2. Sinfoniekonzert des Saarländischen Staatstheater

Saarländischen Staatstheater : Sinfoniekonzert zwischen Drama und Romantik

Das 2. Sinfoniekonzert des Saarländischen Staatstheaters hat am Sonntag Kompositionen aus rund 65 Jahren Musikgeschichte präsentiert. Dramatisch der Einstieg mit Robert Schumanns Ouvertüre zu „Manfred“, nach einer Dichtung von Lord Byron, die, schwülstig-gefühlig, heute kaum mehr Beachtung findet und damit auch die melodramatischen weiteren Vertonungen Schumanns.

Der hatte wohl in der inneren Zerrissenheit des Byronschen Helden ein Stück seiner selbst erkannt und eine ebensolche Musik geschrieben. So zum Ein- und Wegspielen ist sie nicht, zu mehr Präzision und Stimmungskontrasten hätte Dirigent Sébastian Rouland sein Orchester durchaus inspirieren können.

Dann Wohlfühl-Romantik mit dem Doppelkonzert für Klarinette und Viola von Max Bruch. Das Geschwisterpaar Sharon und Ori Kam wurden mit ihren Soli von Rouland warm eingebettet in den dunkeltönigen Orchesterklang. Sie interpretierten die eher harmlose und unaufgeregte Partitur mit Ambition und gepflegter Tongebung, wobei der (unübliche) Zwischenbeifall und gar der Beginn des Finales aufschreckten, bevor Bruch wieder zurückfinden konnte zu wohlklingendem Klangtableau. Ein graziöses Duett-Andante von Mozart beschloss als Zugabe den beschaulichen ersten Teil.

Louis Théodore Gouvy ist als Grenzgänger zwischen Frankreich und Deutschland im Saarland kein Unbekannter mehr. Seine 2. Sinfonie hat beachtliche Statur, ist einfallsreich, originell instrumentiert und klanglich abwechslungsreich. Ihr Temperament wurde vom Staatsorchester spielfreudig aufgenommen und mit handwerklichem Können umgesetzt. Dass Rouland den Posaunen und der Pauke mitunter zu viel dynamischen Spielraum gewährte, machte deutlich, dass in der Congresshalle etwas anders als im Orchestergraben des Opernhauses zu disponieren ist. Mit „Klingklang“, der die „Hörer kalt lässt“, tat Gouvy die Arbeiten seiner romantischen Komponisten-Kollegen ab und übersah dabei, dass auch in der Musik, an ihm vorbei, eine Weiterentwicklung nach der Zeit der Aufklärung hin zum Gefühl, zum Romantischen stattgefunden hat. Seine Sinfonien erfordern eine klassische Haltung. Und die hat das Staatsorchester zweifellos gefunden.

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