1. Saarland

Russischer Pianist zog zahlreiche Besucher nach Homburg

Russischer Pianist zog zahlreiche Besucher nach Homburg

Wie seit vielen Jahren spielte Anton Boldyrev aus St. Petersburg auch diesmal wieder in der Aula des Homburger Mannlich-Gymnasiums.

Der Pianist, exzellenter Vertreter der russischen Klavierschule, hatte mit einem exquisiten Programm zahlreiche Konzertbesucher angezogen.

Boldyrev begann mit der "Mondschein-Sonate" von Beethoven. Den ersten Satz dieses Nachtstücks begriff er eindrucksvoll als schwermütige Klage. Das folgende Allegretto war trotz seiner aufgehellten Stimmung wie ein Nachklang dazu. Sein idyllisches Ende wird jäh zerrissen durch den stampfenden Rhythmus des explosiven Finales Der Pianist fand zu mächtigem Ausdruck für die musikalische Geschichte dieser singulären Sonate.

Musikalisches Denkmal

Als zweites Werk spielte Boldyrev den Zyklus "Bilder einer Ausstellung". Mussorgski hatte nach dem Besuch der Gedächtnisausstellung seinem verstorbenen Freund, dem Maler Hartmann, ein musikalisches Denkmal setzen wollen. Es sollte eine neue Musik sein, nur die seines Volkes. Äußerst virtuos und ausdrucksvoll interpretierte Boldyrev diese rein nationale Musik. Hervorzuheben ist das letzte Bild "Das Große Stadttor von Kiew". Diesen Marsch der historischen Helden durch das Tor hatte Musorgski zu einem bombastischen Opernfinale hochstilisiert. Ihm ging es um die nationale Größe seines Vaterlandes, um Zarenmacht und Popenherrlichkeit. Diese Intentionen setzte der Pianist mit äußerster Kraftentfaltung und expressivem Ton um.

Stimme des alten Russlands

Ein weiterer Höhepunkt des Abends waren die sechs Études-Tableaux von Rachmaninov. Boldyrev setzte souverän die pathetisch-slawische Klangsprache seines Landmannes um. Besonders in der fünften Etüde glaubte man die Stimme des alten Russlands zu vernehmen. Insgesamt waren diese Etüden temperamentvoll, virtuos, mit langen melodischen Passagen voller Sehnsucht versehen. Eine tiefe Einsamkeit und Resignation des heimatlosen Komponisten waren nicht zu überhören.

Nach stürmischem Applaus für diesen großen Klavierabend spielte Boldyrev noch die Klavierfassung "Eine Nacht auf dem Kahlen Berge" von Mussorgski und eine von ihm komponierte Klavierfassung von "Siegfrieds Tod" aus Richard Wagners "Götterdämmerung".