Ritterturniere damals und heute

Ritterturniere damals und heute

St. Wendel. "Ich habe lange Jahre dieses Bild im Ratssaal betrachtet, ohne genau zu wissen, was es darstellt. Aber ich bin froh, dass wir heute eine Reise 500 Jahre zurück in der Zeit machen können." Das Bild, das den Besuch von Kaiser Maximilian I. in St. Wendel am 31. März 1512 zeigt, bildete laut Bürgermeister Klaus Bouillon den Ausgangspunkt für das große Ritterturnier vom 31

St. Wendel. "Ich habe lange Jahre dieses Bild im Ratssaal betrachtet, ohne genau zu wissen, was es darstellt. Aber ich bin froh, dass wir heute eine Reise 500 Jahre zurück in der Zeit machen können." Das Bild, das den Besuch von Kaiser Maximilian I. in St. Wendel am 31. März 1512 zeigt, bildete laut Bürgermeister Klaus Bouillon den Ausgangspunkt für das große Ritterturnier vom 31. August bis 2. September im alten Bosenbach-Stadion.Ein Turnier zu Ehren des Kaisers. Teil dieses Spektakels ist auch die Ausstellung "Wenn Lanzen brechen - Ritterliche Turniere damals und heute" im Stadtmuseum, die am Freitag eröffnet wurde. "Wenn man im Mittelalter Kaiser war, musste man sich durch andere Qualitäten dafür qualifizieren. Man musste der Beste sein", sagte Museumsleiterin Cornelieke Lagerwaard über "den letzten Ritter". "Maximilian war selbst ein begeisterter und begabter Turnierreiter", charakterisierte Ausstellungskurator Josef Dreesen den Herrscher, der in einer Zeit Turniere bestritt, in denen sich Ritter nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern nur noch vor Publikum maßen.

Ursprünglich waren Turniere als Übung für den Krieg gedacht, im 13. und 14. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Ritter für die Kriegsführung ab, ihre Kampfkunst wurde durch neue Waffen ersetzt. Die Turniere entwickelten sich zu einer Art Profi-Sport des Mittelalters, bei dem es viel zu gewinnen, aber auch viel zu verlieren gab.

Zu sehen sind in St. Wendel unter anderem zwölf Originale aus der Zeit Maximilians, alles Leihgaben aus der Hofjagd- und Rüstungskammer Wien. Da ist zum einen der obere Teil einer Turnierrüstung, die der Kaiser selbst getragen haben soll. Die Rüstung ist aus dickem Stahl und kunstvoll gefertigt, ein sogenannter Froschmaulhelm schützte den Kopf. Aber auch ein Wettkampfschwert, zwei große Lanzen oder ein mittelalterlicher Schraubenschlüssel, mit dem die Rüstungen zusammengeschraubt wurden, sind zu sehen. Zudem hat der Niederländer Arne Koets seine alte Wettkampfrüstung zur Verfügung gestellt.

"Das zentrale Ereignis wird sicher das Turnier sein. Aber wie soll ein normaler Mensch einschätzen können, wie gut und echt das alles ist?", sagte Alfred Geibig, Leiter der Waffensammlung der Veste Coburg, der an der Vorbereitung des Turniers und der Ausstellung maßgeblich beteiligt war. Deshalb umfasst die Ausstellung einen großen erklärenden Teil. Welche Turnierformen es damals gab und wie diese ausgetragen wurde, welche Rüstungen die Ritter trugen, aber auch, wie das Ritterturnierwesen ab dem 19. Jahrhundert wiederbelebt wurde.

"Einen Zeitbogen in die Gegenwart zu schlagen, ist das zweite Ziel der Ausstellung", erläuterte Alfred Geibig. In einer Ecke sind so auch die Preise des St. Wendeler Ritterturniers in einer Vitrine ausgestellt: ein kunstvoll gearbeitetes Schwert für den Sieger und Dolche für den Zweiten und Dritten.

Einen wahren Sprung in die Neuzeit machen die Besucher im zweiten Ausstellungsraum. Hier haben Studenten der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) unter dem Titel "Ritterleuchten" einen multimedialen, interaktiven Spielplatz für Nachwuchsritter geschaffen. Anhand eines animierten Wandfrieses erleben sie das mittelalterliche Ritterleben, bei dem auch mal um ein Burgfräulein geworben wird.

An einer Wand wird an einem echten Seil ein virtueller Turm erklommen. Und in der Mitte des Raums können Kinder selbst mittels Bewegungssensoren einen Ritter spielen oder als Schlossgespenst durch die Burg fliegen. "Die Kinder können schlagen, hauen oder stechen - und das ganz ohne Blutvergießen", sagte Museumsleiterin Lagerwaard. Bis zum großen Ritterturnier soll es auch ein Begleitprogramm rund ums Mittelalter für Kinder geben.

Auf einen Blick

Die Rüstung, die Maximilian selbst getragen haben soll.
Das Spielzeug stammt aus der Zeit Maximilians, man hat die Ritter auf Rädern aufeinander zugezogen, die Ritter waren beweglich und konnten mit den Lanzen heruntergestoßen werden.

Die Ausstellung ist bis zum 2. September geöffnet: dienstags, mittwochs und freitags von zehn bis 16.30 Uhr, donnerstags von zehn bis 18 Uhr, samstags von 14 bis 16.30 Uhr, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen drei Euro, Kinder, Jugendliche und Studenten sind frei. Ein Begleitbuch zur Ausstellung mit Beiträgen international renommierter Wissenschaftler soll bis August vorliegen. uo

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