1. Saarland

Primstaler kämpfen für ein Wehr

Primstaler kämpfen für ein Wehr

Primstal. Rostbraun ragen die Führungsschienen gen Himmel. Auf dem grauen Beton und Holz hat sich längst Moos breitgemacht. Farblich hat sich das Wehr über die Prims eingepasst in die Landschaft mit den Bäumen voller Herbstlaub und den noch grünen Wiesen dahinter. Doch schon bald könnte Schluss sein mit diesem harmonischen Bild

Primstal. Rostbraun ragen die Führungsschienen gen Himmel. Auf dem grauen Beton und Holz hat sich längst Moos breitgemacht. Farblich hat sich das Wehr über die Prims eingepasst in die Landschaft mit den Bäumen voller Herbstlaub und den noch grünen Wiesen dahinter. Doch schon bald könnte Schluss sein mit diesem harmonischen Bild. Denn das Umweltministerium als oberste Wasserbehörde will die Primswehre abreißen lassen. Ein Wehr musste bereits im vergangenen Jahr weichen. Zwei weitere gibt es noch in Primstal, ein drittes in Krettnich.Kurt Rech (SPD), der erste Beigeordnete der Gemeinde, der im Moment den erkrankten Bürgermeister Franz Josef Barth (parteilos) vertritt, bestätigt die entsprechende Mitteilung des Ministeriums. Es gebe mehrere Gründe für die Aufforderung zum Abriss. Zum einen die Sicherheit des Weges. Zum anderen werde damit die EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt, wonach Barrieren an Fließgewässern abgebaut werden sollen. Außerdem würde an den Streben im Wasser immer Schwemmmaterial hängen bleiben, was zu Überflutungen führen könne. Auch der rostende Stahl des Bauwerks im Wasser stelle ein Problem dar.

Doch im Nonnweiler Ortsteil Primstal regt sich Widerstand gegen das Vorhaben, besonders gegen den Abriss des Wehrs im Mühlenfeld. "Man kann nicht einfach etwas wegmachen, nur weil man sich aus der Verantwortung stehlen will", kritisiert Anwohner Elmar Peter. Er übergab dem ersten Beigeordneten gestern das Ergebnis einer Unterschriftenaktion gegen den Abriss. Über 150 Bürger, fast alle aus Primstal, haben unterschrieben.

"Die Wehre sind ein Kulturgut", meint Elmar Peter, der im nahen Krähenbusch wohnt. Sie wurden vermutlich Ende der 20er Jahre erbaut, jedoch lassen sich an den Stellen Wehre schon bis ins Jahr 1834 nachweisen. Dort sei im Frühjahr das Wasser gestaut worden, um die umliegenden Wiesen zu bewässern. Das war wichtig, um genug Heu für den Winter ernten zu können. Damit seien die Wehre ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft in dieser Region gewesen.

Heute nutzen die Primstaler das Wehr im Mühlenfeld als Übergang über den Fluss und als Spazierweg. "Hinter dem Wehr befindet sich der Bahndamm, auf dem der Radweg von Wadern nach Primstal verläuft", erklärt Elmar Peter. Auch die umliegenden Wanderwege seien für die Anwohner so gut erreichbar, auch wenn das Wehr keine offiziellen Zuwege hat. Die Anwohner gehen einfach über die angrenzende Wiese.

Die Gemeinde Nonnweiler spricht sich ebenfalls für den Erhalt des Wehrs im Mühlenfeld aus, der Primstaler Ortsrat hat laut Rech bereits vor einem halben Jahr einen entsprechenden Beschluss gefasst. "Als Primstaler Ortsvorsteher verstehe ich natürlich auch das Interesse der Bürger. Ich habe ja selbst schon bei der Erneuerung des Wehres geholfen", sagt Kurt Rech. Zuletzt habe man bei der jährlichen Verschönerungsaktion im Ort neue Bohlen angebracht, um die Begehbarkeit abzusichern. Laut Rech strebe die Gemeinde eine Konsenslösung an. Die zwei mittleren Streben des Wehrs im Mühlenfeld sollen abmontiert werden. Dabei handelt es sich nur um Führungsschienen, keine tragenden Elemente. Damit wäre der ungehinderte Durchfluss gegeben, das Metall aus dem Wasser entfernt. Die Prims-Anlieger hat Rech dabei über die Teilnehmergemeinschaft für die Flurbereinigung mit ins Boot geholt. "Ich bin froh, wenn wir das ohne größere Einsprüche machen können", sagt der Ortsvorsteher. Noch ist das Verfahren in der Schwebe, das Umweltministerium hat sich noch nicht entschieden. Heute macht sich außerdem ein Vertreter des Landesdenkmalamtes vor Ort ein Bild von den Primswehren.