1. Saarland

Rathauschef hisst die weiße Fahne

Rathauschef hisst die weiße Fahne

Eppelborn. Sie haben es geschafft. Wieder einmal. Am Samstagvormittag übernahmen in Eppelborn die Narren die Macht. Trotz harter und heftiger Gegenwehr mit Kamellen und Worten musste Eppelborns Bürgermeister Fritz-Hermann Lutz letztlich doch die Überlegenheit der angreifenden Faasendbooze aus allen acht Gemeindeteilen anerkennen und seinen Chefsessel im Rathaus bis Aschermittwoch räumen

Eppelborn. Sie haben es geschafft. Wieder einmal. Am Samstagvormittag übernahmen in Eppelborn die Narren die Macht. Trotz harter und heftiger Gegenwehr mit Kamellen und Worten musste Eppelborns Bürgermeister Fritz-Hermann Lutz letztlich doch die Überlegenheit der angreifenden Faasendbooze aus allen acht Gemeindeteilen anerkennen und seinen Chefsessel im Rathaus bis Aschermittwoch räumen.Da half auch die Unterstützung durch die Landesregierung in Person von Sozial-Staatssekretärin Gaby Schäfer nichts, die dem Rathauschef, zusammen mit den Ortsvorstehern und weiteren honorigen Persönlichkeiten der Gemeinde, bei der Verteidigung des Big Eppel hilfreich zur Seite stand. Denn eben dorthin, ins Eppelborner Kultur- und Kongresszentrum, fliehen Lutz und sein Gefolge seit nunmehr neun Jahren, um sich vor den Angreifern in Sicherheit zu bringen. Die Narrenschar lässt sich natürlich nicht so einfach überrumpeln, sammelt sich am Rathaus und bläst von dort zum Sturm auf den Big Eppel - weshalb das Ereignis auch als "umgekehrter Rathaussturm" bezeichnet wird.

Doch warum die Narren überhaupt immer wieder angreifen, ist für Lutz bis heute ein Rätsel. "Die Kassen der Gemeinde sind doch leer", behauptet der Bürgermeister. Und "schaffen" wollen die Prinzessinnen und Prinzen nach der erfolgreichen Schlacht dann auch nicht. Bis jetzt sei an Rosenmontag oder Faasenddienstag noch nie ein Prinzenpaar ins Rathaus gekommen, um zu regieren, bedauert Lutz. Das könnte sich in diesen Tagen vielleicht ändern. Kai Broschart, Vertreter des Humeser Elferrates, gab sich beim Angriff nämlich als verdeckter Ermittler zu erkennen. Bereits 1997 sei er ins Rathaus eingeschleust worden, um dort für die Narren zu spionieren. Und er konnte Interessantes berichten. "Die Gemeindekasse ist gar nicht so leer wie Lutz behauptet", rief Broschart den Angreifern zu. Zumindest bis Aschermittwoch reiche das Geld noch, um kräftig zu feiern.

Eine knappe Stunde hielten Lutz und sein Gefolge dem wortreichen Angriff stand, bevor der Bürgermeister die weiße Fahne hisste. Im großen Saal des Big Eppel übergab der Rathauschef dann die Schlüssel zum Rathaus und der Gemeindekasse an die närrischen Hoheiten. Im nächsten Jahr werden die es aber schwerer haben, den Big Eppel zu stürmen, kündigte Lutz schon einmal an. Bisher habe er es noch nie geschafft, einen Narrenangriff abzuwehren. Das soll sich 2012, in seinem letzten Jahr als Eppelborner Bürgermeister, ändern.