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Biennale für aktuelle Fotografie findet nur online statt

Virtuelle Rundgänge : Biennale für aktuelle Fotografie findet nur online statt

Wegen Corona sind alle Ausstellungen geschlossen, können dafür aber digital und virtuell erkundet werden.

(kna) Nur alle zwei bis drei Jahre wird die „Biennale für aktuelle Fotografie“ in der Rhein-Neckar-Region organisiert. 70 Fotokünstler in sechs Einzelausstellungen in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen zeigen einen Überblick über aktuelle Entwicklungen der Fotokunst. Nun ist das Festival voll in die Corona-Krise geraten: Weil vorerst alle beteiligten Museen und Ausstellungshäuser geschlossen bleiben, entwickeln die Macher nun einen virtuellen Rundgang. Seit Dienstag können die Ausstellungen in Ludwigshafen übers Internet erkundet werden, die anderen Biennale-Stationen sollen in den kommenden Tagen nachziehen.

Im Heidelberger Kunstverein beispielsweise sind fast vergessene Schätze der Schwarz-Weiß-Fotografie neu zu entdecken: Der Aktionskünstler Christo verhüllte 1969 in Heidelberg sein erstes Gebäude, testweise war schon vor Jahrzehnten ein Elektrobus in Mannheim unterwegs. „Die Biennale zeigt, dass auch längst im Archiv verschwundene Fotografien neu zum Leben erwachen können. Und wir wollen Besucher zum Nachdenken bringen, unter welchen Rahmenbedingungen Fotos emotionale Kraft und gesellschaftliche Relevanz entfalten können“, sagt Kurator David Campany. 

Im größten Biennale-Bereich in der Mannheimer Kunsthalle geht es beispielsweise um eine Auseinandersetzung mit dem einflussreichen US-Fotografen Walker Evans (1903-1975). Seinen Dokumentationen des US-Alltags stehen die Aufnahmen aus deutschen Kleinstädten des Künstlerduos Ute und Werner Mahler gegenüber. Die faszinierende Detailgenauigkeit von Hochleistungskameras nutzt der US-Fotograf James Nares: Er filmte 2011 Straßenszenen von Manhattan und komponiert diese hochauflösenden Kamerafahrten zu detailgenauen Erkundungen des Alltags.

Im Biennale-Teil der Reiss-Engelhorn-Museen wollen die Fotografen Denkanstöße geben, warum ein Werk ins historische Gedächtnis eingeht. Etwa das Bild des Mannes, der sich 1989 auf dem Pekinger Tiananmen-Platz Kampfpanzern in den Weg stellte. Oder die legendäre Aufnahme eines sterbenden Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg von Robert Capa. Das Schweizer Künstlerduo Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger stellt dazu im Fotostudio die Szenen nach.

Max Pinckers und Dries Depoorter versprechen, dank Künstlicher Intelligenz eine Kamera so programmieren zu können, dass sie selbstständig erkennt, wenn der Benutzer ein bedeutsames Bild aufgenommen hat. Der Algorithmus wurde dazu mit allen seit 1955 als Pressefoto des Jahres ausgezeichneten Aufnahmen gefüttert. Der Befürchtung, dass die digitale Revolution und die unüberschaubare Flut der Smartphone- und Instagram-Fotos die Bedeutung von Fotografie beschädigen könnten, will Kurator Campany nicht gelten lassen. „Wer glaubt, dass es heute zu viele Fotos geben könnte, sollte sich einmal fragen: Wie viele dürften es denn sein, wo wäre die Grenze?“

(kna)