1. Saarland

Rauchmelder retten vor Erstickungstod

Rauchmelder retten vor Erstickungstod

St. Wendel. Ein gellend schriller Pfeifton schreckt eine Frau auf. Sofort wird ihr bewusst: Der Rauchmelder schlägt Alarm. Sie schnappt ihre beiden Kinder bei der Hand und verlässt sofort ihre Wohnung. Wenig später stellt sich heraus: Ein Fettbrand in der Küche war die Ursache. Wegen des Rauchmelders wird das Feuer rasch gelöscht. Die Opfer bleiben unverletzt

St. Wendel. Ein gellend schriller Pfeifton schreckt eine Frau auf. Sofort wird ihr bewusst: Der Rauchmelder schlägt Alarm. Sie schnappt ihre beiden Kinder bei der Hand und verlässt sofort ihre Wohnung. Wenig später stellt sich heraus: Ein Fettbrand in der Küche war die Ursache. Wegen des Rauchmelders wird das Feuer rasch gelöscht. Die Opfer bleiben unverletzt.Dieser Vorfall ereignete sich Mitte März in Otzenhausen (wir berichteten). Für Dirk Schäfer (42) ist dies ein Paradebeispiel dafür, wie Rauchmelder zu Lebensrettern werden können. Der Pressesprecher des St. Wendeler Kreisfeuerwehrverbandes appelliert bereits seit Jahren an Hausbesitzer, Wohnungseigentümer und Mieter, solche Geräte in ihren vier Wänden zu installieren. Der Oberthaler: "Das ist mit überschaubaren Kosten verbunden, die sich allemal lohnen, wenn es um den Schutz des Lebens geht."

Eine Allianz gehen in diesem Zusammenhang die Wehren mit den Schornsteinfegern ein. Deren stellvertretender saarländische Innungsmeister Heinz-Detlev Puff warnt eindringlich davor, die Gefahren durch den bloßen Rauch zu verharmlosen. Der 54-Jährige aus Steinberg-Deckenhardt: "Wer im Schlaf von einem Hausbrand überrascht wird, hat kaum eine Chance ohne einen Rauchmelder." Der Marpinger Landesinnungsmeister Harald Becken (59) ergänzt: "Zehn Atemzüge reichen bis zur Bewusstlosigkeit aus." Eine Rauchvergiftung führe dann rasch zum Tod. "Die meisten Menschen verbrennen nicht, sondern ersticken", belegt Becken mit statistischen Angaben.

Damit es dazu nicht kommt, seien Rauchmelder eine adäquate Lösung. Feuerwehrmann Schäfer: "Mit 85 Dezibel wird man wach." Zum Vergleich fügt Becken an: "Das entspricht von der Lautstärke her einem Tiefflieger." Doch auch für Hörgeschädigte gebe es Lösungen. Puff zählt verschiedene Alternativen auf: Vibrationsalarm in Plumeaus oder optische Signale wie blinkendes Licht. Warnhinweise sendeten die Rauchmelder neuester Generation mittlerweile auch in Form einer Textnachricht (SMS) an Mobiltelefone. Schornsteinfegerchef Harald Becken: "Es gibt auch Geräte, die gezielt für Kinder ausgelegt sind." Tests hätten ergeben, dass Jüngere eher auf die Stimmen der Eltern reagieren. So sei es mittlerweile bei einigen Meldern möglich, statt des grellen Warntons die Stimme des Vaters oder der Mutter aufzuspielen. Der technische Fortschritt setze keine Grenzen mehr.

Das betreffe auch die Montage. Mit einfachen Handgriffen könnten die kleinen, leichten Apparate angebracht werden: geschraubt, geklebt oder mit Magneten befestigt.

Worauf Besitzer achten sollten: dass die Batterie betriebenen Rauchmelder stets funktionsbereit sind. Dirk Schäfer empfiehlt dazu, mindestens einmal pro Jahr das Gerät zu testen. Heinz-Detlev Puff weist zudem darauf hin, ein Gerät anzuschaffen, dessen Batterie an die zehn Jahre hält. "Danach sollte ein neuer Rauchmelder gekauft werden." Und Becken fordert dazu auf, die Geräte sauber zu halten. Denn Staub beispielsweise könnten die Rauchmeldersensoren blockieren.

Bei all den technischen Raffinessen: Die Menschen müssten auch wissen, wie sie sich im Ernstfall richtig zu verhalten haben, sagt Schäfer. Zum Beispiel: Türen schließen, auf alle Fälle Durchzug vermeiden, der die Flammen wegen der Sauerstoffzufuhr anfacht. Harald Becken: "Eine Holztür kann schon schützen. Es dauert bis zu einer halben Stunde, bis sie durchbrennt." Außerdem steige Rauch nach oben. So sollten Betroffene gebückt am Boden entlang die Räume rasch verlassen, rät Puff.

Trotz dieser Ratschläge von Feuerwehr und Schornsteinfegerinnung sowie gesetzlicher Vorschriften zierten sich viele Deutsche davor, Rauchmelder zu installieren. Im internationalen Vergleich liege Deutschland weit abgeschlagen hinter den USA und Großbritannien. Becken beklagt, dass nicht kontrolliert werde, ob Rauchmelder in Wohnungen vorhanden sind. Das wäre aber durchaus möglich, ist Puff überzeugt. Diese Aufgabe könnten beispielsweise Schornsteinfeger übernehmen, wenn sie ohnehin in den Häusern Rauchabzug und Heizungsanlagen inspizieren. Dazu fehle jedoch die gesetzliche Grundlage.

Aktueller Anlass für diese Appelle ist der deutsche Rauchmeldertag an diesem Freitag, 13. April. Seit 2006 veranstalten ihn mehrere Organisationen zum Brandschutz, darunter Versicherungen, Schornsteinfegerinnung und Feuerwehren. Jedes Jahr wird dazu ein Freitag, der 13. gewählt. In diesem Jahr lautet das Motto: "Auch Spürnasen riechen keinen Rauch im Schlaf."

Fotos (3): hgn

"Zehn Atemzüge reichen bis zur Bewusstlosigkeit aus."

Harald Becken

zur Gefahr durch Rauchvergiftung

"Das ist mit überschau- baren Kosten verbunden, die sich lohnen."

Dirk Schäfer

zum Rauchmelderkauf

"Wer im Schlaf überrascht wird, hat kaum Chance."

Heinz-Detlev Puff zu Gefahren

ohne Rauchmelder

Auf einen Blick

Feuerwehren und Schornsteinfeger sind diese Woche zum Thema Brandschutz mit Werbeaktionen und Informationsveranstaltungen auch in unserer Region unterwegs. Hier einige Termine:

Freitag, 13. April: Die Feuerwehr informiert ab 14 Uhr an einem Stand beim Oberthaler Brühlzentrum.

Bis einschließlich Samstag, 14. April: Die Primstaler Feuerwehr ist im Ort mehrfach zu unterschiedlichen Uhrzeiten unterwegs. Sie gibt beispielsweise an der Tankstelle Ludwig, beim Kaufhaus Becker und bei der Bäckerei Mörsdorf sowie bei Gastronomen Tipps.

Im gesamten Landkreis St. Wendel veröffentlichen die Feuerwehren in den örtlichen Mitteilungsblättern Hinweise beispielsweise zu Rauchmeldern.

Freitag, 13. April, zehn Uhr: Die saarländische Schornsteinfegerinnung startet im städtischen Montessori-Kinderhaus in Saarbrücken-Rußhütte ihre zentrale Aktion. Vertreter montieren hier unter anderem Rauchmelder. hgn

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