Arts Music Media will Musikszene an der Saar in Klangkompass bündeln

Kostenpflichtiger Inhalt: Neues Projekt : Ein Logbuch für die Musikszene an der Saar

Die wichtigsten Bands, Festivals und Clubs aus dem Saarland: Arts Music Media arbeitet an Musikreiseführer „Klangkompass“.

„Obwohl das Saarland klein ist, wissen die Saarbrücker nicht, wer in Saarlouis auftritt, und die Saarlouiser wissen nicht, welche Band in Saarbrücken spielt.“ Auch wenn die Saarländer gut vernetzt seien, beim Thema Musik sieht Gregor Theado, Geschäftsführer des Kreativunternehmens AMM Arts Music Media, die meisten hiesigen Kulturbegeisterten noch nicht gut genug informiert. Und Touristen, die in die Region kommen, kennen die kleinen Musikclubs in der Landeshauptstadt oder beliebte Bands aus den Kreisstädten noch viel weniger.

Abhilfe soll ein neues Projekt schaffen, an dem Theado mit seinem Team schon seit fast zwei Jahren tüftelt. Mit der Broschüre „Klangkompass“ wollen Theado und seine Mitstreiter die Musikszene im Saarland abbilden, Schlüsselbands und wichtige Orte, an denen Musik regelmäßig stattfindet, vorstellen und auflisten. Dabei geht es nicht darum, einen aktuellen Veranstaltungskalender auf die Beine zu stellen, sondern um einen musikalischen Reiseführer. Der „Klangkompass“ soll kostenlos ausliegen, auch in Gastronomie- und Hotelleriebetrieben, die Reisende anziehen. „Damit Gäste abends nicht im Hotel sitzen und verpassen, dass um die Ecke gerade eine tolle Band auftritt“, erklärt Theado die Idee.

Nicht zuletzt geht es darum, die saarländische Musikszene bekannter zu machen und zu vernetzen. Schließlich hat die regionale Szene viel zu bieten: „Aus dem Rap und Hip-Hop gibt es eine Handvoll Acts, die bundesweit aktiv sind“, sagt Theado und fährt fort, „die Metalszene ist nicht nur mit ,Powerwolf‘ gut aufgestellt, Jazz hat seine Nische gefunden, die Klassik ist mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern gut repräsentiert, und auch das Musical ist in verschiedenen Sparten dank Musical Projekt Neunkirchen und Zeltpalast Merzig stark.“

Die Idee für den regionalen Musikführer entstand aus einem anderen Projekt. „Eigentlich wollten wir erst einen CD-Sampler mit Pop-Musik aus dem Saarland zusammenstellen, aber dann reifte das umfangreiche Booklet immer mehr aus und setzte sich durch“, erklärt Theado. Vorgestellt werden 15 Musikgenres – von Blues bis Metal, von Ethno bis Pop. Die einzelnen Kapitel entstehen in redaktioneller Arbeit, den Inhalt soll eine Redakteurin aus Gesprächen mit Experten, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten die saarländische Musikszene kennen, zusammentragen. Geplant ist, pro Musikgenre zwei bis drei Experten zu befragen, dabei will man vor allem auf Wissen und Expertise des Pop-Rats Saarland zurückgreifen, zu dessen Beirat auch Theado gehört.

Angedacht ist als Erweiterung auch eine Online-Datenbank. Bisher hat das Team das Konzept, den Aufbau des „Klangkompass“ und eine Corporate Identity erstellt. Die Crowdfunding-Kampagne mit einem anvisierten Ziel von 5000 Euro steht in den Startlöchern, und auch einen Probedruck gibt es bereits – teils  mit Fotos einiger Solomusiker und Bands, aber eben auch noch mit Blindtext und leeren Werbeanzeigen. Was fehlt, ist die finanzielle Unterstützung. „Wir haben alles durchgerechnet, 24 500 Euro wären das Worst-Case-Budget, aber damit wäre das Projekt auf jeden Fall realisierbar“, erklärt Theado und fügt an, dass in die Summe sämtliche Kosten wie für Redaktion, Gestaltung, Bildrechte, Druckkosten, Marketing und Verteilung einbezogen seien.

Allerdings blieben die Anfragen nach finanzieller Unterstützung bei zwei Ministerien und neun regionalen Stiftungen bisher ohne Erfolg. „Entweder ist das Projekt nicht passgenau, weil es sich zwischen Kultur und Wirtschaft bewegt, oder man ist bereits mit anderen Projekten eingedeckt“, bilanziert Theado die bisher gescheiterten Versuche der AMM, finanzielle Unterstützung für den „Klangkompass“ zu erhalten. Daher will man jetzt gezielt Privatunternehmen – mit oder ohne kulturellen Schwerpunkt – sowie Städte und Gemeinden anfragen. Die Platzierung von Werbung wäre möglich, auch wenn dem Team ein reklamefreies Booklet lieber wäre.

Gregor Theado bemüht sich derzeit um die Finanzierung der kostenlosen Broschüre. Foto: Foto: Sven Michel

In diesem Zusammenhang ergänzt Theado auch, dass die AMM aus dem „rein altruistischen“ Projekt keine Refinanzierung gewinnen werde. „Wir verdienen damit gar nichts, bisher haben wir nur Zeit investiert.“ Auch wenn ein gewisser Marketingeffekt dabei nicht ausbliebe, wie Theado gleichzeitig einräumt. Aber schon jetzt sei das Echo, das Theado und sein Team von Musikern und potenziellen Fördergebern auf den „Klangkompass“ erhalten haben, positiv gewesen.