Annett Lousian gab mitreißendes Konzert in der Saarbrücker Saarlandhalle.

Annett Louisan in Saarbrücken : Vom Mauerfall bis zum Holzweg

Körperlich und künstlerisch gereift präsentierte Annett Louisan ein mitreißendes Konzert in der Saarbrücker Saarlandhalle.

Es hat sich was getan bei Annett Louisan. Natürlich besitzt die 42-jährige nach wie vor noch etwas Püppchenhaftes und singt wie gehabt mit süßer Mädchenstimme ihre alten Hits von „Das Spiel“ über „Das Gefühl“ bis zu „Das alles wär nie passiert (ohne Prosecco)“. Aber sie kann jetzt auch anders. Das zeigte sie bei ihrem Gastspiel am Montag in der Saarlandhalle vor etwa 600 Zuhörern.

Etwa beim neuen Song „24 Stunden (Große Liebe)“: Da verleiht ihr die Panik, beim Date mit dem Traummann nicht perfekt zu sein, kurzzeitig die Stimme einer Opernsängerin, das Haar lässt sie dazu nach hinten wehen. Ebenfalls vom neuen Album stammt das selbstironische Lied „Klein“ – Louisan misst 1,52 Meter –, das mit folgender schönen Zeile endet: „Es stimmt schon, ich bin klein/ Aber wenigstens nicht – dünn.“ Beim Aznavour-Chanson „Spiel, Zigeuner“ verwandelt sie sich in eine Femme fatale und lässt ihr Temperament raus. Und mit „Meine Kleine“, einem neuen Song, der sich um die Gefühle ihrer alleinerziehenden Mutter dreht, bewegt Louisan das Publikum so sehr, dass einige Tränen fließen. Jetzt ist die Sängerin selbst Mama, beim letzten Gastspiel in Saarbrücken trug sie ihre Tochter noch im Bauch.

Die Verwandlung von der einstigen Lolita in eine erwachsene Frau gelingt ihr gut, vor allem, weil sie nicht radikal mit der einstigen Annett Louisan bricht. Die hatte es ja auch schon faustdick hinter den Ohren und sang mit Unschuldsmiene bösartige Texte über langweilige Männer und eitle Konkurrentinnen. Jetzt kommen eben all die neuen Facetten hinzu und sorgen zusammen mit der großartigen Band, den gefühlvollen Arrangements und dem toll auf die Show abgestimmten Licht für ein äußerst abwechslungsreiches Konzert. Gerne geht Louisan mal durch die Reihen und stiftet beim Song „Straße der Millionäre“ sogar eine Polonäse an. Dabei hat dieser durchaus einen ernsten Hintergrund, dreht es sich doch um die Folgen des Mauerfalls, den die Sängerin mit zwölf als DDR-Bürgerin erlebte.

Im letzten Song des Programms stecke so ziemlich alles drin, was sie in diesen letzten zweieinhalb Jahren gelernt habe, sagt Annett Louisan. „Die schönsten Wege sind aus Holz“ beschreibt ihr Vorankommen, auch wenn sie wohl manches Mal auf den Holzweg gekommen sei: „So mancher Kuss, so mancher Flirt / War vielleicht falsch, doch nie verkehrt“. Sie habe dafür erfahren, was Freunde sind, singt sie und dreht sich dabei zu ihren Musikern um. Danach gibt es stehenden Beifall für ein wunderbares Konzert einer gereiften Annett Louisan.

Mehr von Saarbrücker Zeitung