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Rotstift malt in der Kultur

Rotstift malt in der Kultur

Saarbrücken. Der Saarbrücker Schuldenberg ist ins Unermessliche gewachsen. Die Stadt steckt mal wieder in einer Spardebatte. Für die Kultur bedeutet das erfahrungsgemäß nichts Gutes. "Kultur und Bildung sind noch relativ gut weggekommen", meint Kulturdezernent Erik Schrader. Aber spürbar sind die Einschnitte im ohnehin schon winzigen Kultur-Etat dennoch

Saarbrücken. Der Saarbrücker Schuldenberg ist ins Unermessliche gewachsen. Die Stadt steckt mal wieder in einer Spardebatte. Für die Kultur bedeutet das erfahrungsgemäß nichts Gutes. "Kultur und Bildung sind noch relativ gut weggekommen", meint Kulturdezernent Erik Schrader.

Aber spürbar sind die Einschnitte im ohnehin schon winzigen Kultur-Etat dennoch. So soll zum Beispiel das Kleine Theater im Rathaus keinen neuen künstlerischen Leiter bekommen. Niemand wird Christian Caimacan ersetzen. Das Programm soll vom Kulturamt, namentlich von Thomas Altpeter, mit gemacht werden.

Der hatte das bereits in den letzten Monaten, eigentlich übergangsweise, übernommen. Jetzt bleibt's dabei. Die Organisation wird - gegen Entgelt natürlich - vom Theater im Viertel gemacht. Bis zu 60 000 Euro im Jahr will man so sparen.

Weitere Sparopfer müssen wohl die Musikschule und die Stadtbibliothek bringen. In der Musikschule plant man den moderaten Einsatz von Honorarkräften, aber ausdrücklich "nur für vereinzelte Unterrichtsangebote". Denn am Gefüge des festen Dozentenstammes wollen Schrader und Musikschul-Chef Thomas Kitzig unbedingt festhalten, da ohne Verbundenheit nichts zu gestalten sei.

"Die Gutachter hatten das anders gesehen, aber da haben Frau Britz und ich Nein gesagt". Statt dessen werden die Unterrichtsgebühren moderat angehoben. Vorgesehen sind Erhöhungen im Rahmen von vier bis sechs Euro monatlich - aber die Familien- und Sozialermäßigungen bleiben. Rund 40 000 Euro sollen so insgesamt bei der Musikschule gespart werden.

Über 80 000 Euro will Schrader mittelfristig in der Stadtbibliothek sparen - dies allerdings vor allem durch Einführung einer neuen Technologie. Die RFID-Technik ist eine Art Strichcode, der es ermöglicht, dass Bibliotheks-Nutzer ihre Ausleihe selbst verbuchen können. Ursprünglich hatten Schrader und Bibliotheks-Chef Leo Prawitt gehofft, dadurch die Öffnungszeiten ausdehnen zu können. Jetzt werden frei werdende Stellen nicht mehr besetzt. "Aber wir hoffen, trotzdem die Öffnungszeiten moderat verbessern zu können", meint Schrader.

Außerdem sollen in der Bibliothek die Gebühren erhöht werden. Allerdings bleibt es dabei, dass Kinder frei sind, und der Familienpass bleibt ebenfalls. "Wir werden vor allem die Mahngebühren erhöhen", meint Schrader. Das sei aber auch nicht so schlimm - da dank RFID die Möglichkeit besteht, Bücher bis in die Nacht an einem Abgabeschalter zurückzugeben.

Über 180 000 Euro im Jahr würde das Sparopfer der Kultur nach jetzigem Stand bringen. Und Schrader betont, dass alles in enger Abstimmung mit seinen Mitarbeitern erfolgt sei. Aber ein Ende der Fahnenstange ist da wohl noch nicht erreicht. "Was jetzt vorliegt, passiert mit dem Ziel, dass der Haushalt 2010 genehmigt wird - aber das wird mich nicht davon entbinden, mir Gedanken zu machen für die nächsten Jahre", meint Schrader.

So ist zum Beispiel das Filmhaus "erst mal nicht dabei". Aber Schrader will auch hier mit dem neuen Amtsleiter Michael Jurich über Einsparmöglichkeiten verhandeln, die aber nicht in die Substanz des Filmhauses eingreifen sollen.

Denn dessen Erhalt steht für eine klare Stadtrats-Mehrheit außer Frage - "nur die CDU und die Freien Wähler sind gegen das Filmhaus", meint Schrader.

Auf einen Blick

Der Kulturausschuss tagt am heutigen Donnerstag, 4. März, 16 Uhr, im Rathaus, Saal 135. Auf Antrag der CDU-Fraktion soll an diesem Tag auch über das Sparopfer des Kleinen Theaters debattiert werden. Die Sitzung ist öffentlich. bre