Prozess gegen Raser in Zweibrücken

Justiz : Prozess gegen zwei Raser in Zweibrücken

Illegale Autorennen können seit zwei Jahren härter bestraft werden. In Zweibrücken beginnt heute ein Prozess gegen zwei mutmaßliche Teilnehmer solcher oft tödlichen Rennen.

Mit brüllendem Motor rast der PS-starke Wagen über den Asphalt, am Steuer ein Fahrer mit einem Fuß auf dem Gaspedal und einem Blick in den Rückspiegel – er will gewinnen. „Die Fahrer denken dabei, sie sind die schnellsten, besten und tollsten Autofahrer, berauschen sich an ihrem Adrenalinkick“, sagte Daniela Rechberger, Beraterin für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung („Idiotentest“), über Teilnehmer von illegalen Autorennen. Die Raser versuchten ihr oftmals geringes Selbstwertgefühl durch die Risikofahrt auszugleichen, meinte die Diplom-Psychologin vor kurzem.

Widergesetzliche Raser – es gibt sie auch in Rheinland-Pfalz: Gleich mehrere Fälle standen 2018 im Verdacht eines illegalen Rennens. Im vergangenen Jahr wurden 37 Anzeigen wegen des Verdachts einer Straftat nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuches (ohne Unfälle) untersucht. Hinzu kamen neun Unfälle mit dem Verdacht eines unerlaubten Rennens. Paragraf 315d existiert erst seit Oktober 2017. Seitdem können Teilnehmer illegaler Rennen härter bestraft werden.

Zuletzt hatten mehrere Prozesse für Aufsehen gesorgt. In Berlin verurteilte das Landgericht Ende März zwei Raser gut drei Jahre nach einem tödlichen Autorennen auf dem Kurfürstendamm zum zweiten Mal wegen Mordes und verhängte lebenslange Gefängnisstrafen.

Um einen Unfall geht es auch an diesem Montag vor dem Landgericht in Zweibrücken. Umstritten ist, ob ein illegales Rennen der Hintergrund ist. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 1988 geborenen Angeklagten vor, mit ihren Autos an einem unerlaubten Rennen teilgenommen zu haben. Sie sollen an Pfingstsamstag 2018 auf der A 8 bei Contwig (Südwestpfalz) auf einen Stau gestoßen und wegen hoher Geschwindigkeit und geringem Abstand miteinander und mit anderen Autos kollidiert sein. Die Männer weisen dies zurück.

Es ist ein Berufungsprozess. Das Amtsgericht Zweibrücken hatte die Angeklagten im April 2019 zu Bewährungsstrafen von jeweils sieben Monaten verurteilt. Der Richterspruch ist wegen der eingelegten Berufungen nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hatte im ersten Prozess die Vorwürfe als nicht schlüssig bezeichnet. Beide Wagen seien immer hintereinandergefahren und hätten sich nie überholt, verlautete von den Anwälten unter anderem. Zudem seien die von Zeugen geschätzten Geschwindigkeitsangaben zweifelhaft. Bis zum 6. August sind für den Berufungsprozess insgesamt vier Termine angesetzt.

Ob tatsächlich ein Rennen der Grund für den Unfall bei Contwig war, muss das Gericht befinden. Die Polizei beschäftigt sich aber regelmäßig auch mit Autobesitzern, die verbotene Veränderungen an ihren Fahrzeugen vornehmen. Solche Manipulationen sind in der Regel eine Ordnungswidrigkeit. Das kann soweit gehen, dass die Betriebserlaubnis für ein Auto erlischt und es sichergestellt wird.

Ein weiteres Phänomen sind sogenannte Autoposer – Fahrer, die mit aufheulenden Motoren oft an belebten Plätzen vorbeirollen, um mit ihren teils manipulierten Wagen zu posieren. Im Kampf dagegen arbeitet die Polizei in Rheinland-Pfalz mit Partnern zusammen – etwa Ludwigshafen, das Kontakt mit Kollegen im benachbarten Mannheim hat. „Wir haben bereits gemeinsam in Ludwigshafen kontrolliert – das war ein böses Erwachen für manchen Mannheimer, der dachte, er sei in Ludwigshafen sicher vor uns“, sagte ein Mannheimer Oberkommissar.

Die nordbadischen Kontrolleure stellten im vergangenen Jahr ein interessantes Detail fest. „2016 und 2017 stammten etwa 80 Prozent der beanstandeten Fahrzeuge aus Mannheim. 2018 kam hingegen erstmals die Mehrzahl der manipulierten Autos aus dem Randgebiet – etwa aus Frankenthal oder Ludwigshafen“, sagte der Polizeisprecher. Mannheim sei für diese pfälzischen Orte ein Magnet. Im Zusammenhang mit Posern zog Mannheim im vergangenen Jahr mehr als 80 Autos aus dem Verkehr.