Antikes Mosaik in Reinheim wird mit "DigiGlue"-Technologie rekonstruiert.

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim : „Digitaler Kleber“ für antikes Mosaik in Reinheim

„DigiGlue“ ist eine einzigartige Technologie, um Fragmente zu rekonstruieren. Nun kommt sie im Europäischen Kulturpark zum Einsatz.

Ein neues Projekt will antike Wandmalereien einer römischen Villa im Archäologiepark Bliesbruck-Reinheim digital wiederherstellen. Grundlage seien Tausende von Bruchstücken, die ein spezieller, neu entwickelter Scanner digitalisieren solle, sagte Bertram Nickolay vom Berliner Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) am Mittwoch. Mithilfe einer besonderen Software könnten die Daten an einem großen Bildschirm dann virtuell „quasi wieder zusammengesetzt werden“.

So entstehe ein „intelligenter Arbeitsplatz für Archäologen und Restauratoren, wie man ihn vorher noch nie hatte“, sagte Nickolay, der beim Fraunhofer-Institut die Abteilung Maschinelles Sehen leitet. Von Hand sei eine Zusammensetzung der Fragmente nicht möglich. Das Projekt habe auch das Ziel, Stücke, die vom Zerfall bedroht seien, digital zu erhalten. Das Projekt „DigiGlue“ (digitaler Kleber), das Anfang November offiziell begann, läuft über zwei Jahre. Erste Ergebnisse sollten im Herbst 2020 zu sehen sein.

Mit im Boot sind bei dem Projekt als Partner die Firma Musterfabrik Berlin, das saarländische Landesdenkmalamt und der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Die saarländische Kulturministerin, Christine Streichert-Clivot (SPD), sagte: „An dem Projekt begeistert mich besonders, dass hier unser antikes kulturelles Erbe und modernste digitale Technologie zusammenkommen und etwas sehr spannendes Neues entsteht.“ Es sei etwas Neues für die Wissenschaft, aber auch ein „echter Mehrwert“ für die Besucher der Anlage.

„DigiGlue“ beruhe auf „einer weltweit einzigartigen Technologie, Fragmente zu digitalisieren und zu rekonstruieren“, sagte Nickolay. Dabei gehe es nicht nur um Papier. „Wir haben diese Methode inzwischen übertragen auf flächige Objekte.“ Für das Projekt werde nun ein spezieller Zweieinhalb-D-Scanner weiter entwickelt und eingesetzt. „Ein 3D-Scanner liefert zu viele Informationen, die man gar nicht für das Projekt benötigt.“

Das Fraunhofer-Institut IPK und die Musterfabrik Berlin haben laut Nickolay bereits Projekte gemacht zur Rekonstruktion von Dokumenten nach dem Einsturz des Historischen Archivs in Köln, von Leibniz-Handschriften oder von zerrissenen Stasi-Akten. Hinzu kamen Projekte zur Rekonstruktion von Glasmosaiken einer Kapelle in Brandenburg.