Preis für Seniorenticket im Saarland umstritten

Öffentlicher Nahverkehr : Preis für SaarVV-Seniorenticket umstritten

Ist das Sonderticket für Ältere für den Öffentlichen Nahverkehr im Saarland zu teuer? Die SZ hat sich Angebote in anderen Bundesländern angeschaut.

Mobil zu sein und zu bleiben, das ist gerade für ältere Menschen wichtig, wollen sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Viele Rentner schaffen ihr Auto ab – aus gesundheitlichen Gründen und/oder wegen der hohen Kosten. Und sind dann häufig auf einen gut funktionierenden, bezahlbaren Öffentlichen Nahverkehr angewiesen.

Auch wenn der im Saarland vielerorts und vor allem auf dem Land zu wünschen übrig lässt, so gibt es doch auch hierzulande Vergünstigunen für Ältere: Der Saarländische Verkehrsverbund (SaarVV) bietet ein Seniorenticket für alle ab 65 Jahren an. Es kostet monatlich 65,67 Euro im Jahresabo für das gesamte Netz (alle Landkreise plus Regionalverband mit Bussen und Bahnen ab neun Uhr morgens). Zum Vergleich: Das reguläre Jahresabo für ein so genanntes BürgerTicket für das gesamte Netz liegt bei stattlichen 133 Euro monatlich (89,50 Euro für einen Landkreis oder den Regionalverband). Rabatte gibt es jedoch für Berufstätige (Jobtickets), Schüler (Jahresabo ab 37,67 Euro pro Monat) und Azubis.

„Das Seniorenticket ist zu teuer“, kritisiert Helmut Krämer. Der 78-jährige Rentner aus Illingen hat sich intensiv mit dem Tarifsystem des SaarVV befasst und sogar ein eigenes Konzept für ein neues Seniorenangebot erarbeitet. Darin schlägt er einen Ticket-Monats-Preis von 14,70 Euro vor – basierend auf der Annahme, dass ältere Menschen durchschnittlich sechs bis acht Mal im Monat fahren (mit einer Tageskarte für jeweils 4,90 Euro). Er fordert, dass Senioren dann auch weiterhin vor neun Uhr mit ihrer Karte fahren dürfen, um so zum Beispiel frühe Arzttermine wahrnehmen zu können. Ein Seniorenticket, das erst ab 9 Uhr gültig ist, lehnt er ab. „Außerdem wird das Seniorenticket kaum beworben und damit schlecht angenommen“, glaubt Krämer. Gleichzeitig lobt er das Angebot des Landkreises St. Wendel, der die Monatstickets für Senioren (in Stufe 4) mit 50 Prozent bezuschusse, so dass die Tickets dann nur noch rund 39 Euro kosten.

Rund 17 600 Seniorentickets im Jahresabo habe man 2018 verkauft, teilte SaarVV-Pressesprecher Peter Gentes auf Nachfrage mit. Insgesamt bezuschusst das Land den SaarVV mit 18,72 Millionen Euro jährlich, teilte das Verkehrsministerium mit. Damit werden sowohl Seniorentickets, aber auch Kurzstreckentickets, vergünstigte Schülerzeitkarten oder JobTickets subventioniert. Das Ministerium hat auf den Unmut über den Saar-ÖPNV reagiert und gerade ein Gutachten zu einer Tarifreform vorgestellt, das eine einfache Wabenstruktur und deutlich günstige Tarife vorsieht. Nicht nur Senioren würden dann nur noch 39 Euro ab neun Uhr morgens für ein landesweit geltendes Ticket zahlen. Auch Schüler, Berufstätige und Familien mit mehreren Kindern kämen besser weg (wir berichteten). Wann und ob das aber umgesetzt wird, ist unklar. Derweil beschwert sich Krämer über die „Ungerechtigkeit“ zwischen ÖPNV auf dem Land und in der Stadt, wo es nicht einmal genügend Verkaufsstellen gebe. „Wer in der Stadt lebt, hat den Vorteil, ein günstigeres Stadt-Ticket zu kaufen. Wollen ältere Menschen auf dem Land in die Landeshauptstadt, kostet das automatisch mehr“, moniert Krämer.

Wie viel aber bezahlen Senioren anderswo? Wir haben recherchiert und Angebote einiger anderer Verkehrsverbünde in Deutschland gecheckt. Fazit: Erstens sind Preise und Leistungen schwer vergleichbar. Zweitens bewegen sich alle Angebotstickets für Senioren preislich in ähnlichen Kategorien. Unterschiede gibt es vor allem bei der Altersgrenze und bei den Mitnahmemöglichkeiten für Kinder.

In Rheinland-Pfalz zum Beispiel gibt es das „60-Plus-Ticket“ im Jahresabo für 60 Euro im Monat. Es gilt für das gesamte Bundesland. Die Fahrkarte ist wie im Saarland nicht übertragbar und man kann keine Kinder mitnehmen. Anders beim SaarVV: Hier dürfen bis zu drei Kinder unter sechs Jahren kostenlos mitfahren. Und in Großstädten? In Berlin und dem angrenzenden Brandenburg fahren Menschen über 65 für 51 Euro Abopreis im Monat (keine Mitnahme von Kindern). In München bezahlen Senioren ab 60 für die „IsarCard60“ zwischen 48,10 Euro und 69,10 Euro je nach Verkehrswabe. Im mecklenburg-vorpommerschen Rostock beispielsweise müssen Senioren ab 60 nur 47 Euro für die Monatskarte (im Jahrsabo) berappen. Schüler fahren dort ab 2020 sogar umsonst, was die Stadt dann 3,3 Millionen Euro an Zuschüssen kosten wird. Das glückliche Luxemburg hat beschlossen, den öffentlichen Nahverkehr ab 2020 kostenfrei zu machen – und zwar für alle.

Ein kostenfreier ÖPNV ist für die CDU/SPD-Landesregierung kein Ziel. Aber vielleicht werden die Vorschläge aus dem Gutachten umgesetzt – davon würden nicht nur Senioren profitieren.

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