Brian Griffins Ausstellung "pop" in Saarbrücken

Ausstellung „pop“ von Brian Griffin im Landtag : Eine Bush im Kornfeld, ohne Filter

Kate Bush, Iggy Pop, Ultravox, Depeche Mode – der britische Star-Fotograf Brian Griffin hat mit vielen Musikern gearbeitet und so oft auch deren Image mitbestimmt. Eine Auswahl von 33 Arbeiten ist jetzt in Saarbrücken zu sehen.

„Rrrrrrrttt.“ „Ssstttttt.“ „Whhhoush.“ „Here we go, folks!“. So klingt es, wenn Brian Griffin seine Kunst erklärt. Der Londoner Fotograf steht im saarländischen Landtag, im Hintergrund klimpern Teller in der Küche, und Griffin erzählt gestenreich, wie das so war und ist bei seiner Arbeit. Von der kann man sich nun ein gutes Bild machen, denn am Montagabend wurde im Landtag „pop“ eröffnet, eine Griffin-Schau im Rahmen der Ausstellungsreihe „Pictures of Pop“ des PopRat Saarland. Über 30 Fotografien, Plattencover und Kontaktbögen sind zu sehen, dazu einige seiner Bücher und die Auszeichnungen für eine seiner berühmtesten, atmosphärischsten Fotografien: das Motiv einer Frau mit einer Sichel in einem Kornfeld, unter einem düster drohenden Himmel.

Das „Life Magazine“ kürte das Motiv zur besten Fotografie der 1980er Jahre, und die britische Band Depeche Mode nutzte es als Cover ihres Albums „A Broken Frame“ von 1982. Überhaupt Depeche Mode: Für die Band gestaltete Griffin die ersten Albenhüllen der 1980er, die hier auch zu sehen sind – mit eher strenger Architekturfotografie für „Black Celebration“ und „Some great Reward“. Dann aber, für „Construction Time Again“ und die  Singles daraus, zeigte Griffin sehr Körperliches: einen  Mann in Leder und mit Hammer – optischer Ausdruck der Abkehr vom sehr poppigen und ein bisschen harmlosen Synthie-Sound. Nun zeigte die Band via Griffins Kunst, wo der sprichwörtliche Hammer hing und bis heute hängt.

Der gestenreiche Brian Griffin in Saarbrücken. Foto: Tobias Keßler

Nicht nur für Musiker hat Griffin gearbeitet. Werke von ihm hängen in Dauerausstellungen unter anderem im Londoner Victoria & Albert Museum, in Edinburgh, in Bologna, in Reykjavik und im Essener Museum Folkwang. Brotlos ist seine Kunst wohl nicht – Griffin fotografierte für russischen Wodka und die britische Eisenbahn, für amerikanische wie deutsche Automobilhersteller.

Mit seine liebste Arbeit für einen Musiker ist im Landtag zu sehen: zwei spitze weiße Schuhe auf Asphalt, in Schwarzweiß – die Hülle von Joe Jacksons Album „Look Sharp!“, für Griffin 1979 der Einstieg in die Pop-Fotografie; auch wenn er in Saarbücken zugibt, dass er früher manchmal lieber Banker und Büromenschen fotografiert habe als Bands, die gerne auf wilden Mann machen. Da überrascht es, dass Griffin den vielleicht wildesten der wilden Männer fotografiert hat: Iggy Pop. Zu sehen ist hier die Fotografie zu dessen „Soldier“-Album von 1980 und das spätere Cover – denn dafür hat Griffin noch einen Rahmen mit Muster dazugemalt, „einfach so, ich kam gerade von der Kunsthochschule und war ein bisschen naiv“. Anstrengend sei die Arbeit mit dem hochenergetischen und des öfteren berauschten Iggy Pop aber nicht gewesen, „denn er hat ständig posiert, rund um die Uhr – ich musste eigentlich gar nichts machen“.

Kate Bush, inszeniert als Nonne in der Natur. Foto: Brian Griffin

Andere Motive sind da deutlich strenger und gerne schwarzweiß, gerade im Bereich des Electropop – die Hülle etwa für das Ultravox-Album „Vienna“ (1980) mit den Musikern in recht eckigen Posen oder auch ein Foto von John Foxx, dem Ultravox-Gründer und -Aussteiger: Bei ihm arbeitete Griffin mit Doppelbelichtungen und anderen Kniffen, „es waren die 80er Jahre, da war die Fotografie noch nicht digital“. Ob ihm diese Ära nun besser gefallen hat? Man darf jedenfalls vermuten, dass das Basteln und Werkeln mit Folien und Lichtquellen ihm großen Spaß gemacht hat, sonst würde der 70-Jährige nicht so enthusiastisch und mit viel „„Rrrrrrrttt“ oder „Whhhoush“ davon erzählen.

Manches hier ist auch betont schlicht – beim Queen-Gitarristen Brian May sieht man bloß den Lockenkopf, ganz ohne Gesicht. Ein Hochglanz-Promo-Foto sieht anders aus. Eine andere Aufnahme zeigt einen technischen Studioaufbau mit einem metallenen Kunstkopf und verschiedenen aufgebauten Mikrofonen – unwillkürlich denkt man an eine potenzielle Albumhülle für Kraftwerk. Mit den Elektronikern aus Düsseldorf hat das Ganze aber nichts zu tun – ein Zufallsfoto, das in Deutschland entstand, als Griffin zu Besuch bei einer Computerfirma war.

Zu sehen sind auch Feingeist Brian Eno (mit einer sinnig leuchtenden hohen Denkerstirn), ein Kontaktbogen mit Porträts von Peter Gabriel und einige Motive einstiger Stars, die es dann doch nicht in das kollektive Pop-Langzeitgedächtnis geschafft haben: der äußerst dandyhaft inszenierte Steve Strange etwa (Band: Visage, Hit: „Fade to Grey“) oder eine US-Band namens  Tirez Tirez, deren Sänger hier wie ein gut gefönter Jungbanker aussieht.

Joe Jacksons Schuhe mögen bis heute eines von Griffins Lieblingsmotiven sein – aber kaum jemand hat ihn wohl so beeindruckt wie die britische Sängerin Kate Bush, die sich 1983 an ihn wandte. Das Kornfeld-Bild von „A Broken Frame“ hatte ihr so gut gefallen, dass sie sich ein ähnliches Foto von Griffin für sich wünschte. „Morgens um sieben saß sie vor meinem Studio auf dem Bürgersteig, ganz allein, ohne Entourage oder so“. Die Zusammenarbeit sei wunderbar gewesen, sagt Griffin, und sehr gewundert hat er sich über den Zigarettenkonsum von Bush, der fragil scheinenden Britin mit dem Waldfee-Image. „Sie rauchte die stärksten Zigaretten, die es gibt – ohne Filter.“ Griffin kann das 36 Jahre später immer noch nicht ganz fassen, fasziniert ist er von ihr bis heute. „Ahhhh, Kate Bush!“

Bis 21. Oktober im Landtag des Saarlandes. Geöffnet Montag bis Donnerstag, 8 bis 17, Freitag 8 bis 14 Uhr. Informationen unter:
www.pop19.de, www.poprat-saarland.de und www.briangriffin.co.uk

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