1. Saarland

Querflöte mal rockig: Ian Anderson

Querflöte mal rockig: Ian Anderson

Auf Ihrer Homepage sind "All Too Frequently Asked Questions" nachzulesen: Standard-Fragen, die immer wieder in Interviews auftauchen, im Grunde aber nicht sonderlich interessant sind, und die Sie nicht mehr gestellt bekommen möchten

Auf Ihrer Homepage sind "All Too Frequently Asked Questions" nachzulesen: Standard-Fragen, die immer wieder in Interviews auftauchen, im Grunde aber nicht sonderlich interessant sind, und die Sie nicht mehr gestellt bekommen möchten. Wie sähe ein ideales Interview für Sie aus?Ian Anderson: Ich bin zwar kein Musikjournalist, aber ich habe auch schon ein paar Interviews geführt, und es ist mir sehr wichtig, dass die Fragen persönlich und originell sind. Als ich vor ein paar Jahren Katie Melua interviewte, fragte ich sie danach, welche Akustikgitarren sie bevorzugt. Da zeigte sie sofort Interesse und Begeisterung, denn viele Menschen nehmen sie nicht sonderlich ernst als Gitarristin und Songwriterin, sondern nur als hübsche Sängerin. So verwickelt man die Leute in ein Gespräch und plötzlich fragt man sie nach ihren politischen Ansichten, nach ihrer Sexualität, oder warum sie Scientology beitreten.

Und ein schlechtes Interview?

Anderson: Anfang der 70er sprach ich mit Nick Kent vom New Musical Express. Zunächst weigerte er sich, ein Interview um neun Uhr morgens zu führen, weil er normalerweise nicht vor fünf Uhr nachmittags aufstand. Er hielt sich für ein Rock'n'Roll-Tier oder so etwas. Das war ein absoluter Reinfall, denn er kam direkt aus dem Bett, hatte nicht geduscht, sah schrecklich aus, roch genau so schrecklich, hatte keine Lust auf das Interview, und dann stellte er auch noch sofort sehr aggressive Fragen. Das war eine ziemlich schlechte Taktik, also bekam er ein ziemlich beschissenes Interview von mir. Wahrscheinlich konnte er sich danach sowieso an nichts mehr erinnern, weil er noch zugedröhnt von der Nacht davor war. Dieser Kerl war angeblich einer der großen Musikjournalisten seiner Generation. Auf mich wirkte er, als wolle er ein größerer Star sein als die Leute, die er interviewen sollte. Das ist ein Beispiel für eine schlechte Herangehensweise. Stattdessen sollte man sich bei Katie Melua einschmeicheln und sie dann nach ihrer Sexualität fragen.

Sind solche Fragen nicht zu intim, wenn es doch um Musik gehen soll?

Anderson: Wenn man viel Interview-Erfahrung hat, stören solche Fragen nicht. Würden Sie mich nach meiner Sexualität fragen, hätte ich kein Problem damit, sondern würde die Frage nutzen, um Aussagen nicht nur über mich zu treffen, sondern über Sexualität und Geschlechterrollen in der Gesellschaft oder in der Kirche. Ich mag solche Fragen, denn dann habe ich die Gelegenheit, über allgemeingültige Dinge zu reden.

Und wie steht es nun um Ihre Sexualität?

Anderson: Ich weiß nicht, ob ich schwul bin, aber ich glaube mal nicht. Kann ich aber nicht wissen, denn ich hatte noch nicht die Gelegenheit, es auszuprobieren. Vielleicht fände ich es ja toll, wenn ich wüsste, wie es ist. Fragen Sie mich in ein paar Jahren nochmal, dann habe ich mich vielleicht mal versucht an Drogen, Sex mit Männern oder Bungee-Jumping.

Was war die dümmste Frage, die Ihnen je in einem Interview gestellt wurde? Abgesehen von dieser, natürlich.

Anderson: Vielleicht, wenn Leute mich nach meiner Arbeit für die Kirche fragen, denn viele sehen mich als Kirchenhasser, der organisierten Religionen feindselig gegenübersteht. So simpel und eindimensional sind die Dinge aber nicht. Ich bin kein Christ, unterstütze aber die Wohlfahrt der christlichen Kirchen, also gebe ich auch ab und zu Konzerte für sie. Die wenigsten meiner Ansichten sind in Stein gemeißelt, ich passe sie immer wieder meinen Erfahrungen an.

Sind Sie schon mal während eines Interviews aufgestanden und gegangen, weil es Ihnen zu bunt wurde?

Anderson: Nein, wenn ich einen Job anfange, bringe ich ihn auch zu Ende, egal wie unangenehm das manchmal sein mag. Na ja, einmal habe ich ein Interview abgebrochen, aber aus anderen Gründen: Ich sprach mit einer jungen Journalistin, die gerade ein neues Aufnahmegerät hatte und nach einem langen Gespräch plötzlich merkte, dass sie vergessen hatte, es einzuschalten. Sie wollte mir nicht sagen, dass ich gerade 45 Minuten verschwendet hatte, aber man sah ihr deutlich an, wie beschämt sie war, als sie an den Knöpfen rumspielte. Also sagte ich: "Ich glaube, meine Antworten waren nicht besonders gut. Könnten wir das Interview nochmal per Skype oder Telefon führen, wenn ich in ein paar Tagen wieder zu Hause bin?" Sie schien sehr beruhigt, aber ich glaube, sie wusste, dass ich es wusste.

Karten im Vorverkauf im Endpreis für 49,50 Euro (Stehplatz) und 65 Euro (Sitzplatz) inklusive aller Gebühren in allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.eventim.de. Kartentelefon: Telefon (0 68 61) 93 99 80.