1. Saarland

Realschulen verlieren an Boden

Realschulen verlieren an Boden

Homburg/Kirkel. Nach dem Ende der Anmeldefristen stehen auch für die Erweiterten Realschulen in Homburg und Limbach die Schülerzahlen für das kommende Schuljahr fest. Angesichts der Zahlen kann man generell sagen, dass die Erweiterten Realschulen in diesem Jahr die ersten und deutlichsten Opfer des Geburtenrückgangs geworden sind

Homburg/Kirkel. Nach dem Ende der Anmeldefristen stehen auch für die Erweiterten Realschulen in Homburg und Limbach die Schülerzahlen für das kommende Schuljahr fest. Angesichts der Zahlen kann man generell sagen, dass die Erweiterten Realschulen in diesem Jahr die ersten und deutlichsten Opfer des Geburtenrückgangs geworden sind.Vergleichsweise unbeschadet kam nur die Robert-Bosch-Schule (ERS Homburg I) davon, sie hat in diesem Jahr 65 Anmeldungen zu verzeichnen, "das gibt drei stabile Klassen, davon zwei Ganztagsklassen", freut sich die Schulleiterin Barbara Neumann. Sie ist froh, dass vor zwei Jahren der Schritt hin zur Ganztagsschule getan wurde, "das war ein enormer Pluspunkt für uns".

Am Nachmittag gebe es regulären Unterricht "und nicht nur betreute Freizeit," dazu Arbeitsgemeinschaften und viel Musik. "Wir bekommen vielleicht sogar eine Streicherklasse mit Cello und Geige." Die Eltern würden dieses Ganztagsangebot sehr schätzen, das bis 16.30 Uhr dauere. "Wir sind drei Frauen im Leitungsteam und wir bringen unsere Stärken ein, eine leitende Kollegin ist immer bis 16.30 Uhr im Haus."

Weniger erfreut war hingegen Ursula Luckscheiter von der ERS in Limbach - 38 Anmeldungen liegen ihr vor, das ist deutlich weniger als im Jahr zuvor. "Es stand eben nur eine bestimme Anzahl Kinder zur Verfügung, es waren nicht mehr zu verteilen", sagt sie. Da Empfehlungen nicht mehr Voraussetzung seien, hätten sich viele Eltern fürs Gymnasium entschieden. Ob das immer im Interesse der Kinder sei, "will ich nicht beurteilen".

Auch Karl-Peter Ranker von der ERS Homburg II in Erbach hat mit diesem Problem zu kämpfen: Nur 27 Kinder haben sich an der Sandrennbahn angemeldet. Für Ranker liegt hier ein strukturelles Problem vor: "Wenn man den Eltern die komplette Wahlfreiheit überlässt, dann muss man diese 27 Anmeldungen eben als Wahlergebnis betrachten." Die Schule habe gute Arbeit geleistet und sich sehr um die Schüler bemüht, "die Einstellung der Eltern hat sich jedoch geändert".

Seit die Option eines Gymnasiums in greifbare Nähe gerückt sei, "da versucht man's eben und schaut mal, ob's klappt". Für die Kinder sei diese Haltung aber oft eine Belastung, die auch Enttäuschungen mit sich bringe. Da der offene Zugang zum Gymnasium für jedes Kind aber offensichtlich so gewollt sei, müsse die Politik auch mit den Konsequenzen leben, zum Beispiel bei den Investitionen. So werde die ERS Sandrennbahn mit neuen Räumen und einer neuen Küche gerade zur Ganztagsschule ausgebaut, gleichzeitig würden sich die Schüler umorientieren: "Da ist ein Fehler im System."

Eine weitere Veränderung hat Ranker bei den Migrantenfamilien beobachte: Während Bildung noch vor wenigen Jahren kein großes Thema war, seien türkische Eltern sehr ehrgeizig geworden. Sie engagierten sogar Nachhilfelehrer, "damit die Kinder es schaffen".

Meinung

Weniger Kinder zu verteilen

Von SZ-RedakteurinChristine Maack

Der Geburtenrückgang hat die weiterführenden Schulen erreicht. Noch nie waren innerhalb der vergangenen Jahre so wenig Schüler aus Homburg, Bexbach und Kirkel auf Gymnasien, Gesamtschule und ERS zu verteilen gewesen wie diesmal: ganze 546 Kinder. Zum Vergleich: 2008/09 waren es noch 640, im vergangenen Jahr immerhin noch rund 585. Schon seit Jahren war obendrein der Trend zum Gymnasium zu beobachten. 2008/09 wechselten 287 Kinder aufs Gymnasium, rund 230 zur Erweiterten Realschule. Nun ist die Schere weiter aufgeklafft: 309 aufs Gymnasium, 130 an die ERS. Das liegt vor allem am Wegfall der Empfehlungen fürs Gymnasium. Trotz aller Warnungen vor dem Leistungsdruck bei G 8 haben viele Eltern beschlossen, es "trotzdem" zu versuchen. Obwohl auch die beiden ERS und die Gesamtschule Abiturzweige anbieten. Fragt sich nur, ob dieser Zuspruch den Gymnasien gut bekommt. Die sind nun in der Zwickmühle: Entweder, sie senken die Ansprüche, oder sie müssen einen Teil der Kinder wieder wegschicken. Obwohl es im Saarland ein Zentralabitur gibt, sind die Wege dorthin längst nicht mehr die selben. Das geht zu Lasten der Kinder, deren wirkliche Leistung nicht mehr gerecht bewertet wird.