1. Saarland

Richtig lecker ist in Merzig Chefsache

Richtig lecker ist in Merzig Chefsache

Wie oft Achim Schweitzer den Rührlöffel in der Rotkrautsud kreisen lässt, vermag der Koch, im Hauptberuf Facharzt für Chirurgie, am Ende des Abends nicht mehr zu sagen. "Wenn sie auf ein Minimum eingekocht ist, kommt sie über das Rotkraut", verrät der Mediziner

Wie oft Achim Schweitzer den Rührlöffel in der Rotkrautsud kreisen lässt, vermag der Koch, im Hauptberuf Facharzt für Chirurgie, am Ende des Abends nicht mehr zu sagen. "Wenn sie auf ein Minimum eingekocht ist, kommt sie über das Rotkraut", verrät der Mediziner. Derweil lässt OB Alfons Lauer das Messer über den frischen Kräutern tanzen: eine Millimeterarbeit, bei der er sich nicht aus der Ruhe bringen lässt - trotz der vielen Arbeit, die auf das Küchenteam wartet. Ein Hauch von Herbst durchzieht sein dreigänges Menü - würzige Herbsttrompeten garnieren das Wild, Pflaumen und Äpfel bereichern die Vorspeise.Eine Frage beschäftigt den Merziger Sozialdemokraten: Werden die Rehrücken, die er zum Hauptgang für "Talk am Topf" ausgesucht hat, reichen? "Beide sind aus Merziger Revieren. Eins davon habe ich selbst geschossen", verrät der passionierte Jäger.

Der Amtsinhaber, der sich erneut um den Chefsessel im Rathaus bewirbt, macht den Abschluss am Herd in der Villa Fuchs. Die Saarbrücker Zeitung und das Bistro Villa Fuchs nutzen den OB-Wahlkampf, um mit den vier Merziger Kandidaten zu kochen - und fernab aller Politik zu plaudern. Das Motto: "Gäste kochen für Gäste".

Ein kurzer Blick auf die Rotkrautsud, dann volle Konzentration auf die Wild-Soße in unmittelbarer Nähe. Es fogt eine Kostprobe - mmh. "Je feiner die Knochen verstapft werden, desto besser wird die Soße", lüftet der begeisterte Hobbykoch ein Geheimnis. Ein weiteres: "Soßen müssen lange köcheln". Der bekennende Hobbykoch schwärmt für herzhafte Suppen: "Rundfleischsuppe, Hühnersuppe und Ochsenschwanzsuppe" - und bedauert, dass seit dem BSE-Skandals der Ochsenschwanz weitgehend aus den Theken der Metzgereien verschwunden sind. Seine Leib- und Magenspeise: Rouladen mit viel Soße. "Da müssen nicht unbedingt Gurken rein", sagt er Wolf Porz, Moderator des Abends. "Am liebsten mag ich sie mit Salzkartoffeln, weil diese die Soße besser aufnehmen als Nudeln." Für seinen Freund und Mitkoch Achim Schweizer sind Gurken ein erlässliches Muss: Spreewaldgurken, und zwar klein gehackt.

Es geht auf acht Uhr los. Gäste trudeln ein - ihr erster Gang führt sie in die Küche: ein freundliches Hallo, Küsschen rechts, Küsschen links, ein paar Witzchen. Zum zigsten Male nimmt Marion Grandmontagne-Lauer ihren Ablauflaufplan in die Hand, ortet die Positionen, die sie feinsäuberlich notiert hat - von der Vorspeise bis zum "Hundsärsch". "Ich habe mir Gedanken gemacht, wie viele Leute ich für die Vorbereitung der einzelnen Gänge brauche und was exakt zu einem Zeit auf den Herd oder in den Backofen muss", lächelt Merzigs aparte First Lady und bittet zur erneuten Lagebesprechung. "Wenn der Dip mit dem Brot raus ist, geht's an die Vorbereitung der Vorspeise", gibt sie Ingrid Schweitzer und Doris Wolff die Marschrichtung vor.

Derweil stellt Andreas Jung vom Fuchs Bistro, die Teller für die Vorspeise auf die lange Anrichte. "Ihr seid so gut organisiert. Wir haben da kaum Arbeit", lacht er und lässt seinen Blick unbekümmert über das sechsköpfige Küchenpersonal schweifen. "Mia, fang' du mal an, Brot zu schneiden", dirigiert er seine Bekannte, die ihm bei Großveranstaltungen immer zur Hand geht.

Unzählige Stunden haben das Ehepaar Lauer und seine Freunde zur Vorbereitung des aufwändigen Menüs in der eigenen Küche gestanden - so recht abzuschätzen vermag die Zeit niemand.

"Seit heute Nachmittag stehen wir in der Küche des Bistros", sagt Lauer. Und die Vorarbeit soll sich auszahlen. Goldgelb leuchtet die Polenta unter der Glassichtfolie, ebenso wie der Selleriesalat. Die Poulardenterrine wartet - gut gekühlt - auf den Anschnitt. Und die saftig-grünen Salatblätter haben Marion Grandmontagne-Lauer, Ingrid Schweitzer und Doris Wolff längst appetitlich zurecht gezupft. Erneuter Blick auf den Ablaufplan, wieder eine kurze Teamabesprechung: Die Teller für die Vorspeise werden auf der langen Anrichte aufgereiht - das Anrichten der Vorspeise startet. Salat, Pflaumenmus, Poulardenterrine - natürlich alles selbst gemacht. Bevor die Appetithappen ins Bistro gebracht werden, lässt Marion Grandmontagne-Lauer die Falsche mit Balsamicocreme tanzen - eine kleine Zusatz-Verzierung. "Das Auge isst auch mit."

Jetzt geht's an die Rehrücken: Exakt 180 Grad - keinen Jota höher oder tiefer. Auch die Zeit ist exakt einzuhalten: eine Viertelstunde. "Das Fleisch wurde kurz angebraten. Nach den 15 Minuten wird es aus dem Backofen geholt. Und muss eine halbe Stunde ruhen", lüftet Lauer ein weiteres Geheimnis aus seiner Küche. "Dann ist es rosa, und der Fleischsaft ist auch optimal verteilt", sagt er und zieht die Folie von den Tabletts mit der Polenta. "Die ist Chefsache", lachen seine Assistenten und beobachten, wie er Stück für Stück auf Teller verteilt und mit Mehl bestäubt.

Die Buttaris in den Pfannen ist heiß - ein paar Mal wenden - ab unter den Grill. Mitlerweile ist der Rotkrautsud auf ein Minimum heruntergeköchelt - also Deckel auf, ab übers Rotkraut, durchmischen, kosten - lecker. "Die Herbsttrompeten, die zur Familie der Pfifferlinge gehören, werden nur in Kräuterbutter kurz angebraten", verrät der "Chef" - "dann kommen sie in die Fleischsoße." Das Anrichten der 30 Teller für die Hauptspeise - null Problem für das eingespielte Team. "Der Teller, der kein Rotkraut hat, kriegt auch kein Fleisch", witzelt Lauer und legt die rosafarbenen Stücke auf. "Der Rest ist für uns", freuen sich die Küchenhelfer und prosten sich auf den Erfolg erst mal zu - ein kühler Wein am heißen Herd.

Dann die Preisfrage: Wie bringt man Quitten-, Himbeer- und Schoko-Panna-Cotta dazu, sich schief ins Glas zu legen - ein Kniff, den Lauer gerne preis gibt: "Das Glas wird in schräg in einen Eierkarton gestellt, die erste Panna-Cotta eingefüllt. Erst wenn diese erkaltet ist, folgen Schritt für Schritt die nächsten." Das Lob aus dem vollbesetzten Bistro will nicht enden - dass es seinen Gästen geschmeckt hat, macht Lauer wahnsinnig stolz.

Bei "Talk am Topf" haben alle Merziger OB-Kandidaten gekocht: Manfred Klein, CDU, Alfons Lauer, SPD, Patrick Mauer, FDP, Michael Rauch,. Grüne.

"Eines der beiden Rehe habe ich geschossen."

Alfons Lauer

"Durch den Ablaufplan weiß ich genau, was zu tun ist."

Marion Grand-

montagne-Lauer