Rückschlag im Jahr der Sprachen

"Die Regionalsprachen gehören zum Erbe der Nation." Ein schöner Satz, der - so der Wille der Nationalversammlung in Frankreich - die französische Verfassung ergänzen soll, in der es bisher heißt: "Die Sprache der Republik ist Französisch

"Die Regionalsprachen gehören zum Erbe der Nation." Ein schöner Satz, der - so der Wille der Nationalversammlung in Frankreich - die französische Verfassung ergänzen soll, in der es bisher heißt: "Die Sprache der Republik ist Französisch." Ein Vorstoß, der bestens in das von der UNO ausgerufene Jahr der Sprachen passt und nun leider vom Senat, durch die Acad&;mie Française angestiftet, abgelehnt wurde. Das ist ein falsches Signal. Gerade in der Zeit, in der Frankreich nicht nur in Europa, sondern weltweit Respekt für seine Sprache erwartet, könnte es im eigenen Lande mit gutem Beispiel vorangehen. Frankreich hat mit Baskisch, Bretonisch, Katalanisch, Korsisch, Okzitanisch und den deutschen Dialekten in unserer Nachbarschaft ein vielfältiges Erbe zu pflegen. Die Akademie sieht in der geplanten Ergänzung der Verfassung einen "Angriff auf die nationale Identität". Damit unterstellt sie, dass den "Nationen" immer noch die Bedeutung zukäme wie in den vergangenen zwei Jahrhunderten, um den Menschen wirklichen Halt und Identität zu geben. Die Zeit der Nationalstaaten ist aber abgelaufen, auch wenn die vielen Fahnen an den Autos und in den Fenstern der Fußballfans etwas anderes vermuten lassen. Die Zugehörigkeit zu Europa und zu den Regionen, die wie bei uns die alten nationalstaatlichen Grenzen überspringen, wird immer wichtiger und die nationale Zugehörigkeit schrumpft zu einer von mehreren Identitäten. Deshalb hängen in unserer Stadt die italienischen, türkischen und deutschen Fahnen friedlich nebeneinander und nicht wenige Autos zeigen zwei unterschiedliche Fahnen.

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