1. Saarland

Revanche im Grünen

Revanche im Grünen

Du musst dringend ins Beet", sagt mein Mitgärtner mit vorwurfsvoller Miene. Stimmt, es sprießt heftig am falschen Platz. Aber wann und wie jäten, wenn der Job seinen Tribut fordert und Trockenheit den Boden für Werkzeug undurchdringlich macht?Im Urlaub habe ich dann keine Ausrede mehr, das Wild-Bei-Unkraut muss weg

Du musst dringend ins Beet", sagt mein Mitgärtner mit vorwurfsvoller Miene. Stimmt, es sprießt heftig am falschen Platz. Aber wann und wie jäten, wenn der Job seinen Tribut fordert und Trockenheit den Boden für Werkzeug undurchdringlich macht?Im Urlaub habe ich dann keine Ausrede mehr, das Wild-Bei-Unkraut muss weg. Doch wo anfangen, wenn der grüne Filz so dicht ist, dass man am liebsten gar nicht anfinge? Klar, an den Rändern. Bei kleinen, überschaubaren Flächen stellen sich rasch Erfolgserlebnisse ein - psychologische Trickserei tut auch im Umgang mit sich selber gut. Schnell hat der Rasenkantenstecher sein Werk getan. Weniger schnell geht es beim Loshacken der Unerwünschten, die von der Wiese ins Beet drängen. Noch moderater wird das Tempo beim nächsten Schritt: an der Kante entlangrobben, Lockeres auflesen, gegen Ungelockertes die Jätegabel zücken - gründlich bitte das Grünzeug muss wurzeltief raus, sonst habe ich bald wieder den Salat. Bei Rasengras, Braunelle, Wegerich geht das leicht, ermutigend, die Frustgrenze ist weit. Mit frischem Optimismus wende ich mich Weißklee, Löwenzahn, Quecke und anderen tief wurzelnden Unerfreulichkeiten zu. Deftiges Gefluche, hört ja keiner. Irgendwann ist es geschafft. Mulchen, so sind auch noch die dumm herumstehenden Holzhäcksel-Gefäße in Nullkommanichts leergeräumt. Ich bin zufrieden. Am nächsten Morgen folgt der Schock: Der Kontrast zwischen gepflegten Beeträndern und wild vergrüntem Rest ist gewaltig - ich wusste es, hatte es mir aber, Trick 17, verschwiegen. Nun muss er sein, der Jäte-Gang durchs ganze Gärtchen. Ein zäher Kampf. Ich beginne - siehe da, es geht, das Chaos weicht. Und die Revanche naht. Mit der vorwurfsvollen Miene, die ich vorm Spiegel geübt habe, sage ich: "Du musst dringend an den Rasen." Mein Mitgärtner schluckt: Ja, stimmt, da gibt's mehr Moos und Kraut als Gras. Und zuckt die Achseln: trockener Boden, knappe Zeit - wann anfangen und wie?