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Bob Ziegenbalg vom Saarbrücker Theater Überzwerg plant Sommertheater

Sommertheater geplant : „Wir haben an alles gedacht“

Er träumt von 60 Zuschauern im Hof: Bob Ziegenbalg vom Saarbrücker Kinder- und Jugendtheater Überzwerg plant Sommerstücke ab Mitte Juni.

„Ein Theater, in dem nicht gespielt wird, ist tot.“ Bob Ziegenbalg weiß genau, wovon er spricht – so etwas wie die Corona-Pandemie hat der künstlerische Leiter des Familientheaters Überzwerg in seiner langen Theaterkarriere noch nicht erlebt. „Es ist ein furchtbares Gefühl, keine Kinder mehr im Theater und auf dem Hof zu haben, das fühlt sich nicht gut an“, sagt er. Und doch ist das Theater Überzwerg an jenem Vormittag mit Leben gefüllt, Erwachsene laufen zielbestimmt über den Hof, es wird sogar geprobt – nach gut zweimonatiger Pause.

Nach verschiedenen Online-Angeboten mit Lesungen auf der Internetseite und Hörspielen auf Youtube oder Facebook ist die Theatertruppe am Saarbrücker Erich-Kästner-Platz wild darauf, wieder zu spielen. Mit zwei Strategien will das Team vor analogem Publikum auf der Bühne zu stehen. Zunächst auf einer fahrbaren, auf der den Zuschauern Sommertheater geboten werden soll. „Wir setzen Familien und Haushalte zusammen und können so 50 bis 60 Zuschauer über den Hof verteilen.“ Theoretisch ist das Konzept bereits durchgespielt, in einem Video zeigt das Team, wie ein Sommertheaterbesuch nach Corona ablaufen kann. „Die Abstands- und Hygieneregeln werden eingehalten“, versichert Ziegenbalg, der hofft, ab dem 11. Juni den Hof mit Bühne und Stühlen bestücken zu können. Karten gibt es dann kontaktfrei per E-Mail und gegen Vorkasse. Derzeit wartet man auf die Genehmigungen, an diesem Mittwoch soll es dazu ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten geben. In der Zwischenzeit sucht das Theater weiter nach Sponsoren. „So eine Bühne kann 900 Euro am Tag kosten, wenn wir sie für 10 000 Euro für den ganzen Sommer bekommen, wäre das toll“, sagt Ziegenbalg. Bisher habe man ein Drittel zusammen.

Gespielt werden soll freitags, samstags und sonntags, meistens um 17 Uhr, und auf Anfrage auch für Firmen und Kindergärten. „Wir müssen improvisieren“, räumt Ziegenbalg ein und erläutert, „laute Musik ist aufgrund der Anwohner nicht möglich und ein Gastbühnenbildner etwa wird nicht drin sein, aber es wird fantasievoll“.

Auch wenn die Onlineangebote des Theaters „gut laufen“ und laut Ziegenbalg jedes Facebook-Ereignis mindestens tausend Zuschauer anziehe, ist „Zwei Monster“ das Stück, mit dem das Team die Nach-Corona-Zeit einläuten will. Besagte Ungetüme leben am Fuße eines Berges, jedes auf seiner Seite sodass sie sich nicht sehen wohl aber durch ein Loch im Gestein hören können. Eines Tages kommt es zu einem folgenreichen Streit. Das Drei-Personen-Stück um rechthaberischen Streit und Verständigung stand in der Vergangenheit bereits auf dem Spielplan des Familientheaters, nun erweist es sich als eines der idealen Stücke, das an Corona-Verhaltensregeln angepasst werden kann. „Jeder Darsteller spielt auf seiner Seite des Berges und deshalb funktioniert es“, sagt Ziegenbalg.

Neben „Zwei Monster“ sind noch die beiden Stücke „Wanze“ und „Columbus“ sowie eine schauerromantische Lesung von Werken von Edgar Allen Poe vorgesehen. Geplant ist zudem, die Bühne im Hof auch der freien Szene zur Verfügung zu stellen. „Es sind Zeiten, in denen man nicht nur an sich denken sollte.“ Ziegenbalg geht davon aus, dass das Thema Corona nach der Sommerpause nicht vom Tisch sein wird – und hält es in Bezug auf einen bestimmten Punkt auch für nötig. Doch erst einmal heißt es, auch die kommende Saison corona-gerecht zu planen. Die Premiere des Stücks „Des Kaisers neue Kleider“ – „da spielt fast das ganze Ensemble, da ist Abstand nicht zu halten“ – wird auf den 1. November verschoben, stattdessen zieht das Team andere vor. Doch ein weiteres Problem wird nach dem Sommer zurückkehren: Sollen die Abstandsregeln auch dann noch gelten, lohnt sich das Spielen kaum. „In unseren Saal passen dann 25 Zuschauer, dabei verdienen wir nichts.“ Aber Ziegenbalg hat dafür, nach dem Sommertheater, eine zweite Strategie parat. Diesmal eine mobile: Schulen, Aulen, Gemeindehallen können auch Spielorte sein. „Man muss andere Wege zum Publikum finden, solange wir auf das Publikum zugehen, werden wir es nicht verlieren.“ Stolz sei er in dieser Zeit auf das Team, das unentwegt daran arbeite, die Zuschauer zu erreichen. „Wenn ein Theater das will, dann hat es auch etwas zu sagen“, ist sich der künstlerische Leiter des Überzwerg sicher.

Bis das Publikum wieder so ins Theater komme wie vorher könne es laut Ziegenbalg aber dauern. Er geht davon aus, dass der normale Vor-Corona-Betrieb ohne Abstandsregeln erst mit der übernächsten Saison aufgenommen wird. Dann aber vielleicht auch mit Werken über die Pandemie. „Es muss Stücke über Corona geben, diese Geschichten, von der notwendigen Isolation und dem Überwinden der Brücken, ohne sich zu nahe zu kommen, müssen erzählt werden.“