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Residenzkino setzt auf den kleinen Hobbit

Residenzkino setzt auf den kleinen Hobbit

Völklingen. Im Schaukasten in der Karl-Janssen-Straße hängt das Plakat vom neuen James-Bond-Film. Ein übergroßes Versprechen, denn den gibt es nicht zu sehen. Aber das Poster zeugt davon, dass nach neun Monaten Betriebsruhe wieder Leben ins Völklinger Residenzkino eingezogen ist. Und ein nicht alltägliches Marketing, denn dem Publikum wird hier Ungewöhnliches abverlangt

Völklingen. Im Schaukasten in der Karl-Janssen-Straße hängt das Plakat vom neuen James-Bond-Film. Ein übergroßes Versprechen, denn den gibt es nicht zu sehen. Aber das Poster zeugt davon, dass nach neun Monaten Betriebsruhe wieder Leben ins Völklinger Residenzkino eingezogen ist.Und ein nicht alltägliches Marketing, denn dem Publikum wird hier Ungewöhnliches abverlangt. Die Völklinger müssen nämlich, wie ein kleiner Aushang an der Tür erklärt, kräftig mitarbeiten, wenn sie das Kino über den Jahreswechsel hinaus behalten wollen. Wohl und Wehe des Unternehmens hängen nach den Worten von Besitzer Günther Theis davon ab, ob die Leute ab dem 12. Dezember zahlreich in den Film "Der Hobbit" gehen.

Reservieren per Internet

Der drei Stunden dauernde Fantasy-Streifen wird ab diesem Tag drei Wochen lang in den beiden großen Sälen gezeigt. Nicht in 3 D, wie in ganz modernen Kinos, aber, so wird versprochen, in bewährter 2 D-Qualität mit gutem Ton und zu einem ermäßigten Eintrittspreis von 8,50 Euro. Wer möchte, kann sich bereits dieser Tage auf der neuen Internetseite kino-voelklingen.de Karten reservieren lassen.

Sollte der Zuspruch des Publikums hoch sein, so erklärt Kino-Urgestein Theis, dann wären die Verleiher auch weiterhin bereit, so genannte Bundes-Startfilme nach Völklingen zu geben. Nur Kinos, die regelmäßig Filme zu deren Start zeigen dürften, seien wirtschaftlich zu betreiben. Und für diesen Fall könnte das Völklinger Residenz-Lichtspielhaus wieder richtig ins Rollen kommen, natürlich auch mit Kinderprogramm und allem, was ein Kino ausmacht.

Theis, 85 Jahre alt, hatte das Glück, einen relativ jungen Theaterleiter für sein Residenzkino zu finden, einen "Kino-Verrückten" aus Oberfranken, noch keine 50, "voller Power", handwerklich begabt, fleißig, ehrgeizig. Nein, sagt der Mann, seinen Namen möchte er erst bekannt geben, wenn er alles im Laufen habe. In einer Kinozeitschrift hatte er per Inserat ein "kleines Kino" gesucht, Theis habe ihm sein großes angeboten. "Hier ist doch eine Kulturlandschaft, da geht was, ich bringe es hoch", verspricht der Bayer. Den "Hobbit"-Film, so erzählt er, habe er nach persönlichen Besuchen in München bei Verleihern losgeeist - eine prima Startchance. In den wenigen Tagen bis zur Premiere arbeite er jeweils 15 Stunden, Farbe, Einrichtung, Technik, alles. Der Mann schläft nachts auf seiner Baustelle.

"Mitmacher" gesucht

Mit einem weiteren Aushang an der Tür werden übrigens noch "Mitmacher" gesucht, Kino-Leidenschaftler, die Karten abreißen oder die Popcorn-Maschine bedienen, quasi als ehrenamtliche Aufbauhelfer. Wer möchte, melde sich unter Telefon (01 60) 92 24 43 21.

Wenn alles gut angelaufen ist, sollen die beiden weiteren Säle des Kinos rasch vorführbereit gemacht werden. Im Sommer 2013 stünde die Umrüstung auf digitale Projektion an, denn ab Herbst gibt es keine analogen Filme mehr. Das wäre dann eine größere Sache. Irgendwie läuft es derzeit "gefühlt" ziemlich gut für den Bayern: Ein erster Sponsor hat ihm Material geschenkt, und um die Weihnachtsbeleuchtung muss er sich nicht kümmern - die vom vorigen Jahr hängt noch.