Vorwurf von Generalbundesanwalt Saarbrücker Firma soll Russland Drohnen-Teile geliefert haben – neue Details zum Beschuldigten veröffentlicht

Saarbrücken/Karlsruhe/Berlin · Ein Unternehmer soll Teile zum Bau von Kriegsdrohnen an Russland geliefert haben. Damit verstieß er gegen EU-Sanktionen. Das wirft der Generalbundesanwalt dem Geschäftsmann vor. Jetzt werden neue Details zu dem Mann bekannt.

Drohnen-Teile vom Saarland nach Russland: Erste Details bekannt
Foto: imago/ITAR-TASS/imago stock

Illegal elektronische Bauteile aus dem Saarland an Russland geliefert, das Krieg gegen die Ukraine führt: Deshalb sitzt ein Geschäftsführer in Untersuchungshaft. Nun wurden neue Details zu dem Deutsch-Russen Waldemar W. bekannt.

Bericht: Waldemar W. ist Busfahrer und war für die Linke aktiv

So habe es bereits vor den aktuellen Vorwürfen den Verdacht wegen Geldwäsche gegeben. Ein entsprechendes Verfahren sei aber 2021 von der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken eingestellt worden. Das berichtet das Fachmagazin Business-Insider. Demnach habe der aus dem Kaukasus stammende Mann seit mindestens 2011 Handel mit Russland betrieben. Noch kurz vor dem Kriegsausbruch soll er dann eine GmbH gegründet haben.

Das sei indes aber nur ein Nebenjob gewesen. Hauptsächlich habe er als Busfahrer bei der Saarbahn gearbeitet. Bis heute sei er dort angestellt, berichtet das Branchenblatt. Er habe sich außerdem, wie auch SZ-Informationen bereits zeigten, in der Linkspartei engagiert. Der Geschäftsmann und Busfahrer sei Schatzmeister in einem Ortsverband gewesen. Zudem habe er 2014 für den Gemeinderat kandidiert. Zuletzt sei er aber in der Partei nicht mehr aktiv aufgetreten.

Das denken Russen im Saarland über den Krieg in der Ukraine
9 Bilder

Das denken Russen aus dem Saarland über den Krieg in der Ukraine

9 Bilder
Foto: Robby Lorenz

Was der Generalbundesanwalt dem Saarländer vorwirft

Waldemar W. soll von Januar 2020 bis März 2023 in 26 Fällen Elektro-Bauteile an ein Unternehmen in Russland ausgeführt haben. Dieses wiederum produziert militärisches Material und Zubehör. Der Handel habe damit bis weit nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine stattgefunden. Moskau ließ am 24. Februar 2022 das Nachbarland durch eigene Truppen angreifen.

Mit dem Handel habe der Saarländer gegen Sanktionen der Europäischen Union (EU) verstoßen. Denn die Teile werden in Russland unter anderem zum Bau von Orlan-Drohnen benutzt, die den Streitkräften durch ihre Aufklärungsflüge präzisen Beschuss ermöglichen. Der Wert der ausgelieferten Waren soll mehr als 700 000 Euro betragen, werfen die Ermittler dem Geschäftsmann vor.

Vorwurf: verbotene Waren über Baden-Württemberg nach Russland

Der Mann sitzt schon seit März hinter Gitter. Seinerzeit hatte ein Richter am Amtsgericht in Mannheim Untersuchungshaft erlassen. Kurz darauf übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall. Um die EU-Sanktionen zu umgehen, die eine Ausfuhr des technischen Materials nach Russland verbieten, soll der Deutsch-Russe die Waren erst einmal nach Deutschland importiert haben. Später habe er über ein Unternehmen in Baden-Württemberg die Produkte nach Russland ausgeführt.

Nach SZ-Informationen hatte sich der Beschuldigte in der Vergangenheit mehrmals öffentlich zum Krieg geäußert. Putin könnte die Krim nicht aufgeben, sagte W. bereits 2016.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort