1. Saarland

Polizei zieht massenhaft Raser aus dem Verkehr

Polizei zieht massenhaft Raser aus dem Verkehr

Autofahren mit zu hoher Geschwindigkeit führt immer wieder zu schweren Unfällen. Die Polizei in der Großregion hat daher den Geschwindigkeitsmesstag konzipiert – und am Mittwoch für Ordnung auf den Straßen gesorgt.

Nervös nuschelt der schmale, bärtige Mann ein paar Worte in sein Handy, eine Hand schuldbewusst in der Jackentasche vergraben. Immer wieder huscht sein Blick zur Seite. Dorthin, wo 20 Polizisten im Nieselregen stehen und schon die nächsten Autofahrer kontrollieren. Bereits am Vorabend war der Mann von Beamten angehalten worden, die seinen Führerschein beschlagnahmt hatten. Und jetzt haben sie ihn erneut wegen überhöhter Geschwindigkeit von der B 406 bei Perl-Sinz gewunken. Doch am Tag zuvor war es "nur" die örtliche Polizei, diesmal ist der Aufmarsch bedeutend größer: Die Landespolizei, der Chef der luxemburgischen Verkehrspolizei, Thierry Fehr, und die Bundespolizei haben sich am Mittwochabend an der saarländischen Grenze versammelt.

Anlass war der erste internationale Geschwindigkeitsmesstag. Bei ihren Gesprächen hatten sich Polizeivertreter des Saarlandes, aus Luxemburg und aus Trier 2008 zusammengetan, um für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Eine solche Kooperation ist bundesweit bislang einmalig. Noch in diesem Jahr sollen zwei weitere Messtage folgen. "Jeder kann etwas besonders gut", sagte Innenministerin Monika Bachmann (CDU) beim Besuch einer Kontrollstation. "Wir machen das, um voneinander zu lernen. Die Zusammenarbeit kann nur bereichern."

Von Mittwoch- bis Donnerstagmorgen kontrollierten 206 Beamte knapp 21 000 Fahrzeuge in der Grenzregion - und zwar dort, wo es am häufigsten wegen überhöhter Geschwindigkeit zu Unfällen kommt, wie Polizeioberrat Ralf Geisert erklärt. Allein im Saarland richteten die Beamten 28 Kontrollstellen ein, fünf mit Anhalteposten. Während es für die luxemburgische, die Trierer und die saarländische Polizei in erster Linie um Verkehrssicherheit und Erfahrungsaustausch ging, verfolgte die Bundespolizei noch andere Ziele. "Heute testen wir, ob diese Örtlichkeiten auch für uns interessant sind und ob mehr Zusammenarbeit mit der Landespolizei hier Sinn macht", sagte Peter Fuchs, der Leiter der Bundespolizei im Saarland: "Unser Job ist heute zu schauen, ob vielleicht auch jemand hinter dem Steuer sitzt, nach dem gefahndet wird."

Besonders viel hatte die Bundespolizei an diesem Tag aber nicht zu tun. In der gesamten Region erstattete sie zwei Strafanzeigen. Die übrigen Beamten hingegen kamen während der Kontrollen kaum zur Ruhe: Allein im Saarland registrierten sie 815 Verstöße, davon 744 gegen die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit. Ein Raser stach besonders hervor: Bei einem Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde fegte er mit 178 über die Straße. Und der Mann, der ohne Führerschein gefahren ist? Der muss nun mit deutlich härteren Konsequenzen rechnen. Geisert: "Das liegt jetzt in den Händen der Staatsanwaltschaft. Ihn erwartet wohl eine Geld- oder Freiheitsstrafe."