Pop-Ausstellung vom Saarländischen Rundfunk auf dem Halberg Saarbrücken

Pop-Ausstellung auf dem Saarbrücker Halberg : Der Pop beim SR: Ein Halberg und zwei Udos

Tief gegraben hat der SR in seinem Foto-Archiv. Das Ergebnis ist die Ausstellung „Der Saarländische Rundfunk als Popkultur-Botschafter“ – auch eine nostalgische Zeitreise.

Flatternde Schlaghosen. Koteletten bis zum Schlüsselbein. Schulterpolster und eine Krawatte zur onkeligen Strickweste (im edlen Howie-Carpendale-Stil) – diese Ausstellung ist nebenbei auch eine schöne Modechronik. Der Ansatz von „Goldene Europa, Hallo Twen & SR 1 Unplugged – Der Saarländische Rundfunk als Popkultur-Botschafter“ ist aber ein anderer: Was war bisher auf dem Halberg in Sachen Pop los, wer kam, sah und sang? Und mit welchen Reihen hat der SR die Popkultur befördert und tut es noch?

1964: Françoise Hardy im Gespräch mit Klaus Flätgen. Foto: SR/Mueller, Hartmut F. H. / Dieffle

70 Fotografien sind auf dem Halberg zu sehen, bevor sich die Schau auf die Reise durchs Saarland aufmacht. Sie ist Teil der Ausstellungsreihe „Pictures of Pop“ des saarländischen Poprats; kuratiert hat sie Peter Meyer (PopRat-Vorsitzender und SR-Pressechef) und Roland Schmitt, langjähriger SR-Bibliothekar.

Geordnet haben die beiden die Fotografien nach Kategorien wie  „Popstars der Goldenen Europa“, „Fernsehen“, „Kooperationen“ oder „Eigene Veranstaltungen und Reihen“. Die Ausstellung beginnt mit dem Stichwort „Dauergäste“ und viel Nostalgie: Keine anderen Musikpromis brausten so oft den Halberg hinauf wie Peter Maffay und die beiden Udos, Jürgens und Lindenberg. Letzteren sieht man hier ohne den später fest verankerten Hut und die Sonnenbrille, mal bei der Lektüre des „Becker Turm“, mal in einer Redaktionssitzung beim Rauchen – mit einer mondänen und ziemlich un-rockigen Zigarettenspitze.

1981: Udo Jürgens, der oft zu Gast war auf dem Halberg. Foto: SR

Beim Begehen der Ausstellung wird einem wieder klar, in welch geballter Form der selige Showpreis „Goldene Europa“ (1968-2003) Prominenz an die Saar zog. Ein Gruppenfoto von 1984 aus dem Park von Schloss Halberg ist ein pralles Dokument kultureller Diversität: Da steht der Wiener Charmeur Peter Weck neben Marian Gold, dem Sänger der Elektropop-Band Alphaville, daneben Moderatorenlegende Manfred „Sexy“ Sexauer, auch Nena ist dabei, Elke Heidenreich, Maffay, Carpendale, Chris DeBurgh – die 1980er, konserviert in einem Foto.

2005: Bill Kaulitz (Tokio Hotel) beim Halberg Open Air. Foto: Dirk Guldner/Dirk Guldner / www.foto-guldner.;Guldner, Dirk

Statt Bildlegenden an den Fotos ist die Ausstellung mit Katalogen bestückt (102 Seiten in Din A5, mit guten Hintergrundtexten), mit denen man die Musiker und Moderatoren, sollte man sie nicht kennen, identifizieren kann. Oder man rät einfach – und kann sich dabei täuschen: Die junge Dame mit Lederhütchen und Mini-Rock wirkt auf den ersten Blick wie eine Sängerin der Neuen Deutschen Welle; tatsächlich ist es Patricia Kaas, 1989 noch am Anfang einer großen Karriere.

Manche Fotos, darunter mehr jüngere als ältere, sind eher klassische Konzertaufnahmen, die wohl vor allem die verschiedenen SR-Reihen dokumentieren sollen – Adel Tawil oder Nena etwa bei „SR 1 Unplugged“, Heino in Pseudo-Rockerkluft beim „SR Dorffest“ oder Namika beim „SR1 Alm Open Air“. Da haben die älteren Fotografien, auch durch den unfairen Vorteil der Nostalgie, oft mehr zu bieten, da sie auch hinter die Kulissen blicken. Auf einem Bild von 1973, das eine Besprechung bei Europawelle Saar zeigt, kollidieren dezenter Büromuff mit einer Wand voll poppiger Konzertplakate auf charmante Weise; bei den Dreharbeiten eines SR-Porträts von 1974 über Sergio Mendes sieht der Bossa-Nova-Gigant abgekämpft aus und legt ein Päuschen ein. Schön, dass auch der Regisseur dieses TV-Porträts hier verewigt ist – Truck Branss, einer der großen Innovatoren des Fernsehens, was die Inszenierung von Musik angeht. Auch Blicke in die Saarlandhalle gibt es: mit einem Auftritt des Franzosen Antoine (im Anzug mit Fliege) und dem Bluestrock-Trio Jeronimo (Hippie-Mähne plus Frank-Zappa-Gedächtnisschnurrbart).

Eine Perle ist auch das Bild eines jungen Sendetechnikers aus dem Jahr 1966. Es ist kein anderer als Conny Plank (1940-1987), der nach seiner Zeit in Saarbrücken ein Produzent von Weltrang wurde – unter anderem mit den Krautrockern Can, Ultravox, den Eurythmics und Kraftwerk. Verlassen hat er den Halberg 1966, wie das Heft zur Ausstellung anmerkt, wegen „Unterforderung“.

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