Polizeigewerkschaft erhitzt über Saar-Polizei-Hemden-Vorschrift

Streit um Tattoos beim Polizeinachwuchs : Praktikanten der Polizei schwitzen in langen Ärmeln

Der Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Deutschen Beamtenbund Saar, Markus Sehn, ist erhitzt. „Junge Polizeianwärter dürfen bei 40 Grad Celsius keine Kurzarmhemden tragen“, empörte sich Sehn am Dienstag über die Dienstbekleidungsvorschrift der Saar-Polizei.

In den vergangenen Tagen hätten die DPolG-Saar immer wieder verärgerte und fassungslose Anfragen in Bezug auf das Tragen von Langarmhemden von Praktikantinnen und Praktikanten erreicht. Grund dafür sei, dass Tätowierungen im Dienst nicht sichtbar sein dürften, so Sehn. In diesen heißen Tagen seien etwa 120 Kommissaranwärter, Beamte auf Widerruf, von der Hemdenvorschift betroffen, sagte Sehn. Eine Studie der Uni Leipzig aus dem Jahr 2016 belege, dass etwa jeder Fünfte in Deutschland tätowiert sei und rund die Hälfte aller Frauen zwischen 25 und 34 Jahren Tattoos auf der Haut hätten.

„Die Praktikantinnen und Praktikanten mussten zum Polizeiarzt, bei den Beamten im Dienst findet keine Kontrolle auf Tattoos mehr statt“, sagte Sehn. Aus diesem Grund seien an die aktuellen Praktikanten, die Tätowierungen im Sichtbereich haben, keine Kurzarmhemden ausgegeben worden. Die ausgebildeten Polizisten, auch die mit Tattoos, tragen daher in diesen Hitzetagen Kurzarmhemden, während die angehenden tätowierten Polizisten mit Langarmhemden ihre Tattoos verdecken müssen. Und dafür schwitzen.
„Hierfür haben wir keinerlei Verständnis und fordern eine sofortige Abänderung der aktuell geltenden Dienstbekleidungsvorschrift“, betonte Sehn. Tätowierungen seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Demnach sei es auch absolut nachvollziehbar, dass viele Polizisten Tattoos trügen. Zudem sei es absolut unverständlich, dass es jungen Kommissaranwärtern untersagt werde, kleine Tattoos im Sichtbereich abzukleben, um so Kurzarmhemden tragen zu können.
„Will man hier Druck aufbauen, damit die jungen Kollegen sich frühzeitig ihre Tattoos entfernen lassen?“, fragte Sehn. Er forderte eine umgehende Ausgabe von Kurzarmhemden und die Rücknahme des Verbotes, Tattoos im Sichtbereich abzukleben. Eine angekündigte Stellungnahme von Innenminister Klaus Bouillon (CDU) lag bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht vor.

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