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Am 10.Oktober beim "Resonanzen"-Festival in Saarbrücken.

Neues von Nils Petter Molvær : Die Jazz-Spielwiese zwischen Oslo und New York

Der Trompeter Nils Petter Molvær legt ein furioses Album vor und kommt nach Saarbrücken: am 10. Oktober zum „Resonanzen“-Festival.

Unbedingt auf dem Zettel hatte man dieses Duo nicht. Aber so kann’s gehen, besonders im Jazz: Man trifft sich eher zufällig auf einem Festival, hört die Musik des anderen, kommt ins Gespräch, entdeckt Gemeinsamkeiten, verabredet etwas, das sich dann tatsächlich ergibt – und man spürt, dass da etwas geht. So etwa ist es gewesen beim norwegischen Trompeter Nils Petter Molvær und dem französischen Perkussionisten Mino Cinelu, der auch Gitarre spielt und singt.

Denkt man aber weiter über dieses Duo nach, das nun seine erste CD veröffentlicht, erscheint die Zusammenarbeit sehr logisch. Molværs erste Platte unter eigenem Namen – „Hastening Westwards“ (ECM) – aus dem Jahr 1995 war eine Duoaufnahme mit der Perkussionistin Robyn Schulkowsky. Zwei Jahre später veröffentlichte er „Khmer“ und war auf einen Schlag der Mann der Stunde, weil er elektronische Clubmusik und akustischen Jazz in einer Weise zusammenbrachte, wie es vorher noch keiner getan hatte. Der Jazz verlor seine Hermetik, und es durfte getanzt werden. Vergleiche mit Miles Davis ließen nicht lange auf sich warten.

Zu dessen Band auf den Alben „We Want Miles“ (1982) und „Decoy“ (1984) wiederum gehörte Mino Cinelu. All das passt irgendwie, zumal beide nie Berührungsängste zu anderen Genres hatten. So hat Molvær auch ein Duo-Album mit dem deutschen Techno-Altvorderen Moritz von Oswald aufgenommen und jüngst erst eins mit dem Dub-Reggae-Dreamteam Sly & Robbie. Die Liste der Beteiligungen des dreifachen Grammypreisträgers Cinelo umfasst de facto fast alle, die in den populären Genres Rang und Namen haben, sie reicht von Dizzy Gillespie bis Laurie Anderson, von Sting bis Charles Aznavour.

Natürlich sind beide begnadete Improvisatoren aus dem Moment heraus. Das gibt diesem Album seine abwechslungsreiche Frische. Molvær bringt seinen Ton durch Vocoder-Verfremdungen zum verhangenen Schweben, dazu sprechen stoisch die Trommeln, dann wieder hört man Flöten, Gitarren und Gesänge und oft geht es extrem in die Beine, was auf „SulaMadiana“ abrollt.

Der Titel spielt auf die Herkunftsorte der Musiker an und darauf, wie mit dieser Musik Grenzen überwunden werden. Sula heißt die kleine norwegische Insel, von der Molvær stammt, Madiana ist ein Synonym für Martinique, die Heimat von Cinelus Vater. Die Musik ist ebenso eingängig wie differenziert. Sie ist luftig und nicht zugestellt. „Wir sind unterschiedlich, aber eine Gemeinsamkeit von uns besteht darin, dass wir den Dingen gern Raum geben“, beschreibt das der Trompeter, der hier auch mal Gitarren-Drones beisteuert, „ich schaffe Raum für ihn, er schafft Raum für mich, und beide schaffen wir Raum für die Musik.“

Wenn das mal so einfach wäre. Um das tatsächlich so unangestrengt umzusetzen, sind Musiker mit solchen Erfahrungshintergründen nötig. Sonst könnten die Ethnozitate schnell in gut meinenden Kitsch abrutschen und die Referenzen an die in diesem Jahr verstorbenen Musiker Manu Dibango, Jimmy Cobb und Tony Allen wie aufgesetztes Kalkül wirken. So aber entfaltet dieses Album eine abwechslungsreiche Magie.

„SulaMadiana“ ist eine einladende Spielwiese, die mit einem Studiotermin in Oslo begann und mit der abrundenden Postproduktion in Brooklyn hoffentlich noch nicht endet.

Das Album. Foto: BMG

Nils Petter Molvær & Mino Cinelu:
SulaMadiana
(BMG/Modern).
Konzert: Nils Petter Molvær kommt zum „Resonanzen“-Festival nach Saarbrücken: Er tritt am 10. Oktober in der Johanneskirche auf – und am 9.10. mit Mino Cinelu im Doppelkonzert mit Ätna in Le Gouvy. Info: resonanzenfestival.de.