Rudi-Kappés-Stiftung in Saarbrücken: Kasse geplündert

Kostenpflichtiger Inhalt: Stiftungsgeld verschwunden : Anwalt Abel vollstreckt für die geplünderte Kappés-Stiftung

Bislang keine offizielle Strafanzeige wegen Untreue gegen früheren Vorstand Michael Arnold und dessen Ehefrau. 115 000 Euro fehlen in der Kasse.

Eigentlich sollte die einst gemeinnützige Stiftung, die 2004 in Gedenken an den Fußballer und Trainer Rudi Kappés von Michael Arnold, Ex-Praktiker-Vorstand, mit gegründet wurde, unverschuldet in Not geratenen Saarländer „unbürokratisch“ helfen. Doch spätestens seit Ende 2012 bis Anfang 2014 wurde das Vermögen der Stiftung wohl Zug um Zug geplündert, durch Barabhebungen, oft an Geldautomaten, und Nutzung von Kreditkarten für Essen in Nobelrestaurants. Der St. Ingberter Rechtsanwalt Franz Abel ist als Stiftungsrat seit 2016 – wie bereits berichtet – um Schadensminimierung bemüht: „Ich möchte möglichst viel von dem Vermögen der Stiftung zurückbekommen.“ Er bestätigte am Freitag bei einem Gespräch mit Journalisten und Vertretern der Stiftungsaufsicht beim Innenministerium, dass 115 000 Euro zweckwidrig aus der Stiftungskasse entnommen wurden. Nach Abels Recherchen, unter anderem in den Kontenschreibungen verschiedener Banken, sind dafür der frühere Vorstand und Mitgründer Michael Arnold und dessen Ehefrau Stefanie verantwortlich. Beide haben zwischenzeitlich bei einem Notar Schuldanerkenntnisse in Höhe von insgesamt 150 000 Euro unterschrieben. Aus diesen werde vollstreckt, so Abel. Zudem seien Sicherungshypotheken auf Immobilien eingetragen worden. Etwa zehn Prozent der Schadenssumme seien bislang beigetrieben.

Abel macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich von Arnold enttäuscht ist. Über Jahrzehnte saßen beide gemeinsam  im Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken, wirkten im Interesse der Kappés-Stiftung. Arnold als Vorstand und Abel mit Ex-SPD-Ministerpräsident Reinhard Klimmt als Stiftungsräte. Und dann 2016 diese Hiobsbotschaft von der Aufsichtsbehörde:  Seit Jahren wurden keine Bilanzen der Stiftung mehr vorgelegt. Der letzte Jahresabschluss betrifft das Jahr 2011. Vorstand Arnold vertröstete immer wieder, weshalb der Stiftungsrat alarmiert wurde. Und Abels Bilanzen für die kritischen Jahre fielen dramatisch aus: Selbst das Stiftungskapital, das auf einem gesonderten Konto geführt werden muss, war ausgegeben.

Franz J. Abel, Rechtsanwalt aus St. Ingbert. Foto: Abel & Kollegen

Warum aber haben weder Abel noch die Stiftungsaufsicht bislang offiziell Strafanzeige erstattet? Abel dazu: „Der Zeitpunkt, wann anzuzeigen ist, war noch nicht gekommen, weil wir den Schaden kompensieren wollten.“ Die strafrechtliche Aufarbeitung komme als nächster Schritt.  Monika Zöllner, für die Stiftungsbehörde zuständige Abteilungsleiterin im Innenministerium, ergänzt: „Die Wiedergutmachung, die Schadensbehebung steht im Vordergrund. Wir sind keine Strafverfolgungsbehörde. Es gibt keine Rechtspflicht für eine Strafanzeige.“

Michael Arnold. Foto: BeckerBredel

Zwischenzeitlich wird erwartet, dass der Staatsanwalt sich demnächst „von Amtswegen“   einschalten wird.

Die Kappés-Stiftung selbst soll, so die Pläne von Stiftungsrat und Aufklärer Abel, in absehbarer Zeit „liquidiert werden“. Bis dahin will er möglichst viel von dem verlorenen Vermögen wieder beschafft haben. Das Geld soll einer gemeinnützigen Organisation, die einen vergleichbares Ziel wie ursprünglich die Stiftung verfolgt, anvertraut werden.

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