| 20:48 Uhr

Tabelle mit Kerosin-Ablässen
Saarland 2018 verschont von Kerosin-Regen

Für dieses Jahr meldet das Luftfahrtbundesamt noch keinen Kerosinablass über dem Saarland. 
Für dieses Jahr meldet das Luftfahrtbundesamt noch keinen Kerosinablass über dem Saarland.  FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Saarbrücken/Mainz/Braunschweig. Das Luftfahrtbundesamt will für mehr Transparenz sorgen und informiert Bürger jetzt im Internet über Treibstoffablässe von Flugzeugen.

Auf Anweisung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig jetzt erstmals eine Tabelle mit den Kerosin-Ablässen aus Flugzeugen in Gefahrenlagen ins Internet gestellt. Diese Tabelle (https://www2.lba.de/data/fueldumping/fueldumping.pdf) listet aktuell 17 Fälle auf, in denen Flugzeuge in Deutschland seit Jahresanfang Treibstoff abgelassen haben. Dabei ist das Saarland in diesem Jahr bisher unbeschadet geblieben. Die meisten Fälle spielten sich über dem südlichen Rheinland-Pfalz ab. Etwa 200 Tonnen gaben die Piloten in die Luft ab, um das Gewicht der Maschinen für eine Not-Landung zu verringern. In den Vorjahren waren auch über dem Saarland immer wieder Kerosin-Ablässe gemeldet worden, meist von Flugzeugen, die in Frankfurt gestartet waren und auch dorthin wieder zurückkehrten.


Das Land Rheinland-Pfalz forderte jetzt die Bundesregierung auf, die Risiken von Kerosin-Ablass durch Großflugzeuge mit neuen Messreihen zu untersuchen. „Wir sehen erheblichen Aufklärungsbedarf“, sagte Verkehrsstaatssekretär Andy Becht (FDP) im Mainzer Landtag in einer von der oppositionellen CDU beantragten Aktuellen Debatte. Den Unmut rheinland-pfälzischer Bürger, die sich wegen der bekanntgewordenen Fälle Sorgen machten, nehme das Land sehr ernst. Da einzig der Bund für den Luftverkehr zuständig sei, gebe es aber keine direkten Einflussmöglichkeiten. Ende August hatte die Landesregierung eine Bundesratsinitiative zum Kerosin-Ablass angekündigt. Darin werden neben umfassenden Informationspflichten durch die Deutsche Flugsicherung und der zeitnahen Offenlegung aller Fälle auch neue Untersuchungen eingefordert.

Bundesverkehrsminister Scheuer setzte einen Teil der Forderungen aus Rheinland-Pfalz um, indem er die Internet-Information über Kerosin-Ablässe veranlasste. Zudem kündigte der Bund eine Studie zu der Problematik an, die aber keine neuen Daten erheben, sondern lediglich vorhandene Untersuchungen neu auswerten soll. Mit solchen Maßnahmen ließen sich die Vorbehalte der Bevölkerung jedoch nicht ausräumen, kritisierte der Mainzer SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer. Er forderte, beim sogenannten Fuel Dumping müsse sichergestellt sein, dass einzig Sicherheitsaspekte die Entscheidung beeinflussen, ob Treibstoff freigesetzt wird. Der Verdacht müsse ausgeräumt werden, dass dies gelegentlich auch geschehe, weil Fluggesellschaften kostspielige Inspektionen nach einer Landung mit Übergewicht fürchten.



Dass Flugzeuge vor der Landung immer etwas Kerosin ablassen, sei jedoch ein Mythos, so der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Das Gerücht stütze sich oft auf die Beobachtung, dass Flugzeuge weiße Streifen hinter sich herzögen. Doch das Ablassen von Treibstoff im regulären Flugbetrieb sei weder vorgesehen noch zulässig – und obendrein Geldverschwendung, erklärte die Luftfahrt-Lobby. Es gebe jedoch Notfälle, bei denen der Pilot das Flugzeug schnell landen müsse. Wenn dann noch zu viel Kerosin im Tank sei, könne die Landung gefährlich werden. Denn das vorgeschriebene maximale Startgewicht sei deutlich höher als das maximale Landegewicht. Bei einer Boeing 747-8 zum Beispiel seien es 448 Tonnen beim Start und 312 Tonnen bei der Landung. Deshalb müsse der Pilot manchmal schnell Treibstoff ablassen. Das passierte zwischen 2010 und 2017 dem BDL zufolge pro Jahr im Schnitt nur 21 Mal über Bundesgebiet bei drei Millionen Flugbewegungen jährlich – es sei also extrem selten. Treibstoff müsse in mindestens 1800 Meter Höhe abgelassen werden. Das Kerosin werde in der Luft zu feinem Nebel zerstreut, so die Luftfahrt-Lobby.

Wie schädlich der Treibstoff für Mensch und Umwelt wirklich ist, ist umstritten. Die letzte Untersuchung ist bereits 25 Jahre alt, teilte das rheinland-pfälzische Umweltministerium mit. Dem saarländischen Umweltministerium sind keine Untersuchungen dazu bekannt. Einzig ein Gutachten des Tüv Rheinland kam zu dem Ergebnis, dass der Kerosinausstoß gesundheitlich unbedenklich sei. Aber das ist schon über 20 Jahre alt. Das erwartete „Literatur-Gutachten“ der Bundesregierung wird nach Einschätzung der Umweltverbände keine neuen Erkenntnisse zu den Gefahren des Kerosin-Ablasses bringen.

(dik)