42. Filmfestival in Saarbrücken Preisverleihung beim Max Ophüls Filmfestival mit vielen Emotionen

Saarbrücken · Der rote Teppich und die Promis fehlten zwar, doch die Freude der Gewinner war groß wie in den Jahren zuvor. Erstmals fand das 42. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken online statt. „Borga“ und „Fuchs im Bau“ sahnten mit vier beziehungsweise drei Auszeichnungen ab.

 Der Spielfilm „Borga“ von York-Fabian Raabe erhielt am Samstag beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken gleich vier Preise.

Der Spielfilm „Borga“ von York-Fabian Raabe erhielt am Samstag beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken gleich vier Preise.

Foto: Oliver Dietze

Mit einem emotionalen Appell haben die Macher des Spielfilms „Borga“ (Ghana/D 2021) auf die vierfache Auszeichnung beim diesjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken reagiert. Der Film von York-Fabian Raabe erhielt am Samstag sowohl den mit
36 000 Euro dotierten Max Ophüls Preis für den besten Spielfilm als auch den Publikumspreis Spielfilm und den Preis der ökumenischen Jury. Darüber hinaus wurde Hauptdarsteller Eugene Boateng der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film verliehen.

Das Festival gilt als wichtigstes Festival für den jungen deutschsprachigen Film. Wegen der Corona-Pandemie fand die 42. Ausgabe zum ersten Mal komplett als Online-Edition statt.

Regisseur, Autor und Schauspieler von „Borga“ waren sichtlich gerührt über die Preise und appellierten in der Live-Schaltung, an Träume zu glauben, mutig zu sein und Freude zu haben. „Wenn wir mit dieser positiven Einstellung auf Leute zugehen und gemeinsam etwas machen, bewegt sich ganz viel“, sagte York-Fabian Raabe.

„Dieser Film ist so wichtig“, bestätigte Eugene Boateng. Dass er aus der Perspektive des Afrikaners, des dunkelhäutigen Menschen erzählt werde, sei „eine Veränderung“. „Es ist ein wichtiger Meilenstein, ein sehr wichtiger Schritt für unsere Gesellschaft. Für Ghana genauso wie für Deutschland.“

„Borga“ erzählt von Ghanaern, die es im Ausland zu Wohlstand bringen wollen. Auch Kojo, der mit seinem Bruder auf einer Elektroschrott-Müllhalde aufwächst, möchte solch ein „Borga“ werden. „In einer epischen Erzählweise, ohne Angst vor Schönheit und mit Empathie für sämtliche Figuren, spricht der Film eine ganz besondere Einladung aus: mit Hilfe eines unerhörten Narrativs - einer konsequent Schwarzen Perspektive im deutschen Kino - nach Antworten zu suchen“, lobte die Jury.

Sichtlich bewegt und nach eigener Aussage „total überwältigt“ waren auch die zweiten Hauptpreisträger des Abends: Regisseur Arman T. Riahi und sein Bruder, Produzent Arash T. Riahi, von „Fuchs im Bau“ (Österreich 2020). Ihr Film, der die Arbeit eines Lehrers in einer Wiener Gefängnisschule schildert, erhielt den Preis für die beste Regie, den Fritz-Raff-Drehbuchpreis und den Preis der Jugendjury. „Dank an alle, die an uns geglaubt haben“, kommentierte der Regisseur. Den Preis hätten die Brüder auch ihren Eltern zu verdanken: „Danke, dass ihnen Bildung wichtig war“, sagte Arash T. Riahi.

Dass Mütter nicht immer Recht haben, hatte zuvor Murad Abu Eisheh, Autor und Regisseur von „Tala'vision“ (D/Jordanien 2020), deutlich gemacht, der sowohl den Preis für den besten mittellangen Film als auch den Publikumspreis in dieser Kategorie erhielt. „Ich werde den Rat meiner Mutter ignorieren“, gab er lächelnd zu. Sie habe erst neulich zu ihm gesagt, dass seine Filmkarriere schon zu lange auf sich warten lasse und ihm daher empfohlen, lieber einen Falafel-Laden zu eröffnen. Von den Preisen für seinen Film fühle er sich sehr geehrt: „Ich habe an die Geschichte und an die Botschaft geglaubt“, sagte er mit Blick auf seinen Film über eine verlorene Kindheit in Kriegszeiten. Sein 27 Minuten langes Werk erzählt vom Leben der achtjährigen Tala in einer von Krieg zerrütteten Welt - und welche Bedeutung darin ein Fernseher für sie hat.

Bester Dokumentarfilm wurde „Stollen“ (D 2020) von Laura Reichwald, ein Psychogramm über ein Dorf im Erzgebirge, das um seine Identität ringt. „Ich kann es nicht fassen. Voll schön“, kommentierte die Regisseurin. „Lieben Dank an die ErzgebirgerInnen, die uns in ihr Leben gelassen haben.“

Insgesamt wurden bei der 42. Ausgabe des MOP 98 Filme gezeigt, davon starteten 50 in den vier Wettbewerben Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm. Für sie wurden 16 Preise in einer Gesamthöhe von 118 500 Euro verliehen. Die Abschlussveranstaltung wurde kostenlos auf der Streaming-Plattform und dem Youtube-Kanal des MOP übertragen.

Der künstlerische Leiter Oliver Baumgarten räumte rückblickend ein, dass es bei diesem ersten Online-Festival sicherlich auch einige technische Schwierigkeiten gegeben habe, für die man Entschuldigung sagen müsse. Aber „wirklich sehr sehr viele Dinge haben wirklich super funktioniert“, bilanzierte er. Er und Festivalleiterin Svenja Böttger seien „extrem dankbar“ dafür, dass sich ihr Team „mit absoluter persönlicher Hingabe“ in das Abenteuer Online-Edition gestürzt habe.

Sie hätten Wert darauf gelegt, ein Konzept zu finden, wie man Publikum und Branche mit Filmschaffenden verknüpfen könne, bilanzierte Böttger. Dabei sei ihnen wichtig gewesen, „zu wissen, dass man kann kein physisches Festival 1:1 ins Online übertragen kann.“

Eines hätten sie bei dieser ersten Online-Ausgabe jedoch auch gemerkt: Naürlich könne man sich im Kino und auf einer großen Leinwand „sehr viel mehr hineindenken“, so Böttger. Doch Filme, die einen emotional ansprächen, „funktionieren auch im Streaming“.

(dpa)
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