Saar-Chef des Naturschutzbundes verlässt nach 19 Jahren den Vorstand

Nabu Saar will Kontakt zu Fridays for Future aufbauen : Beim Nabu Saar endet die Ära Ulrich Heintz

Nabu-Landesvertreter wählen in Lebach an diesem Samstag einen neuen Chef. Bisher bewerben sich zwei Kandidaten.

Er ist bekannt wie ein „bunter Hund“ im Saarland. Ungezählt sind die Termine seit 2000, bei denen Ulrich Heintz, 60, meist in zweckmäßiger Outdoor-Kluft, mit Bürgermeistern, Umweltministern, Forstleuten und Ornithologen an einem Fließgewässer, einer Biberburg, einem Totholzstapel oder in der Vogelbeobachtungsstation hinter Ikea in Lisdorf stand, um für die Sache des Naturschutzes Flagge zu zeigen. Nach mehr als 19 Jahren als Chef des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) im Saarland verlässt der Eppelborner Diplom-Geograf an diesem Samstag den Vorstand. „Ich brauche jetzt mal eine schöpferische Pause“, sagte Heintz am Freitag der SZ. Für den vakanten Chefposten bewerben sich bei der Nabu-Landesvertreterversammlung an diesem Samstagmorgen ab 10 Uhr in der Stadthalle Lebach nach Heintz´ Angaben die promovierte Biologin Julia Michely, 34, aus Beckingen, die eine hervorragende Insekten-Expertin sei. Ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen hat der promovierte Biologe Christoph Bernd, 53, der ein Büro für Freilandforschungen in Bexbach führt.

„Ich würde mir wünschen, wenn meine Nachfolgerin/mein Nachfolger Kontakte zur Fridays-for-future-Bewegung (FFF) im Saarland aufbauen würde, um gemeinsame Projekte in Angriff zu nehmen“, sagte Heintz. Er sehe in der FFF „keine Konkurrenz“ für den Nabu. Sondern einen Anlass, sich mit deren Argumenten und Forderungen ernsthaft auseinander zu setzen. Viele Menschen seien satt und bequem geworden und versuchten, die FFF mit platten Witzen abzutun. Dabei sei deren Anliegen des Klimaschutzes äußerst wichtig. „In meiner Amtszeit haben wir vom Nabu einen Kohlekraftwerksneubau in Ensdorf verhindern können“, betonte Heintz. Zudem habe der Nabu die Nordumgehung von Merzig mit gestoppt, die für die Entlastung der Innenstadt auch nach Meinung der Verkehrsplaner gar nichts bringe. Für das große Gewerbegebiet Lisdorfer Berg habe es der Nabu vermocht, etwa 100 Hektar natürliche Ausgleichsfläche herauszuholen, statt ein paar Grüninseln in der Saarlouiser City wie zuerst geplant.

Dennoch sei es ein „Bohren dicker Bretter“, wenn es um die Finanzierung von Naturschutzprojekten durch die Behörden gehe. So sei etwa die Vogelberingungsstation in Lisdorf immer noch nicht auf stabilem Finanzfundament, obwohl dort hervorragende Arbeit von dem Team um Sebastian Kiepsch geleistet werde. Seit 2008 sind dort 93 seltene Vogelarten festgestellt und beringt worden. Heintz bat Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) in dessen Eigenschaft als Wissenschaftsminister, die Vogelberingungsstation Mittleres Saartal aus Forschungsmitteln dauerhaft zu sichern. Schließlich habe dieses Nabu-Projekt in der Forscherszene deutschlandweit einen exzellenten Ruf.

Auch an anderer Front musste sich Heintz in seiner 19-jährigen Ära für die Vögel einsetzen, was im Nabu, der aus dem 1899 gegründeten Bund für Vogelschutz hervorging, Ehrensache ist. So schildert Heintz, dass es am Widerstand der Jägerschaft gescheitert sei, die Bejagung der Waldschnepfe gesetzlich zu verbieten. Jährlich würden weiterhin etwa drei bis fünf dieser seltenen Vögel im Saarland geschossen. Aber die „Liste der jagbaren Arten“ sei aus Jägersicht unantastbar. Bei den Bauern, die in Mettlach-Faha gegen die EU-Natura-2000-Verordnung opponieren, weil sie eine Ernte bis zum Mariä-Himmelfahrtstag am 15. August vorschreibt, damit der seltene Mornellregenpfeifer auf den abgeernteten Feldern landen kann, erkennt Heintz eine gewisse Dickköpfigkeit. Er könne die Bauern verstehen, dass sie an ihrer seit Jahrhunderten gepflegten Feldbaumethode festhalten wollten. Doch der Vogel sei auch dieses Jahr wieder von Ehrenamtlern, die dort Tag und Nacht auf der Lauer lägen, festgestellt worden. Ohnehin sei die Agrarpolitik der „Schlüssel zur Erhaltung der Biodiversität“. Da gelte es Druck zu machen auf die EU-Abgeordneten, so Heintz.

Zur Rallye Nordsaarland fragte Heintz: „Ist das noch zeitgemäß, mit brüllenden Dinosauriern mit hohem Tempo über Feldwege zu brettern?“. Der meisten Bürger fühlten sich durch diese Veranstaltungen belästigt. Von einem Verbot der Martins- oder Hexenfeuer wegen der Feinstaubbelastung hält Heintz nichts, da solle man die Kirche im Dorf lassen. An Silvester böllert er selbst nicht. „Da muss sich jeder selbst den Spiegel vorhalten.“ Aber das Silvesterfeuerwerk sei nicht das größte Umweltschutzproblem, so der scheidende Nabu-Chef.

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