Kunst Ein freier Mann der freien Kunst: Paul Schneider ist tot

Merzig/Saarbrücken · Der Bildhauer, der in Merzig-Bietzen lebte, hat das Saarland steinreich gemacht – unter anderem durch die Skulpturenstraße „Steine an der Grenze“.

 Paul Schneider bei der Arbeit 1998 in Bietzen.

Paul Schneider bei der Arbeit 1998 in Bietzen.

Foto: Engel, Andreas

Er arbeitete am Stein, aber den Kopf hatte Paul Schneider in kosmischen Höhen. Er sei ein „Privatphilosoph“, sagte er anlässlich seines 90. Geburtstags 2017 und hielt noch einmal eine Lobrede auf „die Freiheit“. Sie sei die eigentliche Verheißung der Kunst. Damals war der in Bietzen lebende Bildhauer der älteste Teilnehmer der Landeskunstausstellung, und er zürnte der zeitgenössischen Kunst („Von der Technik verführt!“), zudem mit dem damaligen Kultusminister Ulrich Commercon (SPD), der 40 Millionen in Beton investierte, in den Saarbrücker Museums-Neubau, statt sie für die Kunst selbst auszugeben.

Vor allem aber verzieh Schneider dem Minister nicht, dass der ihm nicht beistand im Kampf gegen den Windpark Büdingen/Silwingen, der sein, Schneiders Lebenswerk,  beschädigte: die Skulpturenstraße „Steine an der Grenze“, durch mehrere internationale Symposien seit 1986 entstanden. Dort, in der Saargau-Grenzlandschaft gehen 32 ab­strakte Kunstwerke  mit den Horizontlinien eine außerordentliche Beziehung ein, die auch jenen Spaziergängern etwas von der erhebenden Wirkung der Kunst vermitteln, die nie ein Museum betreten würden.  Schneider schuf im Naturraum, aber auch auf dem St. Johanner Markt, Werke, die idealtypisch sind für „Kunst im öffentlichen Raum“, weil sie sich selbst dann ihrer Umgebung zuwenden, wenn sie abweisend oder unergründlich scheinen. Er selbst sagte dazu Sätze, die man nie vergisst: „Das Geheimnis ist ein wichtiger Bestandteil der Kunst. Dort anzukommen, wo man Sehnsucht hat, aber nichts erkennt – noch nicht. (...) Das bedeutet: Ihr müsst Geduld haben mit Euch.“

  Eine Skulptur Schneiders bei „Steine an der Grenze“.

Eine Skulptur Schneiders bei „Steine an der Grenze“.

Foto: Arthur Fontaine
 Ein „Würfelstufenstein“ von Paul Schneider.

Ein „Würfelstufenstein“ von Paul Schneider.

Foto: Swiderski

Schneider  war kein Intellektueller, die Beziehung zu seinem Arbeitsmaterial war existentiell. Als 18-Jähriger zog er aus dem Zweiten Weltkrieg durch das Trümmer-Deutschland, fortan berührten ihn Steine in der Seele. Bis 1951 studierte er Malerei, Zeichnen und Bildhauerei, bis in die 70er Jahre schuf Schneider dann die damals typische „Kunst am Bau“, unter anderem für Schulen oder Rathäuser. Später wurde der große Bildhauer Karl Prantl eine Inspirationsquelle. Seinen Lebensunterhalt verdiente der viel geehrte Schneider aber meist außerhalb der Heimat, bei Symposien, die ihn bis nach Indien führten. Jetzt erfuhr man von seinem Tod. Er wurde 93 Jahre alt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort