1. Saarland

Primäres Ziel: mehr Wohnqualität

Primäres Ziel: mehr Wohnqualität

SZ: Seit wann beschäftigt sich die HTW mit Alt-Saarbrücken?Heiko Lukas: Angefangen hat es im Oktober letzten Jahres; die erste Semesterwoche war Projektwoche. In dieser Woche haben wir über alle fünf Studienjahre hinweg mit dem gesamten Kollegium Alt-Saarbrücken untersucht

SZ: Seit wann beschäftigt sich die HTW mit Alt-Saarbrücken?Heiko Lukas: Angefangen hat es im Oktober letzten Jahres; die erste Semesterwoche war Projektwoche. In dieser Woche haben wir über alle fünf Studienjahre hinweg mit dem gesamten Kollegium Alt-Saarbrücken untersucht. Das erste Studienjahr hat beispielsweise den Ort beobachtet, Fotos gemacht, die Studierenden haben sich mit Ladenbesitzern unterhalten. Das zweite Studienjahr hat sich die städtebauliche Substanz angeschaut, die Straßenzüge, Baulücken. Dann haben die Studierenden neue Konzepte entwickelt. Das Projekt wurde begleitet von Thomas Hippchen, der das Stadtteilbüro in Alt-Saarbrücken leitet und sich sehr gut auskennt.

SZ: Er hat Anregungen gegeben?

Lukas: Es war ein steter Dialog. Das haben wir in der Lehre bisher noch nie praktiziert, Kenntnisse eines Insiders, der sich so tief auskennt, direkt in ein Projekt einfließen zu lassen und gemeinsam mit ihm zu entwickeln.

SZ: Die Hochschule ist bereits im Stadtteil Alt-Saarbrücken vertreten und wird es künftig noch stärker sein.

Lukas: Das ehemalige Haus der Gesundheit soll ein Hochschulgebäude werden, in das Verwaltung, Fakultät für Sozialwissenschaften und wir Architekten einziehen. Dann wird ein neues Zentralgebäude errichtet werden. Es geht in unserem Projekt aber nicht nur um den Campus Alt-Saarbrücken. Die Hochschule soll in die Stadt hineinstrahlen. Es gibt ja auch einen Bedarf an studentischem Wohnen. Daher untersuchen wir den gesamten Bereich und nicht nur Alt-Saarbrücken als Hochschulstandort.

SZ: Die Studierenden haben also die Chance, ihr eigenes Studentenviertel zu planen?

Lukas: Genau. Sie haben sich das Viertel, den Kiez, genau angeschaut - bis hin zum Verkaufskiosk. Mit den Studierenden in den Masterseminaren haben wir noch weitergedacht. Für den Bereich Busdepot, Milchhofgelände wurden städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten entworfen.

SZ: Ein Bereich, den auch die Stadt gerne weiterentwickeln würde.

Lukas: Das ist einer der Gründe, weshalb wir die Ausstellung machen und das Potenzial Alt-Saarbrückens zeigen möchten. Unsere Lösungsansätze wurden unter dem Motto erarbeitet "Was wäre wenn" und zum Beispiel die Frage gestellt: Was wäre, wenn das Busdepot um ein, zwei Kilometer verlegt werden würde. Es muss ja nicht unbedingt auf dieser wertvollen Innenstadtfläche positioniert sein. Auf der Fläche könnte stattdessen ein neues Stadtquartier entstehen mit neuer Wohnbebauung, neuen Plätzen und eventuell neuen Parks. Das Wohnquartier dann vielleicht in Kombination mit einer neuen Messehalle oder mit einer neuen Eventhalle. Eine Überlegung war: Wenn es so große mögliche Konversionsflächen in der Stadt gibt, warum muss die Eventhalle am Stadtrand liegen?

SZ: In Alt-Saarbrücken leben fast 20 000 Menschen, darunter viele Ältere. Wenn Sie mit Mitgliedern des Stadtteilforums reden, werden die Ihnen sagen, dass viele ältere Menschen den Zugang zu ihrem Stadtteil nicht mehr finden, in ihren Wohnungen bleiben, weil sie in ihrem Viertel keine Treffpunkte mehr haben. Sind Begegnungen, auch bauliche, architektonische Begegnungen mit den Menschen, die in Alt-Saarbrücken leben, ein Thema im Studienprojekt?

Lukas: Es ist natürlich unser primäres Ziel, dass man den Bewohnern Alt-Saarbrückens zu einer hohen Wohnqualität in ihrem Stadtteil verhilft und auch die Identifikation mit diesem Stadtteil stärkt. In einigen Arbeiten wurde untersucht, wo es die Möglichkeit gibt für kleinere Stadtteilplätze, für Verkehrsberuhigungen, für einen kleineren Stadtteilpark. Allerdings sind die Ergebnisse den Alt-Saarbrücker Bürgern noch nicht gezeigt worden.