1. Saarland

Polizeistreife stöbert per Zufall einen Vermissten auf

Polizeistreife stöbert per Zufall einen Vermissten auf

St. Ingbert. Seit 21 Uhr hat die 29-jährige Polizistin Katrin Forbriger Nachtschicht. Bis auf drei Schwertransporte, die die Polizei begleiten musste, verlief die Nacht eher ruhig. Die Ruhe nutzen die meisten Polizeibeamten, um Akten abzuarbeiten. Forbriger tippt eine Ermittlungsakte - ein St. Ingberter fuhr in Hessen zu schnell und hat auf die Mahnbescheide nicht reagiert

St. Ingbert. Seit 21 Uhr hat die 29-jährige Polizistin Katrin Forbriger Nachtschicht. Bis auf drei Schwertransporte, die die Polizei begleiten musste, verlief die Nacht eher ruhig. Die Ruhe nutzen die meisten Polizeibeamten, um Akten abzuarbeiten. Forbriger tippt eine Ermittlungsakte - ein St. Ingberter fuhr in Hessen zu schnell und hat auf die Mahnbescheide nicht reagiert. "Wir haben den Fahrzeughalter geprüft, der aber nicht der Fahrer war". Ein Fall für die Akten.

Die Polizistin mag ihren Beruf, wegen der Abwechslung. "Es gibt nichts, was es nicht gibt. Man weiß nie, was einen erwartet". Sie soll Recht behalten. Gegen drei Uhr morgens geht es auf Präsenzstreife. Gekonnt und flott kurvt Polizeikommissar Roland Zimmermann den Streifenwagen durch die dunkle Innenstadt. Ein kurzer Stopp am Busbahnhof, wo einsam ein rotes Auto steht. "Sie haben keine Genehmigung, gegen die Einbahnstraße zu fahren. Dieses Schild gilt auch für Sie", ermahnt Zimmermann den Fahrer, der nach Ausflüchten ringt.

Weiter geht es zum Hallenbad, der gerne als Jugendtreff genutzt wird, doch niemand ist zu sehen. Dann ein kurzer Halt an einem Briefkasten, Forbriger wirft einen Brief mit einer Zeugen-Vorladung ein. "Wir nutzen die Streife auch, um Post zu verteilen", sagt sie.

Danach fährt die Streife am Parkplatz beim Mühlwaldstadion vorbei, wo ein Auto auf- und abfährt. Zimmermann dreht um und steuert auf den Parkplatz, der in schummriges Licht und Nebel getaucht ist. Die Polizisten verlangen Autopapiere und Führerschein von dem Fahrer, ein sportlicher, hagerer Mann mit Brille in T-Shirt und kurzer Radlerhose. "Wenn einer um diese Zeit ohne triftigen Grund auf einem Parkplatz herumfährt, kontrollieren wir besser", sagt Zimmermann. Die Minuten vergehen, geduldig lehnt der Mann an der Tür, während Zimmermann sein Auto durchleuchtet und Forbriger die Daten abfragt. Nach über einer Viertelstunde Warten ist klar: Der Mann wurde von seiner Frau als vermisst gemeldet. Er soll mit dem Firmenauto und einer großen Menge Schmerztabletten seit Tagen verschwunden sein und im Auto wohnen. Behutsam erklärt Katrin Forbriger dem Mann: "Sie sind wegen Selbstmordgefahr zur Fahndung ausgeschrieben, wir müssen Sie deswegen auf die Wache mitnehmen. Ein Arzt wird mit Ihnen sprechen." Wenig begeistert, aber relativ gelassen zieht sich der Mann etwas Wärmeres an, sein Kofferraum ist voller Kleider. Ein zweiter Streifenwagen bringt ihn auf die Wache. "Jetzt muss ein Arzt feststellen, ob der Mann wirklich gefährdet ist, dann müsste er ihn in die Psychiatrie einweisen", erklärt Dienstgruppenleiter Stephan Nisius. "Damit sind wir auf der sicheren Seite. Sonst heißt es, ihr hattet ihn und habt nichts gemacht, wenn er sich doch etwas antut". Roland Zimmermann ist sich sicher, dass der Arzt den Mann gehen lässt. "Das ist viel Erfahrungswissen. Mit den Jahren lernt man, Menschen einzuschätzen", sagt Nisius.

Danach begeben sich die Polizisten wieder zurück an ihre nächtliche Schreibarbeit. "Fast zwei Drittel unseres Dienstes verbringen wir mit Dokumentation. Das bekommt kaum jemand mit", sagt Nisius. Es ist vier Uhr vorbei, seine Augen wirken müde. Bis sieben Uhr müssen sie noch durchhalten - dann fängt eine andere Dienstgruppe die Frühschicht an. < wird fortgesetzt