Regen - dringend erwünscht "Kein offenes Feuer in Wäldern!"Wetterfrosch Ginsbach: Das Frühjahr war viel zu warm

Regen - dringend erwünscht "Kein offenes Feuer in Wäldern!"Wetterfrosch Ginsbach: Das Frühjahr war viel zu warm

Merzig-Wadern. Skeptisch betrachtet Bauer Martin Schulien sein Haferfeld oberhalb von Bachem. Große gelbe Stellen verkünden ihm nichts Gutes. "Hier fordert die Trockenheit unaufhörlich ihren Tribut, da hilft auch kein Regen mehr", bedauert der Landwirt. Auf kargen, durch die Witterung völlig ausgelaugten Sandböden würden die Pflanzen in ihrem noch jungen Wachstum verkümmern

Merzig-Wadern. Skeptisch betrachtet Bauer Martin Schulien sein Haferfeld oberhalb von Bachem. Große gelbe Stellen verkünden ihm nichts Gutes. "Hier fordert die Trockenheit unaufhörlich ihren Tribut, da hilft auch kein Regen mehr", bedauert der Landwirt. Auf kargen, durch die Witterung völlig ausgelaugten Sandböden würden die Pflanzen in ihrem noch jungen Wachstum verkümmern. "Wir brauchen Regen, wenn möglich einen Landregen über mehrere Tage." Wenn nicht, komme es zu erheblichen Ernteausfällen, befürchtet der Landwirt. Kurze, heftige Gewitter seien dabei nicht unbedingt zuträglich. "Dann laufen wir Gefahr, uns noch mehr Schaden einzuhandeln." Aber dass die Natur keine Wünsche erfüllt, weiß der erfahrene Bauersmann schon längst.Josef Jacoby bewirtschaftet in Tünsdorf einen Obstbau- und Baumschulenbetrieb. "Auch wir warten inständig auf Regen", sagt Jacoby. Dennoch dürfe man im Landkreis von Glück sprechen. "Schließlich sind wir in unseren Breiten vom Frost, wie es ihn in anderen Teilen Deutschlands gab, verschont geblieben." Man habe aufgrund der frühen milden Witterung eine gute Blüte gehabt. "Zwetschgen, Mirabellen und andere Sorten tragen voll, auch bei Äpfeln gehen wir von einer ganz normalen Ernte aus", betont Jacoby. Aber jetzt müsse Regen kommen. "Wenn die Obstbäume in Kürze keinen Regen bekommen, ist eine Notreaktion zu befürchten. Dann gibt es im Juni einen Fruchtfall." Die Pflanzen stoßen dann viele junge Früchte ab, um sich von unnötigem Ballast zu entledigen. Auch Jacoby sorgt sich um das Risiko, das Gewitter mit sich brächten. Allerdings müsse er als Imker sagen: "Aus Sicht des Blütenstandes und der Bienenvölker ist das Frühjahr bisher sehr gut gelaufen."

Enorme Verdunstung

Peter Hoffmann (Foto: ags), Saarländischer Bauern-Präsident aus Büschdorf, hat große Bedenken: "Wenn nicht bald Regen einsetzt, wird es zu erheblichen Ertragseinbrüchen kommen." Die Landwirtschaft sei in diesem Jahr bereits mit einem Niederschlags-Defizit gestartet, berichtet Hoffmann. Sonne und Wind würden eine enorme Verdunstung in Gang setzen. "Wir messen derzeit auf den Feldern unseres Kreises rund 30 bis 40 Liter Wasserverdunstung je Woche." Jeder Liter entspreche einer Wassersäule von einem Millimeter. Pflanzen auf sandigen Böden würden nur schwer tiefere, wasserhaltige Schichten erreichen. Landwirte mit Muschelkalk- oder Lehmböden hätten infolge der Trockenheit ein ebenso schwerwiegendes Problem. "Auf diesen Böden geht dann gar nichts mehr, es ist wie ein Kampf gegen Beton."

Winzer: Positive Wetterlage

Nutznießer dieser klimatischen Bedingungen sind nach eigenen Aussagen die Winzer an Saar und Mosel. So meint Winzer-Präsident Helmut Herber (Foto: ags) aus Perl: "Wir warten zwar auch auf Regen, aber wir brauchen ihn noch nicht." Die Vegetation in den Wingerten sei etwa 14 Tage ihrer Zeit voraus. "Das ist für uns ein ganz klarer Vorteil." Für die Winzer sei die Wetterlage positiv. Aber ewig dürfe die Trockenheit auch beim Weinbau nicht anhalten, da es sonst zu "Wachstumsdepressionen" komme. Zunächst gibt sich Herber hoffnungsvoll: "Extrem lange Regenpausen sind nicht zu befürchten, die hat es für uns Winzer auch noch nie gegeben." mit Landwirt Martin Schulien. Merzig-Wadern. "Die Böden zahlreicher Waldstücke sind knochentrocken", erklärte Revierförster Jörg Conrath der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage. Man könne aber nicht generell für den gesamten Wald eine erhöhte Waldbrandgefahr annehmen. In reinen Laubholzbeständen oder in Bachtälern sei die Situation weniger brisant als in reinen Nadelholzbeständen.

Die Forstbetriebe Merzig warnen eindringlich vor dem Verbrennen pflanzlicher Abfälle. Höchste Aufmerksamkeit sei in Nadelholzbeständen mit Reisigresten und Flächen mit abgetrocknetem Adlerfarn geboten. "Diese Materialien brennen wie Zunder", wissen die Förster des Grünen Kreises.

"Kein offenes Feuer in Wäldern und Wiesen, Zigaretten nicht achtlos wegwerfen", lautet die Warnung der Polizei. Das Grillen und Entzünden offener Lagerfeuer sollte nur auf dafür bestimmten Plätzen erfolgen. Für Autofahrer gelte: "Kein wildes Parken im Wald, nur ausgewiesene Parkplätze benutzen." Heiße Katalysatoren oder Auspuffanlagen könnten sehr leicht trockenes Laub entzünden. Wenn es dann trotz aller Warnungen einmal zu Entzündungen kommt: "Sofort die Polizei alarmieren", fordert Polizeisprecher Hermann Großmann. owa

Merzig-Wadern. "Auch wenn's der Tourismusbranche entgegen kommt, das anhaltend warme und trockene Wetter hat seine Tücken", sagt Patrick Ginsbach (Foto: ags), Diplom-Geograph aus unserem Kreis, der beim saarländischen Umweltministerium arbeitet.

Der vergangene April habe gerade mal 25 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge gebracht, sagt der ehemalige Wetterfrosch der SZ. Ein ähnlich warmes Frühjahr habe man im Jahr 2007 registriert. Damals sei es um diese Jahreszeit auch viel zu warm gewesen. "Die Landwirte erwarten sehnlichst einen Landregen", sagte Patrick Ginsbach. Aber der sei zurzeit nicht zu erwarten.

"Für Mittwoch ist eine Kaltfront prognostiziert, die regional durchaus etwas Entspannung bringen könnte", so der Wetterfrosch. Wenn es Niederschlag gebe, dann seien es in den kommenden Tage eher Gewitter. owa

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