1. Saarland

Rasantes Spiel der Gegensätze

Rasantes Spiel der Gegensätze

Jugendliche tanzen in „Fara Voce – Ohne Stimme“ das Schicksal der Sinti und Roma.

Wo sollen wir hin? Auf welchen Stein soll ich treten? Wie weit noch?, tönt die Stimme aus dem Off. Fragen nach Identität und Anzeichen von Unsicherheit. Zwei Dutzend Körper winden sich auf der Bühne. Sie scheinen in alle Richtungen zugleich zu streben. Quälen sich. Um dann jubelnd in die Luft zu springen. Zum Auftakt des deutsch-französischen Festivals "Perspectives" beeindruckt das Tanztheater "Fara Voce - Ohne Stimme" mit seinen rasanten Stimmungswechseln. Das Theaterprojekt, das junge Tänzer aus dem Saarland, Lothringen, Bosnien und Rumänien vereint, feierte gestern auf den Spicherer Höhen Frankreich-Premiere.

Das Schicksal der Sinti und Roma - keine leichte Kost, mit der sich das Stück beschäftigt. Nach wie vor ringen sich tief verwurzelte Vorurteile um die europäische Minderheit. Choreografin Daniela Rodriguez und Organisator Heiner Buchen vom Dekanat Saarbrücken haben "Fara Voce" zusammen mit 58 jugendlichen Amateurtänzern erarbeitet. In mehreren Workshops hat sich die internationale Gruppe mit der Kultur der Sinti und Roma sowie der Problematik von Minderheiten generell beschäftigt. Auch Sinti und Roma besuchten die Jugendlichen und erklärten ihnen aus ihrer Sicht, was ihre Kultur ausmacht. Für den Rumänen Daniel Catrinoiu war das eine prägende Erfahrung: "Ich habe mehr Verständnis für die Sinti und Roma gewonnen", sagt der 19-jährige Amateurtänzer. In seiner Heimatstadt Târgu Jiu lebten viele Sinti und Roma. Es sei aber ein Trugschluss zu meinen, deswegen seien die Menschen besser mit der Kultur dieser Minderheit vertraut.

Nach dem 60-minütigen Wechselbad aus Hip-Hop und Modern Dance, Macht und Ohnmacht, Hass und Glück, sagt ein 61-jähriger Zuschauer tief beeindruckt: "Ich habe mehrfach geweint" und: "Wenn ich einen Hut hätte, würde ich ihn jetzt in die Luft schmeißen."