauberhaft (Moritz Verlag, ab fünf Jahre, 12,95).

Diese schrägen Monster mögen zwar Marmelade – aber sie fressen nie, wirklich niemals kleine Kinder. Die finden sie nämlich igitt! Foto: tulipan

Ebenfalls mit kindlichen Ängsten spielen Andrea Schomburg und Johan Potma in „Monster mögen Marmelade“. Aber wie sie das tun, ist ein herrlicher Spaß. Und manchmal eklig. Denn ihre Monster stopfen alles, wirklich alles in sich rein, vom rostigen Vorhängeschloss über Matsch und Glibber bis zur Stinkesocke. Das Einzige, was sie nicht essen, nie, niemals, igittigitt: Kinder. Weshalb Monster unterm Bett für diese absolut ungefährlich sind. Eine wunderbar schlitzohrige Geschichte (Tulipan Verlag, 12 Euro).