Urteil wegen fahrlässiger Tötung Tödlicher Streit um Rucksack in Völklingen – Landgericht fällt Urteil

Update | Saarbrücken · Zwei Männer streiten sich an einem Brunnen in Völklingen um einen Rucksack. Einer von beiden stirbt. Am Freitag wurde das Urteil vom Landgericht Saarbrücken verkündet.

Strafverteidiger Leonard Karl Kaiser mit dem Angeklagten im Saarbrücker Landgericht.

Strafverteidiger Leonard Karl Kaiser mit dem Angeklagten im Saarbrücker Landgericht.

Foto: Michael Kipp

Update vom Freitag, 29. September: Das Landgericht Saarbrücken hat in dem Fall um einen tödlichen Streit um einen Rucksack das Urteil verkündet. Der 41-jährige Angeklagte wurde zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt wegen fahrlässiger Tötung, wie die Nachrichtenagentur AFP mitteilt. Er wird in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Streit um Rucksack in Völklingen endet tödlich

Bericht vom 28. September: Ein Streit um einen Rucksack endet tödlich – über Umwege. So umschreibt es die Anklageschrift, die die Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Donnerstag vor dem Saarbrücker Landgericht verlesen hat. Demnach kommt es am 20. Juni 2022 gegen 18.15 Uhr in Völklingen an einem Brunnen in der Poststraße zu einem Streit zwischen zwei Männern. Dabei soll Thomas S. das Opfer mit „der rechten Faust ins Gesicht geschlagen“ haben. Das Opfer sei umgefallen, mit dem Kopf aufgeschlagen und liegen geblieben. Thomas S. habe daraufhin den Rucksack des Opfers genommen. Das Opfer kommt hernach ins Püttlinger Knappschaftskrankenhaus, in dem es sich eine Lungenentzündung einfängt, an der der Mann letztlich verstirbt. Daher lautet der Vorwurf: Raub mit Todesfolge in Tateinheit mit Körperverletzung.

Tödlicher Streit um Rucksack - Angeklagter schilder seine Version der Tat

Am Donnerstag hat sich der mutmaßliche Täter über seinen Anwalt Leonard Karl Kaiser eingelassen. Der schildert den Tattag wie folgt: Der arbeitslose 41-Jährige habe an diesem Tag morgens angefangen zu trinken. Mehrere Dosen Bier. Anschließend habe er zwei Flaschen Wodka gekauft. Bei einem Freund habe er eine Flasche Wodka und mehrere Dosen Bier getrunken, „dazu konsumierte er Amphetamin und Marihuana“, erklärt Kaiser. Im Anschluss sei er zu seiner Freundin, die habe ihn nicht reingelassen, er sei zu besoffen. Er zieht weiter in einen Park, habe dort eine halbe Flasche Wodka und weitere Bier getrunken. Die Getränke habe er in einem Rucksack mitgebracht. Danach sei er Richtung Tatort gegangen. Mit einer Dose Bier in der Hand. In der Anklage steht: „Im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit.“

Am Brunnen nahe des Globus-Baumarktes trifft er sein Opfer, einen Bekannten. Dieser habe ihn gefragt, ob er einen Schluck Bier haben könne, der Angeklagte habe ihm seine Dose gegeben und verzieht sich daraufhin ins Gebüsch, um sich zu erleichtern. Als er zurückkam, sieht er, dass sein Bekannter seinen Rucksack hat. Das glaubt er zumindest. Es kommt zum Streit, der Angeklagte nimmt dem Opfer den Rucksack ab, setzt sich ein paar Meter weiter auf eine Bank.

Opfer wollte den eigenen Rucksack zurückhaben

Ein paar Minuten später komme das Opfer zu ihm und will den Rucksack zurückhaben. Er habe versucht, so der Angeklagte, ihn mit der Faust zu schlagen, doch er habe ausweichen können und hätte das Opfer weggeschubst. Der Mann sei hingefallen und nicht mehr aufgestanden. Der Angeklagte behauptet, er habe sich nur verteidigen wollen, erklärt sein Anwalt. Die Situation hernach habe ihn überfordert, daher sei wieder ins Gebüsch verzogen. Dort öffnete er den Rucksack und stellte fest, „dass es nicht seiner war“, sagt der Anwalt. Daher habe er den Rucksack dort abgestellt. Im Nachhinein sei er auch „sehr geschockt gewesen“, als er erfahren habe, dass das Opfer in der Klinik verstorben sei.

Zeugen die den Streit beobachtet haben, bestätigen vor Gericht zum Teil die Version des Angeklagten, zum Teil die Version der Staatsanwaltschaft. Einige haben kurz nach der Tat bei der Polizei berichtet, der Angeklagte habe das Opfer vor dem Sturz mit der Faust geschlagen. Vor Gericht allerdings können sie sich nicht mehr so detailliert erinnern. Andere wollen einen Stoß des Angeklagten gesehen haben. Ob auch das Opfer zunächst gewalttätig wart, daran kann sich am ersten Prozesstag kein Zeuge erinnern. Der Prozess wird fortgesetzt.