1. Saarland

Protest gegen Windpark kennt keine Grenzen

Protest gegen Windpark kennt keine Grenzen

Kell am See/Weiskirchen. Seit Monaten gibt es in Weiskirchen ein großes Streitthema. Die Mehrheitskoalition von CDU und FDP im Gemeinderat hatte sich für die Errichtung von drei Windrädern in der Nähe des Wildparks Rappweiler stark gemacht. Dagegen liefen Bürger und vor allem die Weiskircher Hochwaldkliniken Sturm, die einen Einbruch der Patientenzahlen befürchteten

Kell am See/Weiskirchen. Seit Monaten gibt es in Weiskirchen ein großes Streitthema. Die Mehrheitskoalition von CDU und FDP im Gemeinderat hatte sich für die Errichtung von drei Windrädern in der Nähe des Wildparks Rappweiler stark gemacht. Dagegen liefen Bürger und vor allem die Weiskircher Hochwaldkliniken Sturm, die einen Einbruch der Patientenzahlen befürchteten."Wir sind da noch ganz am Anfang der Planung", versucht Weiskirchens Bürgermeister Werner Hero (CDU) die Gemüter zu beschwichtigen. Um eine Windkraftanlage zu errichten, müsste der saarländische Landesentwicklungsplan Umwelt geändert werden. Und das könne nur die Landesregierung, so der Rathauschef.Die aktuelle Situation ist so, dass der Weiskircher Rat die Pläne für den Windpark Anfang Juli vorerst auf Eis gelegt hat. Eine Entscheidung, ob die Gemeinde das Projekt vorantreiben will, wurde auf September vertagt.Gleichwohl regt sich nun auch in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See Protest. Die rheinland-pfälzischen Nachbarn hätten später nämlich Sichtkontakt mit den geplanten Windrädern. "Ich habe Werner Hero deutlich gesagt, dass der geplante Windpark in Rappweiler, nur wenige hundert Meter hinter der Landesgrenze, absolut nicht unsere Unterstützung findet", betont Kells Bürgermeister Werner Angsten (CDU). Die Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück schließe Windkraft aus. Auch der CDU-Gemeindeverband Kell hat sich zwischenzeitlich in einer Erklärung gegen den Weiskircher Windpark gestellt. Vorsitzender Sascha Kohlmann findet es nicht nachvollziehbar, dass "gerade diejenigen, die gegen den Steinbruch bei Mandern wetterten, jetzt Windräder wollen". Adressiert ist diese Kritik nicht nur an Weiskirchen, sondern auch an die zur VG Kell gehörende Ortsgemeinde Waldweiler. Deren Ortsbürgermeister Manfred Rauber (SPD) hatte sich Anfang 2010 wie Hero gegen die geplanten, letztendlich aber nicht zu Stande gekommene Wiederaufnahme des Quarzitabbaus im Manderner Steinbruch ausgesprochen (die SZ berichtete). Rauber, zugleich Fraktions-Vize der SPD in der Verbandsgemeinde, und sein Waldweilerer Rat haben keine Berührungsängste mit Windrädern.Im Gegenteil: Das Gremium hat Mitte Juli festgelegt, dass die Gemeinde Waldweiler ihrerseits die Möglichkeit des Baus von Windrädern am Teufelskopf prüfen lassen will.Indes räumt Kells Rathaus-Chef Angsten einem solchen Ansinnen auf rheinland-pfälzischer Seite wenig Chancen ein: "Die Fortschreibung des regionalen Raumordnungsplans ist frühestens 2014 fertig. Erst dann kann über neue Windkraftstandorte entschieden werden."Die FWG im Verbands-Gemeinderat Kell äußert sich noch nicht konkret zu den Windkraft-Plänen in Weiskirchen und Waldweiler: "Wir werden uns über dieses Thema beraten, wenn neue Fakten auf dem Tisch liegen", erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Edmund Schmitt. "Ich habe Werner Hero deutlich gesagt, dass der geplante Windpark absolut nicht unsere Unterstützung findet."Werner Angsten, Bürgermeister von Kell am SeeMeinung

Nicht gutnachbarlich

Von Axel Munsteiner Ganz klar: Angesichts leerer Kassen ist es verständlich, dass Kommunen auf die Suche nach neuen Einnahmequellen gehen müssen. Da bieten sich Windräder an. Sie sind wegen der hohen Pachterlöse ein lukratives und sicheres Geschäft. Weiskirchen rechnet beispielsweise mit 100 000 Euro, die pro Jahr zusätzlich in den Etat fließen können. Doch wenn es nur noch ums Geld gehen würde und überall Windräder aufgestellt würden, dann hätte dieser Wildwuchs ohne Frage eine Verschandelung der Landschaft zur Konsequenz. Nun setzt die stark touristisch geprägte Nachbargemeinde Kell in Rheinland-Pfalz seit langem in ihrer Werbung voll auf Urlauber, die Erholung in einer unberührten Natur suchen. Insofern sind es in der Tat keine gutnachbarlichen Gedankenspiele, wenn die Weiskircher direkt hinter dem Grenzbaum weiße Riesen aufstellen und sie den Kellern in voller Pracht vor die Nase setzen wollen.