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Regisseurin wagt sich an ihren Traumstoff ran

Regisseurin wagt sich an ihren Traumstoff ran

Saarbrücken/Heusweiler. "Ich habe meine Leute diesmal schwer gebeutelt und getestet, wie viel ich ihnen zumuten kann." Regisseurin Sandra Klein hat sich dieses Jahr mit ihrer Theatergruppe "Bohemian Company" Großes vorgenommen: Shakespeares Hamlet steht auf dem Spielplan, in einer Fassung mit Musik und Live-Band

Saarbrücken/Heusweiler. "Ich habe meine Leute diesmal schwer gebeutelt und getestet, wie viel ich ihnen zumuten kann." Regisseurin Sandra Klein hat sich dieses Jahr mit ihrer Theatergruppe "Bohemian Company" Großes vorgenommen: Shakespeares Hamlet steht auf dem Spielplan, in einer Fassung mit Musik und Live-Band. Kein Musical! Vielmehr sind einzelne Songs (unter anderem von Elvis, Michael Jackson, Tom Waits, Xavier Naidoo oder den Guano Apes) als Stilmittel mit erzählender Funktion integriert. Wie immer wird in aufwendiger Doppelbesetzung gearbeitet. Zum ersten Mal jedoch müssen alle Musiktheater-erprobten Schauspieler bei den Tanzszenen mitwirken und darüber hinaus permanent auf der Bühne sein: Wer grad keine Szene hat, vervollständigt den Chor der gaffenden Hofschranzen. "Hamlet wollte ich schon machen, seit ich denken kann" erzählt Company-Chefin Sandra Klein, die ein ausgesprochenes Faible für Shakespeare hat - Hamlet ist bereits die vierte Shakespeare-Produktion in der fünfjährigen Ensemble-Geschichte. Die Inszenierung neuzeitlich zu überfrachten, hält Klein für überflüssig: "Shakespeare ist ein genialer Geschichtenerzähler mit wunderschöner Sprache und enormer emotionaler Kraft - da muss ich nichts künstlich hinein interpretieren, um mich zu rechtfertigen, warum nun auch ich den Hamlet mache. Hamlet ist in erster Linie ein junger Mann, der nicht damit klarkommt, dass seine Mutter es direkt nach der Ermordung seines Vaters mit dessen Mörder (seinem Onkel) treibt. Punkt!" Hamlet fühle sich und den Vater von der Mutter - einvernehmlich still duldende Mitwisserin des Verbrechens? - hintergangen. "Das ist als Ausnahmesituation völlig ausreichend!", meint Klein. Einen Kniff zur Verschärfung des Konflikts hat sie sich allerdings erlaubt: Ihr Hamlet ist ein Mädchen. Keine Hosenrolle! Hamlet begegnet uns hier als junge Frau, die zur Sicherung der Thronfolge von Geburt an als Junge aufgezogen wurde und diese Rolle ihren Eltern zuliebe erfüllt. Die Aufrechterhaltung der falschen Identität erfordert ein gehöriges Maß an Opferbereitschaft und Selbstverleugnung und zwingt drei Menschen in ein verqueres Liebesdreieck. Denn weder kann die Frau Hamlet ihrem Freund Horatio ihre Liebe eingestehen, geschweige denn sie ausleben noch kann sie Ophelia, die den vermeintlichen Mann Hamlet liebt, die Wahrheit sagen. Das werde bei ihr jedoch nicht so fokussiert wie in dem deutschen Stummfilm von 1921 mit Asta Nielsen als weiblichem Hamlet, erläutert Klein. Sie möchte vielmehr Hamlets Konflikt mit der ihm/ihr zugemuteten männlichen Identität in den Mittelpunkt rücken. Denn mit dem Tod des Vaters und dem Verrat der Mutter habe Hamlet keinen Lebensinhalt mehr und stelle die Selbstaufopferung in Frage. "Wozu noch?"

Auf einen BlickPremiere für den "Hamlet" der Bohemian Company ist am Freitag/Samstag 17./18. September, jeweils 20.30 Uhr, in der Kulturhalle Heusweiler. Wiederaufgeführt wird die Fassung mit Musik und Live-Band am Freitag/Samstag 24./25. September, jeweils 20.30 Uhr, im Kulturhaus Wiebelskirchen. Karten: Tel. 01 75/3 49 55 95 (15 - 18 Uhr) oder info@bohemian-company.de, Internet: www.bohemian-company.de