Saar-Bauminister präsentiert Landes-Bau-Programm im Volumen von 420 Millionen Euro

Kostenpflichtiger Inhalt: Bauminister präsentiert Landesbau-Programme : Bouillon zeigt Pingusson-Bau die kalte Schulter

Bauminister stellt öffentliche Bau-Projekte mit Volumen von 420 Millionen Euro vor. Großteil der Investitionen fließt an Uniklinik und Uni-Campus.

Im Tempo eines Parforce-Ritts hat Saar-Bauminister Klaus Bouillon (72, CDU) am Freitag im Bauministerium an der Saarbrücker Halbergstraße Medienvertretern die laufenden Bauprojekte der CDU/SPD-Landesregierung für die nächsten Jahre mit einem Volumen von rund 420 Millionen Euro vorgestellt. Der Baubeamte, der den Beamer bediente, kam mit dem Klicken kaum nach, so schnell spulte der St. Wendeler Ex-Bürgermeister die Namen und Bausummen von seiner Vorlage ab. Bouillon erklärte: „Aktuell sind mehr als 40 Maßnahmen mit je mehr als einer Million Euro und über 140 Maßnahmen mit je unter einer Million Euro in Arbeit. Damit wird deutlich, dass das Saarland auch 2020 erhebliche Mittel in seine öffentlichen Einrichtungen investiert.“

Die Schwerpunkte der Ausgaben aus den Steuermitteln finden sich im Bereich der Universität in Saarbrücken und der Uniklinik in Homburg. Am Campus in Homburg werde das Hörsaal-, Seminar- und Bibliotheksgebäude für etwa 17 Millionen Euro fertiggestellt. Im Frühjahr dieses Jahres starteten die Rohbauarbeiten für den Neubau des Präklinischen Zentrums für molekulare Signalverarbeitung (PZMS), das etwa 50 Millionen Euro kosten werde, sagte Bouillon. Das neue Praktikumsgebäude für die Pharmazie (18 Millionen Euro) solle gegen Ende des Jahres an die Nutzer auf dem Uni-Gelände in Saarbrücken übergeben werden. Viele der Millionen flössen auch in den Brandschutz bestehender Gebäude, fügte der Bauminister, der seit 1. August 2017 im Amt ist, hinzu. In die Erweiterung des Helmholtz-Zentrums für Computersicherheit (Cispa) von Professor Michael Backes auf dem Saarbrücker Uni-Campus würden 45 Millionen Euro investiert.

In die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge (das so genannte „Anker-Zentrum“) in Lebach will das Land in den kommenden fünf Jahren 20 Millionen Euro stecken. So sollen die Plätze des Kinderhorts von 60 auf 80 aufgestockt werden und Neubauten entstehen, wo die einzelnen Wohnungen für die Geflüchteten auch über Bäder und Toiletten verfügen sollen. „Der vorhandene Baubestand in Lebach mit 49 Gebäuden stammt überwiegend aus den 50er Jahren, da wurde seitdem wenig investiert“, sagte Bouillon.

Auch die Polizeieinheiten sollen von der Bautätigkeit profitieren. So will Bouillon an der Mainzer Straße in Saarbrücken 42 Millionen Euro für die Groß-Inspektion springen lassen. Da sei er „optimistisch“, dass die Zusammenarbeit mit der „Stadtverwaltung unter neuer Führung“ (gemeint ist Oberbürgermeister Uwe Conradt, CDU) besser klappen werde als ehedem.

Auffallend weniger dynamisch wurde Bouillon beim Thema ehemaliges Kultusministerium an der A 620 in Saarbrücken, dem nach dem Architekten Georges-Henri Pingusson so genannten „Pingusson-Bau“, dem herausragenden Baudenkmal der 1950er Jahre im Saarland. Bouillon nannte das seit Jahren größtenteils leer stehende Betongebäude ausschließlich und offenbar absichtlich falsch „Pinguin-Bau“. „Da liegen in drei bis vier Wochen die Zahlen der beiden beauftragten Büros vor, die wir dann im Ministerrat besprechen werden“, sagte Bouillon. Dann würde das Kabinett sagen „Au, au!“ Doch bevor irgendeine Renovierungsmaßnahme am „Pinguin-Bau“ erfolge, werde der Landesrechnungshof eingeschaltet, um den Investitionsplan zu prüfen. „Dann müssen wir abwägen: Brauchen wir notwendige Baumaßnahmen in den Kommunen oder Mittel, um diese Erinnerungskultur zu finanzieren?“, sagte Bouillon. Seine Abwägung sei dabei eindeutig, machte Bouillon erneut seine Ablehnung von Millionen-Investitionen in die Ertüchtigung der ehemaligen französischen Botschaft klar. Auch die Zukunft des bröckelnden Gebäudes des Finanzministeriums am Saarbrücker Stadtgraben (1966 von Walter Nobis) sei noch offen, da hier auch der Denkmalschutz eine Rolle spiele.

Leicht genervt reagierten Bouillon und die versammelten obersten Bau-Beamten auch auf die SZ-Frage, ob angesichts der explodierenden Baukosten bei öffentlichen Bauten (Ludwigsparkstadion. Saarland-Museum, HTW-Hochhaus) die Summe von 420 Millionen Euro Bauvolumen sich ebenfalls auf 1,6 Milliarden Euro vervierfachen werde. Bouillon betonte, dass seine Zahl belastbar sei. Auch wenn die Kosten bei den Baufirmen sowie für Bauingenieure und Architekten stetig anstiegen.

Nerven werden die Landesbaumeister zudem beim größten Bauprojekt, das in der 420-Millionen-Euro-Rechnung noch gar nicht enthalten ist, auf jeden Fall brauchen. Auf dem so genannten „Nervenberg“ des Uniklinikums Homburg, wo Kliniken der Neurololge, Neurochirurgie und Psychiatrie zu Hause sind, sollen 200 Millionen Euro verbaut werden. Der Baubeginn ist noch offen.