1. Saarland

Rauswurf oder nur ein guter Rat?

Rauswurf oder nur ein guter Rat?

Saarlouis. Eine zehnjährige Schülerin des Saarlouiser Stadtgartengymnasiums nimmt nicht mehr den Bus. Der Grund dafür ist ein Streit um eine Wochenkarte. "Ich will, dass sich die KVS entschuldigen und versichern, dass so etwas nicht mehr vorkommt", fordert Matthias Kremer, der Vater des Mädchens

Saarlouis. Eine zehnjährige Schülerin des Saarlouiser Stadtgartengymnasiums nimmt nicht mehr den Bus. Der Grund dafür ist ein Streit um eine Wochenkarte. "Ich will, dass sich die KVS entschuldigen und versichern, dass so etwas nicht mehr vorkommt", fordert Matthias Kremer, der Vater des Mädchens. Die Zehnjährige war nach der Schule in den Bus gestiegen, hatte ihre Wochenkarte aber nicht finden können. Auf Nachfrage des Busbegleiters erzählte sie, sie glaube, die Karte an der Haltestelle verloren zu haben. Sie wollte dann eine einfache Fahrtkarte nach Dillingen kaufen. Es folgte ein Wortwechsel mit dem Busfahrer. An der nächsten Haltestelle stieg sie aus.Was zwischen den beiden Haltestellen geschah, darüber gibt es verschiedene Versionen. Nach Erzählung der Schülerin wollte sie eine Fahrkarte nach Hause kaufen, die ihr vom Busfahrer nicht verkauft wurde. Stattdessen habe er sie "unfreundlich" aufgefordert, auszusteigen und ihre Wochenkarte zu suchen. "Sie war völlig erschrocken, dass sie aussteigen sollte", erzählt der Vater, der mit den Gesprächen mit den KVS unzufrieden ist.

KVS-Sprecherin Silvia Paulus, spricht von einem Missverständnis: "Der Busfahrer hat dem Mädchen geraten, auszusteigen und die Karte zu suchen, er hat es nicht aus dem Bus geworfen." Man könne fragen, wie klug oder wie pädagogisch das Verhalten des Busfahrers war, hinter dem aber kein böser Wille, sondern Sorge um die Wochenkarte stecke.

Damit es eben keine Missverständnisse und ihren Heimweg verlassende Schüler gibt, organisieren Saarlouiser Stadtgartengymnasium und KVS zu Beginn des Schuljahres eine zweistündige Busschulung.

Busschulung für Schüler

"Einige Busfahrer der KVS kommen und zeigen den Fünftklässlern, wie sie sich im Bus verhalten sollen", erklärt Unterstufenkoordinator Jörg Theobald. Auch eine Proberunde wird gefahren. Und den Schülern wird erklärt, dass sie dem Busfahrer sagen sollen, wenn sie die Karte - aus welchen Gründen auch immer - nicht dabei haben. "Dass ein Kind aus dem Bus gesetzt wird, hat in der Schulung keiner gesagt", erklärt Theobald. Schulleiterin Sabine Blatt ist erstaunt über den Vorfall: "Wir haben ein gutes Verhältnis zu den KVS." Wenn die Fahrkarte weg ist, können Schüler im Sekretariat Geld leihen oder von dort die Eltern anrufen.

Wenn die Karte weg ist

Auf Nachfrage erklärt Paulus, dass Fahrgäste, die eigentlich eine Wochen- oder Monatskarte haben, diese im Bus aber nicht finden, eine einfache Fahrt kaufen sollen. Mit ihrer Zeitkarte können sie sich die einfache Fahrkarte am Folgetag im KVS-Infozentrum am ZOB, Kleiner Markt, ausbezahlen lassen. In der Regel klappe die Beförderung von Schülern der fünften und sechsten Klassen "problemlos", wie Paulus sagt. Die Busfahrer hätten generell die Anweisung, die Schüler zu befördern, auch wenn sie die Fahrkarte nicht haben.

Die verloren geglaubte Wochenkarte hatte die Schülerin schließlich zu Hause in der Tasche ihres Pullovers gefunden.

Meinung

Vorbeugen schützt nicht

Von SZ-RedakteurinSophia Schülke

Gut geplant und trotzdem schiefgegangen. Für betroffene Eltern ist es eine Sauerei, wenn ihr Kind ohne ihr Wissen frühzeitig aus Bus oder Bahn aussteigt und vom Heimweg abweicht. Ob freiwillig oder nicht. Denn genau das soll ja auch mit Bus- und Verkehrsschulungen vermieden werden. Dass trotz Schulung und Probe-Busfahren noch Unklarheiten seitens Busfahrer oder Kindern bestehen, verwundert.

Vorbeugen schützt scheinbar vor Schiefgehen nicht. Was in der Schulung vielleicht unterging, oder wer wen im Bus falsch verstanden hat, lässt sich nicht mehr ergründen. Klar sollte aber sein, dass Sicherheit und Selbstständigkeit des Kindes zählen, nicht eine Fahrkarte oder ein Streit darum. Erwachsene sollten auf verantwortungsvolle Weise für Kinder mitdenken.