1. Saarland

Politiker sollten bei sich selbst anfangen

Politiker sollten bei sich selbst anfangen

Hermann Röchling Aufklärung bei jungen Leuten tut not Zum Artikel „Fußballer wollen ‚Hermann' behalten“ – SZ vom 18. April Man fühlt sich angesichts des Bildes zum Artikel an totalitäre Regimes erinnert, die immer gerne ihre Kinder und Jugendlichen für das System instrumentalisieren.

Es wäre nötiger, diese jungen Menschen aufzuklären und mit dem notwendigen Hintergrundwissen zu versorgen, damit sie wissen, für wen sie hier den Daumen heben. In Völklinger Schulen scheint sich um diese Aufklärung auch niemand so recht zu bemühen. Ob all die abgebildeten Jungs dann noch stolz darauf wären, auf ihren Trikots den Namen eines Antisemiten und rechtmäßig verurteilten Kriegsverbrechers zu tragen, der für den Tod vieler Menschen verantwortlich ist? Werner Michaltzik, Völklingen

Hermann Röchling

Wie sollen es denn die Kinder wissen?

Zum Artikel "Fußballer wollen ‚Hermann' behalten" - SZ vom 18. April

Fast sieben Jahrzehnte nach dem von Deutschen provozierten Krieg und den täglich in Printmedien und Fernsehen geschilderten Greueltaten gehen auch den Leuten in Völklingen die Argumente für die Verehrung von Kriegsverbrechern aus. Dass dennoch hartnäckig und gegen alle Vernunft in Demut an der Familie Röchling festgehalten wird, liegt jetzt nur noch an den für eine Umbenennung verantwortlichen Kommunalpolitikern. Ein neuer Höhepunkt in der Diskussion ist der Einsatz von Kindern. Wenn bis vor wenigen Wochen die Eltern der Fussballkinder nicht wussten, welche Rolle die Familie Röchling in der Geschichte Deutschlands gespielt hat und in den Schulen darüber geschwiegen wird, wie sollten es die Kinder wissen? Der Präsident des Fußballvereins SV Hermann-Röchling-Höhe ist kein Geringerer als Oberbürgermeister Lorig. Die Kosten neuer Trikots für zwölf Mannschaften gibt der Vorstand des Vereins mit 25 000 Euro an. Möglich, dass er ein Angebot des Ausstatters von Real Madrid vorliegen hat. Als ehemaliger Spieler - auch in Völklingen - kann ich ihm behilflich sein. Fred Engel-Pollak, Wallerfangen

Haushalt

Politiker sollten bei sich selbst anfangen

Zum Artikel "Lorig will Bürger zum Sparen fragen" - SZ vom 11. April

Die Bürger jetzt zu fragen,wo sie bei sich zu sparen gedenken oder welcher Steuer- oder Gebührenerhöhung sie bereit sind zuzustimmen, ist mehr als ein starkes Stück. Ihnen dann im Wochenspiegel auch gleich die passenden Vorschläge zu machen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Haben die Völklinger nicht schon genug gezahlt? Wer hat sie gefragt, als den Stadtwerken ihr Kerngeschäft nicht mehr reichte und sie größenwahnsinnig wurden? War es Aufgabe der Stadtwerke, ins Immobiliengeschäft einzusteigen und mit Millionenaufwand das jetzige Parkhotel Albrecht zu betreiben? Wer hat sie gezwungen,das Anwesen Hohenzollernstraße 8 zu kaufen und zu sanieren? Vom Millionengrab Fischzucht zu schweigen. Von einem einst kerngesunden Unternehmen haben sich die Stadtwerke zu einem Sanierungsfall entwickelt, standen mehrmals vor der Zahlungsunfähigkeit und waren und sind nur mit Millionenbürgschaften der Stadt, also der Bürger, am Leben zu halten. Hier gilt es anzusetzen: Weg mit allem, was nicht zum Kerngeschäft gehört! Weg auch mit denen, die dieses Desaster zu verantworten haben! Und die Stadt? Sie leistet sich eine Stadtgärtnerei in der Kühlweinstraße, wunderhübsch angelegt mit Rabatten und Gemüsebeeten (wäre nur ganz Völklingen eine Stadtgärtnerei!), eine Kompostieranlage in Fürstenhausen, einen Wertstoffhof in Fenne, einen Betriebshof in Geislautern. Unfassbar! War es nicht möglich, alles auf einen oder zwei Standorte zu konzentrieren? Wie lange will sich Völklingen noch einen Bürgermeister samt Sekretariat leisten? Wieso braucht unser OB einen Pressesprecher? Wozu brauchen wir neben dem Stadtrat auch noch einen Ortsrat? Der Vorschlag, den Mietvertrag für die Erzhalle zu kündigen, ist vernünftig, aber bevor man weiter die Bürger abzockt, sollte man bei sich selber anfangen und wirklich sparen, es käme einiges zusammen. Hermann Braun, Völklingen

Haushalt

Bürgerbeteiligung setzt Information voraus

Zum Artikel "Lorig will Bürger zum Sparen fragen" - SZ vom 11. April

Es ist selbstverständliche Aufgabe jeder Stadtratsfraktion, ihr Königsrecht zur Aufstellung des Haushaltes wahrzunehmen, damit also auch Ausgaben und Einnahmen gemäß gesetzlicher und eigener politischen Zielsetzung vorzuschlagen. Genau so selbstverständlich ist, dass auch die Verwaltung, sprich OB, nicht nur dabei behilflich ist, sondern auch eigene Vorschläge macht. Dennoch ist auch die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung an der Aufstellung des städtischen Haushaltes sehr bedenkenswert. Aber mit der eindeutigen Vorgabe, eine solche Beteiligung der Bürger langfristig, überprüfbar und kontrolliert vorzubereiten. Wenn Verwaltung und Rat insbesondere in den letzten Jahren mehr als geheimnisvoll und nicht öffentlich beraten und beschließen, wenn Informationen vom Rathaus so gut wie immer nur als eigene Lobhudeleien rüberkommen, stellt sich die Frage, wie der Bürger mitwirken kann und soll. Eine umfassende Vor- und laufende Information etwa im Internet ist eine absolute Voraussetzung für Bürgerbeteiligung. Bürgerversammlungen oder spontane Befragungen bringen da wenig und sind auch zu sehr manipulierbar. Wenn aber gewählte Ratsmitglieder als Fraktion völlig auf eine eigene Beteiligung vorab verzichten und nur von außen und anderen das Heil erwarten, so disqualifizieren sie sich nicht nur, sondern stellen ihre eigene Existenz total in Frage. Gerade die sehr schwierige Haushaltslage der Stadt verlangt Mut zu Korrekturen, Offenheit für Vorschläge insbesondere beim Einsparen und Zusammenarbeit aller Aktiven auch mit den Bürgern, die bisher mehr als zu wünschen übrig lässt. Gerhard Scherschel, Lauterbach